ANDREA BELFIS STILLLEBEN

Posted in Musik on November 2nd, 2014 by D.K.

“Natura Morta” nennt sich das neue Album von Andrea Belfi, das diese Woche auf Miasmah erscheint. Eine altrosafarbene Hülle (CD/LP) trägt einen dunklen Siebdruck, eine Fotografie von geschnittenen liegenden Blumen, Stillleben oder wie der italienische Begriff es treffender umschreibt “Tote Natur”.

Musikalisch gesehen klingt das Album alles andere als nach toter Natur oder Stillleben. Belfis Hauptwerkzeug, die Drums, kommt hier zur vollen Geltung. Im Gegnesatz zum Vorgängeralbum, auf dem es um das Verfremden von auf den Drums entstandenen Sounds ging, setzt Belfi hier auf cleane direkte Drumsounds. Kompletiert werden die Songs durch sehr akzentuierte Elektronik, die im Prinzip nur das Drumspiel unterlegt. Das Album ist unterteilt in sechs Tracks, klingt aber wie aus einem Guss. Referenzen gibt es sicherlich viele, aber am besten hört man sich die Platte einfach nur an und lässt sie wirken ohne, gleich Vergleiche zu anderen Minimalmusikern zu ziehen. Richtig einordnen lässt sich die Platte eh nicht.

Die Aufnahmen zum Album sind im EMS Studio in Stockholm, im ZKM Museum in Karlsruhe und im Berliner Funkhaus entstanden. Das Mastern hat, wie bei so vielen Miasmah Platten, Nils Frahm übernommen. Ihr könnt die Platte direkt über das Schwesterlabel Sonic Pieces beziehen. Ob CD oder LP? Sieht beides geil aus und kostet gleich viel (bzw. wenig). Eure Wahl.

 

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SVARTE GREINER TRÄGT SCHWARZ

Posted in Release on April 7th, 2013 by D.K.

Erik Skodvin lässt endlich sein Alter Ego Svarte Greiner raus. Es war etwas ruhig um Svarte Greiner, dann kamen wieder Liverauftritte und jetzt steht endlich das dritte vollwertige Album in den Startlöchern.

“Black Tie” ist das erste Svarte Greiner Album, das über Erik Skodvins eigenes Label Miasmah Recordings erscheint. Die technischen Eckdaten sind schnell wiedergegeben: ein 42-minütiges Album, bestehend aus zwei annähernd gleich langen Stücken. Was diese Musik aber ausmacht und was diese Musik mit dem Hörer macht, ist nicht so schnell gesagt.

“Black Tie” ist auch der Titel des ersten Tracks. Im Mittelpunkt steht ein trocken gezupfter Ton auf dem Cello. Bass und Beat zugleich. Einnehmend und überwältigend stoisch. Im Hintergrund bahnen sich Ambientflächen an, die – sobald ein Fokus darauf gelegt werden könnte – wieder verschwinden und neuen Sounds Raum bieten. Ab der zweiten Hälfte des Songs betritt die Verzerrung die Bühne. Der wunderschön trockene Celloton verwandelt sich in etwas, was auch als verzerrtes Klavier durchgehen könnte. Im Hintergrund sind jetzt bissige Cellotöne zu hören, bis kurz vor Ende die Soundkulisse aus der ersten Hälfte des Tracks wieder auftaucht.

Der zweite Track hört auf den Namen “White Noise” und beginnt so, dass der Titel “White Drone” eher zutreffen würde. Ein pulsierend tiefer Drone, gepaart mit einer Soundwand von hellen Tönen, die sich im Hintergrund aufbaut. Dieser Track fliesst, es gibt keine beatähnlichen Brüche, die Sounds sind wie eine Paarung aus Welle und Wind. Irgendwann verschwindet das tiefe Gedröhne und man schwebt inmitten der leichtfüßigen helleren Soundwand. Trauen sollte man dieser Situation nicht, das ist einem schon während des ersten Tracks klar geworden. Und schon greift der tiefe Drone wieder nach einem. Gruselig schön. Im letzten Fünftel wird es noisig, der Sound klingt wie durch eine unendlich lange Röhre gefiltert. Ein Meandern wie ein Sog. Ein Beat wächst aus dem Rauschen…

Eigentlich gibt es keine Stilrichtung, die Svarte Greiners Musik genau beschreiben kann: Horror-Thriller-Ambient-Drone klingt gut.

Ende April führt kein Weg daran vorbei, diese Platte (Vinyl oder CD) in eurem Plattenregal stehen zu haben. Einkaufen könnt ihr bald im Sonic Pieces Shop.

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KRENG – GRIMOIRE

Posted in Label, Release on July 7th, 2011 by D.K.

Kreng ist der belgische Musiker Pepijn Caudron, der mit “Grimoire” sein zweites Album über Miasmah Records liefert, das sich am besten als experimentelle, moderne Horror-Klassik Platte zusammenfassen lässt.

kreng grimoire

Weder das Cover noch der Klang des Band- und Albumnamens vermögen hier Freundliches zu verheißen und das ist gut so. “Grimoire” mag die Dunkelheit. Diese Musik bleibt am besten in Erinnerung, wenn man sie nach Sonnenuntergang bei Kerzenlicht hört. Das Album beginnt mit dem subtilen “Karcist” und seinen brodelnden Basstönen, aus deren Gewaber Cellosaiten und Field Recordings herausblinzeln. Ein O-Ton aus einem Film bricht die Soundwand “You don´t belong here… look towards the light” als letzte Warnung für den Hörer, der sich hier in der Dunkelheit verirrt haben mag. Dann nimmt die Soundreise durch Ambient, moderne Klassik, Improvisation, Jazz und Filmmusik ihren Lauf. “Opkropper” mit Percussion (oder zumindest etwas nicht definierbarem, was Beats erzeugt), Cello und Klavier in düsterem Einklang. “Petit Grimoire” anfangs harmonisch, später kakophonisch. Überhaupt scheint bei Kreng das Motto zu gelten: gerne Harmonien, doch nur um sie zu stören und das ein oder andere Mal zu zerstören. “Ballet van de Bloedhoeren” als Highlight an sechster Stelle. Klassisches Cellospiel, das zwischendurch sekundenlang verstummt, und dann zu Ende hin ein Sog aus zähem, in Zeitlupe rückwärts laufendem Cellosound. Gänsehaut fördernd. “Satyriasis” gibt in sieben Minuten ein imaginäre Filmszene wieder, mit Spannungsbögen, die fast alle 20 Sekunden den Atem rauben, bis nach fünf Minuten ein freejazziges Cello, Drums und Field Recordings Poltern ausbricht. Dann das Schweigen in “Konker”, das sich allmählich in Streichersounds auflöst. “Watch the light, keep watching it”, sagt der O-Ton, und das Album endet in einem sekundenlangen immer lauter werdenden Sog aus Rückwärtssounds. Ist am Ende das Licht die Gefahr und der, der schon am Anfang das Album ausgeschaltet hat und nicht in der Dunkelheit geblieben ist, der Irrende? Ganz sicher.

Erik K. Skodvins (Deaf Center) Label Miasmah Recordings ist das perfekte Heim für Krengs Soundkosmos. Dort ist “Grimoire” auf CD und auf Vinyl erhältlich. Letzteres Format auf 400 Stück limitiert und in schwarzer Hülle mit silbernem Cover-Aufdruck.

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