NADJA GEHEN ES RUHIG AN

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Nach dem massiven, lauten und vor allem rhythmischen “Dagdrøm” folgt nun “Flipper” von Nadja und auch hier geht das Duo wieder neue Wege. Nadja lassen es sich nicht nehmen, ein Album auf Oaken Palace Records einem bestimmten Tier zu widmen. Der Titel verrät hier schon um welches Säugetier es sich dabei handelt.

Ich gebe zu, dass die Assoziation mit dem Wort “Flipper” nicht gerade mit der von Drone und Doom übereinstimmt und so ist der erste Lauschangriff auf die neue Nadja Platte vorgeprägt. “Drown” nennt sich der 10minütige Opener. Gleitender Bass, dezente Drums, minimalistischer Gitarreneinsatz und Aidans fast schon geflüsterte Vocals, veranlassen den Hörer genau hinzuhören, lauter zu machen, sich zu konzentrieren. Das Ende ist ein Crescendo aus klassischen Streichersounds und doomigen Gitarrenwänden. Sehr schön. Die Streichinstrumente werden übrigens von Angela Chan (A-Sun Amissa) und Peter Broderick bedient. “Song For The Sea” beginnt wieder ruhig und überrascht mit einem Refrain, der wie eine Welle aus Vocals, Streichern und den restlichen Instrumenten durch die Lautsprecher gleitet. Man erwartet wieder eine Art Crescendo, doch diesmal ebbt der Song in einer langen Improvisation aus. “Wrapped In Plastic” fängt griffiger an als seine Vorgänger, es herrscht eine Spannung in der Ruhe, die nur von den Violinensounds zurückgenommen wird. Was Aidan Baker singt ist nicht immer klar verständlich und auch dann, wenn man die Worte erfasst, ist der Interpretationsraum groß. Spricht hier das Gewissen eines Meeressäugers? Man hat das Gefühl, das Album nimmt einen mit in die dunklen Tiefen des Meeres. Das Ende des Tracks überzeugt mit bombastischen Basssounds und einem Aufwiegen von Violine und Gitarre. “Hands” ist der instrumentale Abschluss des Albums. Leichte Verzerrung in der Gitarre, fast schon bluesig vorgetragen und der brodelnde Bass von Leah Buckareff.

“Flipper” ist mal wieder kein typisches Doomalbum von Nadja, wer also auf ein neues “Bodycage” wartet, wird eher enttäuscht. Wer der Band aber offen gegenübersteht, wird von diesem unterschwelligen Doomalbum überrascht werden. Die Platte ist zwar ruhig, hat aber diese bestimmte Spannung in sich, die den Hörer fesselt.

Alle Gewinne aus dem Verkauf der 500er Vinylauflage gehen an die Whale and Dolphin Conservation und kommen so bedrohten Meeressäugern zu Gute. Auch unabhängig vom Kauf der Platte lohnt sich ein Besuch der Seite, die auch einen deutschen Ableger hat. Ihr könnt zum Beispiel Patenschaften für Delphine übernehmen.

“Flipper” erscheint Mitte Mai über Oaken Palace Records und kann jetzt schon vorbestellt werden.

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PROTOS OROFOS COMPILATION

Posted in Release, Sampler on February 3rd, 2013 by D.K.

Protos Orofos (griechisch für erste Etage) ist eine Art Verein und ein Ort in Thessaloniki, der sich zum Ziel gesetzt hat den wenigen Freunden experimenteller Musik, die es in der zweitgrößten Stadt Griechenlands gibt, eine Plattform zu bieten, um experimentelle Musik aus Griechenland und dem Rest der Welt live zu erleben.

Neben den regelmäßig stattfindenden Konzerten veröffentlicht Protos Orofos auch Compilations, auf denen die Künstler vertreten sind, die dort live aufgetreten sind. Es gibt mittlerweile vier Zusammenstellungen, die ihr allesamt hier kostenlos downloaden könnt (weiter unten auf der Seite). Die aktuelle Ausgabe “4” ist zusätzlich noch in einer Auflage von 1000 Stück erschienen.

Auf “4” finden sich die Künstler wieder, die von Oktober 2011 bis Mai 2012 im Protos Orofos aufgetreten sind. Neben bisher unveröffentlichten Songs von Nadja und Aidan Baker, die mit “Fire Drone” und “Ice Drone” zwei Dronejuwelen beisteuern, sind viele griechische minimalistische Künstler vertreten. Hier lohnt es sich wirklich mal einen Abend die CD einzulegen, Musik zu hören und anschließend die Künstler im Web zu suchen. Das Booklet hilft da übrigens mit nützlichen Adressen von Labels und Musikern. Heimlicher Höhepunkt ist “A Hidden House In The Mountains” von Georgios Karamanolakis. Ein extrem minimalistischer Elektronikdrone, der sich langsam in die Seele des Hörers schleicht.

Wer wissen möchte wie es klingt, wenn Frédéric D. Oberland, May Roosevelt und der griechische Musiker Michalis Vrettas zusammen im Protos Orofos spielen, kann dies ebenfalls auf “4” und hier tun:

Wer die Compilation im Anfassformat haben möchte, sollte eine englische Mail an info@protosorofos.gr schicken…

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INTERVIEW: OAKEN PALACE RECORDS

Posted in INTERVIEWS on January 14th, 2013 by D.K.

Oaken Palace Records ist ein neues Label, das experimentelle Musik mit Umweltschutz vereint und kurz vor der Veröffentlichung seiner ersten Platte steht. Da uns dieses Konzept sehr zusagt, haben wir Labelgründer Sven zum Gespräch gebeten, der inmitten aller Vorbereitungen steckt, das Label mit Sitz in England zu vermarkten.

Dein Label bezeichnest du als „The Green Record Label“, weil alle Gewinne für den Umweltschutz eingesetzt werden. Erzähl uns doch mal bitte wie das Ganze funktioniert?

Gerne, das Ganze funktioniert wie folgt: Nachdem sich eine Band bereit erklärt hat, ein Album über Oaken Palace Records zu veröffentlichen, bitte ich sie im nächsten Schritt, sich für ein Tier zu entscheiden, das auf der Roten Liste gefährdeter Arten aufgeführt ist. Diese Liste wird auf jährlicher Basis von der „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ (kurz IUCN) veröffentlicht und ist weltweit als die umfangreichste Quelle für den aktuellen Stand des Gefährdung von Tieren und Pflanzen anerkannt.

Die Band widmet ihr Release dem ausgewählten Tier und ich begebe mich daraufhin auf die Suche nach Organisationen und Stiftungen, die sich dem Schutz der jeweiligen Spezies oder ihres Lebensraums verpflichtet haben. Von meiner Liste geeigneter Organisationen wählt die Band dann diejenige aus, die ihr am meisten zusagt. Ich versuche bei der Auswahl so spezifisch wie möglich zu sein, das heißt ich bevorzuge generell Organisationen, die zum Schutz der jeweiligen Spezies gegründet wurden, um sicherzugehen, dass die Spenden auch dort ankommen, wo sie ankommen sollen.

Schließlich werden die Platten produziert und exklusiv über den Oaken Palace Online Shop und die Bands vertrieben. So versuche ich sicherzustellen, dass wirklich alle Gewinne, also alles, was über die Deckung meiner Kosten hinausgeht, dem Tier- und Umweltschutz zu Gute kommen. Die Bands erhalten normalerweise 10% der gepressten Auflage, um ihrerseits Kosten für die Aufnahme und andere Posten zu decken.

Oaken Palace Records wird nicht gefördert und ich bezahle die Produktion der Releases komplett aus meiner eigenen Tasche. Ich hoffe daher, dass das Label auch von den Fans dieselbe positive Resonanz erfährt, die ich momentan schon von den Künstlern bekomme!

Wie kamst du dazu ein Label zu gründen? Heutzutage sterben die ganzen Indie Label fast wie am Laufband aus.

Es war schon immer mein Traum, ein eigenes Label zu gründen. Einerseits finde ich es natürlich etwas besorgniserregend zu sehen, dass selbst relativ große und bekannte Label wie Hydra Head Records heutzutage kaum noch am Markt bestehen können. Andererseits bin ich aber bereit, dieses Risiko einzugehen, da ich denke, dass sich Oaken Palace Records durch seinen speziellen Fokus auf Tier- und Naturschutz von bestehenden Labels abhebt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich meine Ideale und Ziele hinsichtlich des Erhalts unserer Natur mit vielen Fans von Drone, Psychedelic, und anderen experimentellen Genres teile. Selten trifft man so viele Leute mit einem starken Umweltbewusstsein und alternativen Weltanschauungen wie auf Konzerten und Festivals wie zum Beispiel dem Roadburn – und genau diese Menschen will ich mit meinem Label ansprechen. Ich will damit zum Denken anregen, Aufmerksamkeit erregen und letztendlich auch Vorbild für andere Labels sein. Es müssen ja nicht gleich 100% der Gewinne sein, die gespendet werden – selbst 10% würden schon einen großen Unterschied machen.

Du hast dich bisher auf Drone und Psychedelic Releases spezialisiert. Wo siehst du die Verbindung zwischen Drone und Psychedelic zur Natur?

Aidan Baker, der mit seiner neuen Band Caudal sowie mit Nadja ebenfalls zwei Alben auf Oaken Palace Records veröffentlichen wird, hat vor kurzem in einer sehr persönlichen Reflektion auf sein Dasein als Künstler geschrieben: „I need to create and listen to music to maintain my emotional health“. Ich empfinde genauso – Musik ist ein Zugang zu unseren Emotionen und kann einen starken Effekt auf unser Wohlbefinden haben. Drone und Psychedelic sind für mich persönlich zwei Genres, die einen besonders intensiven Kontakt mit unserer Gefühlswelt ermöglichen und uns helfen können, unsere egoistischen Interessen zu transzendieren.

Was bedeutet Oaken Palace?

Oaken Palace bedeutet frei übersetzt „eichener Palast“ oder „Palast aus Eichen“. Ich gebe zu, dass dieser Ausdruck nicht von mir stammt – er ist mir in Agalloch‘s „She Painted Fire Across The Skyline“ aufgefallen und hat mich emotional stark angesprochen. Die Formulierung reflektiert für mich die Schönheit der Natur und vermittelt Respekt vor unserer Umwelt. Anstatt die Natur als etwas zu begreifen, das „gebändigt“ werden muss und uns zu „dienen“ hat, sollten wir dankbar dafür sein, auf einem Planeten zu leben, der uns mit allem versorgen kann, was wir wirklich zum Leben brauchen, wenn wir es nur richtig anstellen.

Wie kamst du in Kontakt mit Eric Quach und wie kam es dazu, dass er sich für die Parallel Lines Platte für den Eisbären entschieden hat?

Nachdem ich mich entschieden hatte, Oaken Palace Records zu gründen, habe ich eine Reihe von Bands und Künstlern kontaktiert, um zunächst einmal ein wenig Feedback zu meiner Idee zu bekommen und auszutesten, ob solch ein Konzept überhaupt funktionieren kann – schließlich bekommen die Bands zumindest finanziell wenig bis gar nichts. Da ich ein großer Fan von thisquietarmy bin, war auch Eric auf meiner Liste. Er war von Anfang an sehr interessiert und hat sich dann auch vergangenen November bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich am Release des Parallel Lines-Albums interessiert wäre – natürlich habe ich sofort zugesagt!

Insgesamt waren die Antworten auf meine Anfragen sehr positiv, was für mich eine weitere Besonderheit der Underground-Szene deutlich macht: Den Künstlern geht es nicht um Geld, sondern um Musik. Kreativität und Eigensinnigkeit wird nicht dem kommerziellen Erfolg geopfert, sondern fließt in Projekte, die einem höheren Zweck dienen.

polarbear by constantly consuming

Eric und die anderen Bandmitglieder haben sich für Eisbären entschieden, da sie als Kanadier eine besondere Verbindung zu diesem Tier haben. Zusätzlich ist wohl kaum ein anderes Tier so stark vom aktuellen Klimawandel betroffen wie der Eisbär, was ihn als ersten Vertreter in einer hoffentlich langen Reihe von schützenswerten Spezies geradezu prädestiniert.

Wie kann der Käufer einer Platte sicher sein, dass die Gewinne des Labels gespendet werden? Es ist gut vorstellbar, dass es Leute gibt, die das Konzept gut finden aber der Sache sehr skeptisch gegenüberstehen.

Das ist eine sehr gute und berechtigte Frage. Mir liegt es sehr am Herzen, die Verwendung der Gewinne so transparent wie möglich zu gestalten. Zunächst einmal befinde ich mich zur Zeit im Prozess, Oaken Palace Records als gemeinnützige Organisation in England anerkennen zu lassen. Dies unterliegt strengen gesetzlichen Vorlagen und wäre damit ein erstes Qualitätssiegel, auf das Käufer der Releases vertrauen können. Darüber hinaus werde ich die Empfänger der Spenden bitten, mir eine Bestätigung zu senden, die ich dann natürlich auf der Label-Homepage veröffentlichen werde. Ich denke auch darüber nach, einen detaillierten Geschäftsabschluss am Ende jedes Jahres auf meiner Homepage zu veröffentlichen.

Natürlich hängt die Höhe der Spenden stark davon ab, wie viele Platten verkauft werden. Im Optimalfall, wenn also die komplette Auflage verkauft wird, werden aber circa zwei Drittel des Kaufpreises einer jeden Platte gespendet werden. Es liegt also vor allem an den Fans, dieses Projekt so erfolgreich wie möglich zu machen.

Was ist mit der Umweltfreundlichkeit bezogen auf die Produktion der Platten?

Die Platten werden von einer englischen Firma produziert, die nach dem weltweit anerkannten Gold Standard für CO2-neutrale Produktionsprozesse zertifiziert ist und darüber hinaus den Vorgaben des ISO 14001-Standards zum umweltfreundlichen Management folgt. Natürlich ist das Material, aus dem die Platten hergestellt werden, immer noch ein Kunststoff, aber die Produktion erfolgt so umweltfreundlich wie möglich.

parallel lines testpressing

Zusätzlich werden alle Plattenhüllen aus 100% nachhaltigem oder sogar 100% recyceltem Papier hergestellt – je nachdem, ob das Artwork eine Fertigung aus dem etwas raueren, recycelten Material zulässt. In jedem Fall hinterlassen wir damit keinen negativen ökologischen Fußabdruck. Zu guter Letzt werden alle Druckfarben aus ungiftigen, natürlichen Ressourcen gewonnen. Der Besitzer eines Release von Oaken Palace Records kann sich also sicher sein, dass er ein Album in den Händen hält, das den höchsten Umweltstandards entspricht.

Was ist dein Lieblingstier, das unbedingt „besungen“ werden muss?

Mein Lieblingstier ist der Orang-Utan. Ich bin immer wieder begeistert von der Friedlichkeit und Intelligenz dieser Waldbewohner und gleichzeitig äußerst besorgt über ihre Zukunft. Selbst nach optimistischen Schätzungen gibt es nur noch circa 47.000 Orang-Utans weltweit und ihr Lebensraum wird nach wie vor systematisch zerstört. Daher bin ich schon seit Jahren Fördermitglied des BOS („Borneo Orang-Utan Survival“) Deutschland, einer großartigen kleinen Organisation, die verwaiste und verletzte Orang-Utans wieder aufpäppelt und auf die Auswilderung in geschützten Regenwaldgebieten vorbereitet.

Ich selbst habe keinen Einfluss darauf, welches Tier von den teilnehmenden Bands ausgewählt wird, aber ich plane, bald T-Shirts mit dem Oaken Palace Label-Logo drucken zu lassen (natürlich aus 100% ökologischer Baumwolle) und die Gewinne aus deren Verkauf an BOS Deutschland zu spenden.

Was sind die weiteren Pläne für das Label? Gibt es vielleicht Künstler, die du gerne bei dir im Rooster hättest?

Ich bin nun erst einmal sehr gespannt, wie das Label von den Fans angenommen wird. Wenn alles gut läuft, werden nach dem Release des Albums von Parallel Lines noch vier weitere Releases in diesem Jahr folgen, nämlich von Caudal, Nadja, Sylvester Anfang II und Plurals. Das gibt mir einiges zu tun, da ich neben der Arbeit für Oaken Palace Records natürlich auch noch irgendwie Geld verdienen muss. Daher nehme ich zurzeit keine weiteren Bands an, auch wenn es an Interessensbekundungen nicht mangelt.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen teilnehmenden Bands für ihr Vertrauen und ihre Großzügigkeit zu bedanken. Ebenso bin ich euch sehr dankbar für eure Unterstützung. Nun freue ich mich auf den ersten Release auf Oaken Palace Records und hoffe, dass er den Fans genauso gut gefällt wie mir selbst!

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EXPERIMENTAL EVENING SPEZIAL: B/B/S/ – AIDAN BAKER – SVARTE GREINER – ANDREA BELFI

Posted in ontheroad on January 11th, 2013 by D.K.

B/B/S/ live in bochum

Die Veröffentlichung von “Brick Mask”, dem ersten Album von B/B/S/ mit treibenden Drums und experimentellen Saitensounds, steht kurz bevor. Hinter B/B/S/ verbirgt sich ein Trio, das aus Aidan Baker (Nadja), Erik K Skodvin alias Svarte Greiner und Andrea Belfi besteht und eine impulsive Mischung aus Ambient, Drone, Shoegaze und Psychedelic bietet.

Wir freuen uns, euch dieses Trio in der Christuskirche Bochum präsentieren zu dürfen und haben uns natürlich was besonderes dafür ausgedacht. Denn wenn drei hochkarätige Musiker zusammen auf der Bühne stehen, die über eine beeindruckende Solodiskografie verfügen, dann stellt sich natürlich nicht die Frage, wer B/B/S/ supporten soll. Den Abend eröffnen alle drei Musiker mit ihren eigenen Solosets…

Christuskirche Bochum
B/B/S/ – AIDAN BAKER – SVARTE GREINER – ANDREA BELFI
Freitag
25. Januar 2013
19:30 Uhr
Tickets

Die Rezension zum neuen Album, das im Februar über Miasmah Recordings erscheint, findet ihr hier…

Mehr zu Aidan Baker…
Mehr zu Erik K Skodvin…
Mehr zu Andrea Belfi…

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MACHT PLATZ IM PLATTENREGAL FÜR B/B/S/

Posted in Release on January 6th, 2013 by D.K.

B/B/S/ oder genauer genommen Baker/Belfi/Skodvin/ heisst die neue Supergroup, die sich in Berlin formiert hat, dort wo die drei aus Kanada, Italien und Norwegen stammenden Musiker leben.

Erik Skodvin alias Svarte Greiner hat sich die beiden befreundeten Musiker ins Studio geholt und mit ihnen ein Album und eine 7inch eingespielt, die beide über Skodvins Label Miasmah Recordings veröffentlicht werden.

B/B/S/ – Brick Mask – Das Album

Vier Tracks auf kanpp 40 Minuten in denen sich die drei Musiker gemeinsam ausprobieren. Das Ergebnis ist für jede Diskografie eine musikalische Erweiterung. “Brick” beginnt wie eine heimliche Probe. Leise ertönen die Instrumente. Die Basedrum pumpt in einem sehr eigenwilligen Rhythmus, sphärische Gitarren erklingen. Erst nach fünf Minuten geht das Treiben los. Die Drums müssen nicht mit voller Wucht gespielt werden, lehrt uns Andrea Belfi hier, maximale Dynamik durch minimalen Einsatz und dann gibt es doch noch eine Steigerung. Tribaldrums und schneidende Gitarrenwände. Mehr braucht es nicht. Erik Skodvin an der Gitarre, Aidan Baker am Bass und der Gitarre und Andrea Belfi an den Drums. Eine impulsive Vereinigung. “Brick” geht in “Mask” über und lässt das vorher Erlebte ausklingen. “Mask” ist geprägt von einem sehr eindringlichen Bass und den an Field Recordings erinnernden Drums, die nach einem Intermezzo wieder fulminant zu Einsatz kommen. “Plants” nimmt die bisherige Dynamik nicht auf, sondern treibt im eigenen Rhythmus hin und her und geht letzlich in “Mott” über. “Mott” nimmt sich genau wie der Opener Zeit. Saiten werden am Gitarrenkopf gespielt, Percussion raschelt, Gitarrenkörper erklingen wie Glocken, Gepfeife aus der Reibung von Saite und Cellobogen. Alles summiert sich zu einem Soundwald, in dem man sich sehr wohl fühlt. Und es bleibt nur eine Frage: Warum habt ihr euch nicht früher zusammengetan?

B/B/S/ – Half Moon – Die 7Inch

“Gather Part 1/2” schleicht sich langsam an. Hier ein Gitarrensound, da ein Percussioneinsatz und schon ist der erste Teil vorbei. Der zweite Teil beginnt mit pulsierenden Basstönen und führt den akzentuierten jazzigen Einsatz von Instrumenten fort. Auf der B Seite findet sich “Beam”. Tiefe Tremologitarrensounds, noisiges Aufflimmern und ein sehr subtiler Beat bereiten eine Basis für die zweite Hälfte, in der es nur so brodelt vor Energie. Die kleine Schwester von Brick Mask hat es in sich.

B/B/S/ LIVE?

Wer sich vor Veröffentlichung der Platten ein Bild von der Band machen und die Songs live hören möchte, der sollte unbedingt zum Experimental Evening nach Bochum kommen. Am 25. Januar spielen B/B/S/ in der Christuskirche Bochum. Als Support spielen alle drei Musiker passenderweise kurze Solosets. Mehr Infos zum Termin gibt es hier…

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NADJA – DAGDROM

Posted in Release on September 17th, 2012 by D.K.

Lang ist es her, dass uns Nadja mit einem Full Length Album beehrt haben. Nun ist es endlich soweit, denn „Dagdrøm“ steht kurz vor der Veröffentlichung über das bandeigene Label Broken Spine Productions.

Aidan Baker und Leah Buckareff werden auf dieser Platte von Mac McNeilly (The Jesus Lizard) an den Drums unterstützt und geben damit schon ein erstes Zeichen der Veränderung. „Dagdrøm“ besteht aus vier Songs, die Nadja von einer neuen Seite zeigen. Ob es die Livedrums sind oder ob es eine logische Weiterentwicklung ist… Fakt ist, dass der Sound von Nadja auf „Dagdrøm“ agiler und dynamischer ist, als auf den Vorgängeralben.

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„One Sense Alone“ beginnt seicht und entwickelt sich zu einem energetischen Track, in dem alle Elemente im Einklang sind und einen unheimlichen Rhythmus entwickeln. Aidans Gesang ist wie immer subtil, die Gitarren wühlen sich durch die Ohren, der Bass legt sich wie eine dickflüssige Masse in den Hintergrund und die Drums geben dem Ganzen den letzten Schliff.

“Falling Out Of Your Head” ist ein fast 13-minütiges Ungetüm. Das Schema scheint das gleiche zu sein wie im ersten Song. Alles passt zusammen, Aidan flüstert seinen Gesang, die lebendigen Drums fühlen sich gut an, der Bass schleicht und dann kommt dieser überwältigende Instrumentalpart. Aidan scheint kurzzeitig zu Kim Thayil zu mutieren, denn das was hier ertönt, klingt als ob es aus den 90ern entrissen sei, als fette rauhe Gitarrenwände salonfähig wurden.

“Dagdrøm” ist der Song, mit dem Old School Nadja Fans wohl am besten klarkommen, denn hier dronedoomen die drei Musiker einfach vor sich hin. Trotzdem hat der Song den Geist dieses Albums und kann besonders durch überraschende Gitarrenparts überzeugen.

“Space Time & Absence” ist schlicht gesagt ein musikalischer Vulkan. Es brodelt direkt von Anfang an und es entwickelt sich eine Lavamasse aus überlappenden Gitarren, Bass und Drums. Der Sound fließt unaufhaltsam aus den Boxen. Aidans Gesang setzt ein und gibt dem Song eine 90er Jahre Note. Dann der Bruch. Der Vulkan beruhigt sich. Minutenlang treibt der Song vor sich hin. Bricht er noch in der vierzehnten Minute aus?

Schon nach dem ersten Hören ist klar, dass dieses Album das wohl am deutlichsten strukturierte von Nadja ist. Nadja setzen großen Wert auf das Songwriting, ohne ihren improvisationsreichen Stil zu vernachlässigen. Genau diese Fusion aus Experimentalität und Komposition macht “Dagdrøm” einzigartig.

Wer die LP Version vorbestellt, erhält eine nummerierte und signierte grüne Vinylplatte im dicken Siebdruckcover. Wer es nicht so mit Vinyl hat, der sollte etwas mehr in die Doppel-CD Version von Daymare Records investieren. Auf der zweiten CD sind die gemeinsamen Sessions von Aidan Baker und Mac McNeilly verewigt, die es bisher nur als Download zum Aidan Baker Album “Spectrum of Distraction” gab.

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NADJA & N – LIVE VEREINT AUF EINER PLATTE

Posted in Release on August 4th, 2012 by D.K.

Als im November 2010 Aidan Baker zum ersten Mal die Christuskirche Bochum besucht hat, dort allein mit einer Fender-Bass-Combo ein Soloset spielte und schon beim Soundcheck mit einem gelassenen Blick durch die Kirche wanderte, um die Klangqualität zu bestaunen, da war klar, es war eine Freundschaft zwischen einem Raum und einem Musiker entstanden. Und so ließ er sich auch nicht lange Zeit und spielte im März 2011 zusammen mit Leah Buckareff ein sehr intensives Nadja Set. Den Abend eröffnete N mit einem rauhen Droneset, das im Kirchenraum wie eine verzerrte Kirchenorgel ertönte. Zum Glück ist dieser Abend, zumindest fürs Ohr, festgehalten und verewigt worden.

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Teile dieses Abends sind nun auf “Vomos” gepresst worden, der ersten gemeinsamen Split von Nadja & N (23).
Seite A umfasst das epische “The Bungled & The Botched” in einer speziellen Version, in der die Spannungsbögen vertauscht sind. Im Gegensatz zum Original fängt diese Fassung mit bombastischen Bassdrones und noisigen Gitarrensounds an und wandelt sich dann allmählich in ein minimalistisches Klangexperiment zwischen Sound- und Kirchenraumeffekten. Seite B widmet sich dem N Set. Das erstmalig an diesem Abend in Bochum gespielte Stück “Baukum” gleitet zwischen Harmonie und Disharmonie und zwischen Klarheit und Verzerrtheit. Als Abschluss gibt es “Prora Stadt” in einer sehr noisig-dronigen Version, die auch an dem Konzertabend selbst alle Zweifler überzeugen konnte. Als Zugabe gibt es noch einen Nadja-Remix von “Baukum”, der als Download der Platte beiliegt. Hier haben sich Nadja Teile von “Baukum” vorgenommen und mit ergänzenden Basssounds und Drums einen komplett neuen Doom Track erschaffen.

N (23)

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“Vomos” erscheint in limitierter Auflage von 100 Stück auf schwarzem Vinyl in schwarzen Hüllen mit handgefertigten Siebdruckcovern (schwarz oder weiß) auf dicker grauer Pappe. Der beiliegende Downloadcode beinhaltet neben den Vinyl-Tracks, zusätzlich noch den oben beschriebenen Nadja-Remix von N.

Erscheinen wird die Platte über das mit uns verwandte, neue Label Midira Records. Die Preorder hat bereits begonnen…

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FRÜHJAHRSPUTZ BEI NADJA

Posted in Release on February 12th, 2012 by D.K.

Zugegeben, die Überschrift ist irreführend, aber zutreffend, denn auf “Excision” vereinen Nadja bisher nur auf Vinyl erhältliche Songs und seltene Songs von limitierten CD-Auflagen auf einem Doppel-CD-Album, um auch der Fanschaft bestimmte Songs nahe zu bringen, die immer noch denkt, dass Vinyl sterben wird und sich deshalb eine Anschaffung eines Plattenspielers nicht lohnt.

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Nachdem Important Records schon eine Raritätensammlung von Aidan Baker auf der Doppel CD “I Wish Too, To Be Absorbed” veröffentlicht hat, folgt nun die Nadja Sammlung “Excision”. “Jornada Del Muerto” eröffnet das Album fulminant und stammt von der Trintiy CD, die über das Bremer Label Die Stadt Musik veröffentlicht wurde und neben diesem Song jeweils einen Aidan Baker und Leah Buckareff Solosong enthält. Genauso verhält es sich mit “Perichoresis”, das auf der von Important Records veröffentlichten LP “Trinitarium” erstmals zu finden war. “Spahn” stammt von der Vinyl Split “Tümpisa” von Accident Prone Records und zeigt die große Bandbreite der Band zwischen Ambient, Drone, Doom, Metal und Shoegaze in einem Song. “Kriplyana” ist ebenfalls ein Split-Song, diesmal von Fario Records, episch, schön, Nadja halt.

Es geht weiter auf der zweiten CD. Opener ist “Autosomal (Version 2)” von der Vinyl Version des Kultalbums “Bodycage”, 2007 auf Equation Records als 12inch erschienen. Ausufernde Drones, trockene Drummachinesounds und derbe Bassläufe. Dann “Kitsune (Fox Drone)”, von der Nadja/Kodiak Split auf Denovali, mit seinen unterschwelligen Droneflächen, die langsam das Gemüt des Hörers einnehmen. “Autosomal (Version 3)” folgt… und dann das auch in dieser Zusammenstellung ungwöhnliche Stück “Clinging To The Edge Of The Sky”, das ohne jegliche Verzerrung auskommt und sowas wie Nadja Unplugged ist. Im Original als einzelner Song auf einer 12inch über Vendetta/Adaigo830 erschienen.

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“Excision” ist das perfekte Nadja Album für alle die, die keinen Bock haben, viel Geld auszugeben, für alle, die einfach alles haben wollen von Nadja und für alle die, die auf Vinyl verzichten müssen/können/wollen… Fakt ist, dass diese Sammlung trotz der Zerrupftheit einiger Songs (die vollkommen aus dem eigentlichen Kontext entrückt sind) einen ganz eigenen Fluss hat.

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QUARTETTKARTE: NADJA

Posted in DENOVALI SWINGFEST 2011 QUARTETT, Serie on October 7th, 2011 by D.K.

DAS DENOVALI SWINGFEST QUARTETT 19/24

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Ursprünglich als Alter-Ego für die doomige Seite der Aidan Baker Kompositionen gedacht, ist Nadja schnell zu einem Duo angewachsen, als Leah Buckareff am Bass dazukam. Mittlerweile sind Nadja jedem ein Begriff, der sich für Stile wie Ambient, Drone, Doom und experimentellen Metal interessiert. Zwei Drittel aller Swingfest Besucher, die wir nach dem Fest gefragt haben, hat sich eindeutig für Nadja als Highlight entschieden. Da müssen wir nichts weiter hinzufügen.

Einfach mal “Nadja” rechts in den “Durchsuchen-Kasten” eingeben, gibt reichlich zum nachlesen…

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AIDAN BAKER – PURE DRONE

Posted in Release on August 18th, 2011 by N

Beta-Lactam-Ring-Records, eines der sehr aktiven US-Experimental-Labels, hat schon seit einiger Zeit Aidan Baker und Nadja für sich entdeckt; mit Blick auf die aufwendigen Cover und Formate des Labels durchaus zur Freude von Freunden dieser Musik. Der neueste Coup: das „Drone Compendium“, bestehend aus sechs LPs als Zusammenstellung / Werkschau, in welchen musikalischen und personellen Zusammenhängen Aidan Baker das Thema bisher bearbeitet hat (wobei, bei der Menge an Output, auch das „Drone Compendium“ hier nur andeuten kann). Der ganz besondere Widerhaken: nur die, die vorab alle sechs LPs als Subskription direkt ab Label kaufen, bekommen auch die siebte LP, auf der Nadja dann exklusive Akustik-Versionen bekannter Stücke liefern werden.

Aidan Baker Pure Drone

„Pure Drone“, die erste LP des Sex- oder Septetts, ist Aidan Baker solo, unterteilt in die Stücke „Pure“ und „Drone“ und dabei exakt Das, im typisch warmen Aidan Baker Sound. Und, über die Länge der beiden Stücke betrachtet, passiert fast nichts. Und: das ist gut so. Beide Stücke bekommen dadurch einen extrem meditativen Charakter. Wer die ganz ruhigen Aidan Baker Stücke besonders schätzt: dieser Spielart wird hier hinreichend Raum gegeben. In einem perfekten, tief texturierten, bassbetonten Sound; körperlich, fast greifbar. So, dass man sich wünscht, die Platte würde nie aufhören. Egal, welche der beiden Seiten.

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NADJA & GALENA – KONSTRUKTION

Posted in Release on April 22nd, 2011 by D.K.

Kollaborationen sind dann besonders interessant, wenn man beim Ergebnis weder die eine Band noch die andere dominant raushört, sondern ein komplett neuer Sound entsteht, und wenn man eine der Bands vorher nicht kannte. Bei “Konstruktion” von Nadja & Galena trifft das alles zu.

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Das kanadische Duo Nadja dürfte Liebhabern von Drone, Shoegaze und Ambient ein Begriff sein, das Duo Galena aus Oakland ist da eher ein unbeschriebenes Blatt. Galenas Musik ist beeinflußt von experimentellen Klängen, Noise und Black Metal, was in der dargebotenen Mischung zu einem eindringlichen Sound mutiert.

Nach einem Ideenaustausch zwischen Berlin, der derzeitigen Heimat von Nadja, und Oakland haben die vier Musiker sieben Songs zusammengestellt. Auf der ersten Seite der Platte sind sechs kürzere Songs vertreten, die angefangen bei minimalistischen Ambientsounds über experimentelle Deformierungen von Gitarren, Bass und Synthiesounds bis hin zu sehr sehr subtilem Black Metal, eine große Bandbreite an Konstruktionen präsentieren. Das zweieinhalbminütige “Tears” mit seinem Rückwärtsbass und den dezenten Gitarrenflächen ist einer der Höhepunkte der Platte. Die zweite Seite gehört dem 22minütigen “High Sea & Turbulence / Coda 2”, das sich wie ein Drone-Shoegazer-Mantra in die Gehörgänge fräst. Die Musik wird durch das mysteriöse Artwork von Galenas Billy Sprague ergänzt. Sehr empfehlenswert.

“Konstruktion” ist auf ADAGIO830 als limitiertes Vinyl erschienen und bei Bis Auf´s Messer erhältlich.

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LIVE: NADJA & GALENA

Posted in ontheroad on April 17th, 2011 by D.K.

Nadja & Galena machen auf ihrer gemeinsamen Tour halt im AZ Mülheim. Riesengroße alte Fabrikhallen mit hohen Decken, verwinkelten Räume und einem Konzertsaal, dessen alte Funktion schwer erkennbar ist. Ein stählerner Pfahl mitten im Raum, Stahlringe an den Wänden, Kopfsteinpflasterboden und Ziegelwände. Die Bühne ist hoch und im Raum sind alte Polstermöbel platziert.

GALENA

Die lokale Band Moloch eröffnet den Abend mit Ambientgebrumme und Beamerprojektionen. Dann folgt der mit Spannung erwartetet Auftritt von Galena aus Oakland. Ein Mann an den Reglern, der andere an der Gitarre. Was hektisch beginnt entpuppt sich im Verlauf des Sets zu einer gelungenen Mischung aus Noise, Black Metal und experimentellem Drone. Galena schaffen es immer nah der Grenze zum extrem experimentellen Sound Spannung und Druck aufzubauen und halten somit die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die vor der Bühne oder auf den Sofas sitzen. Der Applaus am Ende zeigt, dass Galena überzeugen konnten.

NADJA

Nadja folgen wenig später. Sie platzieren sich in der dunkelsten Ecke der Bühne. Leah Buckareff mit dem Rücken zum Publikum, Aidan Baker dem Publikum zugewandt. Aidan trommelt auf dem Gitarrenkörper und legt einen wummernden Sound als Basis, dann setzt das Gitarrenspiel ein und der Bass walzt sich durch den Hintergrund. Nadja nehmen das Publikum mit auf eine Dronereise. Genau wie einen Monat zuvor in Bochum spielen Nadja ein zusammenhängendes Set, in dem ein Song in den nächsten Song übergeht. Gegen Ende kommen Cellobogen zum Einsatz, die dem Set eine weitere Soundvariation verleihen. Es wird lauter, ein Soundloop legt sich über den nächsten, bis sich irgendwann der Berg aus Tönen zu einem ruhigen Tal wandelt und in Stille übergeht. Diese Reise treten wir gerne wieder an.

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LIVE: NADJA & N

Posted in ontheroad on March 9th, 2011 by D.K.

Inmitten des Karnevalwochenendes stand letzten Freitag das gemeinsame Konzert von Nadja und N an. Ein Drone-Doom-Abend in der Christuskirche Bochum. Es haben sich zwar nicht viele Leute gegen das Karnevalfeiern entschieden, aber die Gäste, die da waren, wurden Teil eines ganz besonderen Abends.

N @ christuskirche bochum

Kurz nach acht gehen die Raumlichter aus und die Bühne leuchtet in einem dezenten Rotlicht auf. Die Bühne ist der Altarsockel, auf dessen rechter Seite sich N zwischen seinen Amps und seinen Effektgeräten positioniert hat. Der rechte Fuß von N ruht auf einem Volumepedal, er spielt die Gitarre an und tritt dann auf das Pedal. Die Tonwand, die dabei entsteht, beschallt sofort den ganzen Kirchenraum. N baut seine Songs mit verschiedenen Flächen solcher Soundwände auf und erschafft dabei Klänge, die an eine verzerrte Kirchenorgel erinnern. Im Kirchenraum wirken die Songs von N noch erhabener, für manchen Besucher sogar bedrohlich. Hier wird nicht Karneval gefeiert, hier werden schwerfällige Töne zelebriert. Nach knapp 45 Minuten und einer lauten Soundcollage beendet N sein Set, verlässt die Bühne und lässt den Sound ausklingen.

nadja @ christuskirche bochum

Nach einer kurzen Pause kommen Nadja auf die Bühne. Aidan Baker und Leah Buckareff haben sich für die goldene Mitte vor dem Altarsockel als Bühne entschieden. Auf einem kleinen Holztisch sind die Effektgerätschaften platziert. Links steht Aidan mit seiner Gitarre zum Publikum gewandt, rechts Leah am Bass mit dem Rücken zu den Zuhörern. Das typische Bühnenbild für das Duo aus Kanada. Auch Nadja konzentrieren sich an diesem Abend mehr auf die lauten Töne und setzen sofort ein mit verzerrter Gitarre, wuchtigem Bassound und Drummachine. Nadja spielen nicht über Amps, sondern direkt über das Soundboard. Der Sound ist wuchtig und so laut wie es der Kirchenraum erlaubt. Die beiden Musiker greifen zu Cellobögen und bauen das noisige Intro von “Sky Burial” auf. Tiefe Basstöne treffen auf höhere Gitarrensounds, die Kirche gibt dem Sound noch eine leicht hallende Note, die Drummachine setzt ein und Nadja bauen ihr Soundgebirge vor dem Altar aus. Fast schon überfließend geht das Duo in “Bungled & Botched” über. Ungewöhnlich laut und direkt ist die Version dieses Titels an diesem Abend. Die lauten Töne verhallen nach einer guten Viertelstunde und Nadja beenden “Bungled & Botched” mit einem ruhigen Part, der von einem Basssound getragen wird, den Aidan mit Tonbandaufnahmen und experimentellen Sounds begleitet. Nach knapp 50 Minuten ist das Set beendet und das Publikum bedankt sich mit lautem langanhaltendem Klatschen bei den beiden Kanadiern.

Mehr Bilder vom Abend gibt es auf unserer PHOTOS Seite.

nadja @ christuskirche bochum

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TRANSMIT ACOUSTIC ABSTRACTION

Posted in Release on January 9th, 2011 by N

„A special thank you to those who pre-ordered these a long time ago in a galaxy far away.“ So ein Teil der Linernotes zu der Bonus-CDr („Transmit Acoustic Abstraction 1/2“), die überraschend neben den beiden dann eben doch noch irgendwann erschienenen LPs „Transmit Acoustic Abstraction One“ und „Transmit Acoustic Abstraction Two“ von Armchair Migraine Journey, einmal als Split mit Nadja, einmal als Split mit Edward Ka-Spel auftauchte. Zwei Lps, deren Ankündigung mindestens ein Jahr zurückliegt, die zumindest zeitweise gar nicht als LP, sondern 10inch gedacht waren, mit einem Coverartwork, das, will man den früheren Bildern im Netz glauben, schon einmal völlig anders gedacht war, als es jetzt vorliegt: nun die sequelartig gestaltete Skullthematik, silberfarbener Siebdruck auf Schwarz anstatt der bunten Psychedelik, brettdicke Pappe, buchbindermäßig ausgeführtes Verarbeitung, bedrucktes und nummeriertes Inlay. Und natürlich 220 Gramm Vinyl (das allerdings nur schwer zwischen die Coverdeckel passt). Und dann jetzt auch noch diese Cdr (mit 2x Armchair Migraine Journey und je einmal Edward Ka-Spel, Orbit Service und Nadja), in einem mit genau so viel Aufwand gestaltetem Aufklappcover als Entschädigung für die lange Wartezeit.

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Das klingt nach mysteriösen Problemen bei der Produktion und Fertigung, das klingt mysteriös insgesamt und genau so mysteriös bleibt es bei der Frage, wer den Armchair Migraine Journey ist oder sind, die hier ja den Rahmen des Ganzen bilden: Bisher hat AMJ 2 Veröffentlichungen auf Beta-Lactam Ring Records als Azetat Platten und eine dritte auf einem ebenso hergestellten Sampler; Auflagenhöhe zwischen 5 und 30. Weltweit. Keine Website, keine Infos. Das Stück „Rock Paper Scissor 2“ (von „Transmit Acoustic Abstraction Two“) in einer anderen Form(?) auch schon auf einer dieser Azetat Platten. Die Musik experimentell collagenhaft, fast abstrakter als die der Gäste (zumindest bezogen auf die Beiträge von Nadja und Orbit Service), dabei den internen Fluss nie verlierend, der „Naughty Acoustic Dream P1“ im „Muff Fuzz Mix“ mit Gastgitarrist Niko Pontocnjack (daher das „P“; vielleicht) genau so klingend, sehr gitarrenorientiert, feedbackgetrieben umherkriechend, „Piano Mash Milk“ im Anschluss das Hinuntersteigen in Hall-Höhlen, verloren…, „Rock Paper Scissor 2“ wiederum ein unstet/träge umherwandernder Moloch, an den Gehörgängen raspelnd, „Naughty Acoustic Dream 2“ dann wirklich naughty, mit „Anonymous Porno Movie Samples“; „Naughty Acoustic Dream 1 (First Version)“, auf der Cdr, wie erwartet völlig anders als die „Muff Fuzz Mix“ Variante, geisterhafter, dabei in einer Mischung aus Frequenzstörung und Schritte im Schnee vorangehend, „Naughty Acoustic Dream 6 (Prophet Whisper Mix)“, auch von der Cdr, eigentlich in der Balance schwebend und dann plötzlich durch Fieldrecordings in ganz andere Richtungen gestoßen.

armchair_migraine_Journey

„Skywriting“ ist dann einer der Nadja Tracks, die leicht ätherisch (auf Nadja Art) über eine ganze Seite Vinyl in Richtung Unendlichkeit driften, eine Art freie Melodie als Aufhänger, mit unterirdisch schiebenden rhythmischen Strukturen, die ich so in diesem Kontext selten gehört habe, die dann gegen Ende plötzlich gerade werden und: Auflösung. Wie ein Sonnenuntergang im Sommer. Der Cdr Track „Stays Demons (Live in Hamburg)“, im Original von der „Touched“ dann das wälzende Monster wie die Original Studioversion, vielleicht sogar noch etwas träger/bösartiger…
Edward Ka-Spel
erwartungsgemäß skurriler, schrulliger, fast dadaistisch; „A toxic Kiss from Cancun“ mit einer Dekonstruktion von Fanfare und dann die Abfahrt auf einem klapprigen Irgendwas Richtung irgendwo; wohl zu weiten Teilen Fieldrecording basiert, vielleicht solche aus Cancun? Der Übergang zu Stück zwei, „1973“, ist kaum zu bemerken, so gut passt es; auch dieses Stück beginnt, vergleichbar zu der Fanfare vorher, mit der Vorstellung eines solitären Themas. Im weiteren mit immer stärker steigendem Mysteriösitätslevel und geheimnisvoller Spannung; „1973“ als eine Art intimere Spiegelung Ka-Spel’scher Denkwelten? Mindestens genau so skurril „Yam with Babe“ von der Cdr… ist das jetzt ein Baby oder ein Katzenkind oder wird ersteres in der Bearbeitung durch Edward Ka-Spel zu letzterem?
Orbit Service
(nur auf der Cdr) fallen da auf den ersten Eindruck hin fast ein wenig heraus mit „Ghost (Asylum Version)“, eine Art haunting Gesangsstück, das durch Instrumentierung und Soundwahl aber eigentlich ganz perfekt passt; allein die Harmonie (im Sinne der Stimmung) erscheint zunächst ungewohnt.

Bleibt immer noch die Frage, wer hinter Armchair Migraine Journey denn nun wirklich steckt… …vielleicht ist es ja jemand, der/die dem Label sehr nahesteht. Oder sogar jemand, der dort mitarbeitet? Wer weiß. Allerdings finden sich am Ende von „Naughty Acoustic Dream 6 (Prophet Whisper Mix)“ auch irgendwelche niederländischen Anmerkungen; ob das aber etwas über die Identität von AMJ aussagt, ob diese überhaupt von AMJ stammen…?

Die beiden Teile von Transmit Acoustic Abstraction sind bei Beta-Lactam Ring Records erschienen.

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NADJA & AIDAN BAKER AUDIOVISUELL

Posted in Musikfilm, Release on December 30th, 2010 by N

„Field of Drones“ gehört schon lange zu meinen Lieblings-
stücken beziehungsweise Veröffentlichungen von Aidan Baker. Erschienen 2004 als CDr im handbemalten Wellpappecover, beinhaltet der Release einen 77.05 Minuten Ausschnitt(!) eines fast dreistündigen Konzerts von 2003 in Killaloe in Kanada, nachts unter freiem Himmel mit Hilfe eines ganzen Feldes von Lautsprechern eingespielt. Und eigentlich passiert auf dieser Cdr relativ wenig; Sound und Harmonie packen aber sofort und, ganz nebenbei, auch die Vorstellung dieses drei-Stunden-Konzerts in der Nacht inmitten eines Feldes von Lautsprechern, also mitten im Sound, hat etwas so verlockendes, dass ich mir schon lange gewünscht habe die Chance zu bekommen, die vollen drei Stunden hören zu können.

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Die vorliegende 2CD/2DVD Veröffentlichung auf Beta-Lactam Ring Records beinhaltet nun das hier „Drone Fields“ genannte „Field of Drones“ in voller Länge, als DVD Mix mit begleitendem Film, entwickelt aus den Ideen sechs unterschiedlicher Film- und Videoartists und kapitelbezogen mit der Musik verwoben. Die sich, über die drei Stunden und mit dem erstmals auf Tonträger hörbaren Beitrag von Gastmusiker Neil Wiernik (Laptop), tatsächlich noch einmal neu erschließt. Als verführerisch drein blickender Ewigkeitsausschnitt… mit Dynamik und Entwicklung… zu einem einnehmenden Ende.

Unendlichkeit: dieses Thema besetzen Nadja ja seit mindestens der „Thaumogenesis“. Und so basiert auch die Nadja vorbehaltene DVD „White Nights“ auf einem ebenso überlangen Konzert wie die „Drone Fields“. Ursprünglich im Rahmen einer nachtlangen Performance in einem Parkhaus 2007 in Toronto gespielt, wird auch „White Nights“ auf diesem Release durch Beiträge sechs unterschiedlicher Video-Artists begleitet. Und wenn auch im laufe der 2.45 Stunden immer wieder bekannte Teile bekannter Nadja-Tracks aufzutauchen scheinen, über allem steht die Kraft eines unverrückbar erscheinenden Nadja-Monolithen. Der sich dennoch immer wieder wandelt, niederlegt, neu erhebt… perfekt.

Der zweite Teil der Deluxe Version, die beiden Audio-CDs, beinhaltet die Dokumentation eines Moskau-Auftritts von Aidan Baker (solo) und Nadja. Nadja eröffnen „DOM“ mit „Breakpoint (Version)“, das in der tat eine Version des gleichnamigen Stücks auf „Truth becomes Death“ sein könnte, um im Anschluss eine Kurzfassung von „Thaumogenesis (Version)“ zu spielen, die zwar atmosphärisch und spielerisch überzeugt, jedoch wie alle Live-Versionen dieses Stücks, die ich bisher gehört habe nicht an die übermächtige Wucht der Studioversion heranreicht. Zum Abschluss „Long Dark Twenties“ und Nadja im distorto-Song Format. Gut.

nadja_artwork

Aidan Bakers „DOM“ startet mit einer loop-basierten Improvisation, die gleichzeitig düster und ausladend in Richtung Hörer greift und dabei in ihrem ersten Teil deutlich mehr Präsenz zeigt, als Aidan Bakers Trademarksound sonst; packend und zwingend. Der Livesound überhaupt deutlich dreidimensionaler als bei der Nadja Aufnahme, fast als säße man im Konzert. Dazu im Anschluss „The Sea Swells A Bit“ von der gleichnamigen CD und „Bond of Blood“ von der „Gathering Blue“.

Und wie immer ist die Darbietung bei Beta-Lactam Ring Records über alle Zweifel erhaben: bedruckter, massiver Pappschuber als Außenhülle, ebensolcher Aufklappschuber für die CDs/DVDs, signierte Karte, Booklet. und die vier digital-Scheiben…Wer von euch sparen möchte, kann sich auch die einfache Version anschaffen. Diese beinhaltet nur die beiden DVDs und ist auch über Broken Spine Productions erhältlich, dem eigenen Label/Shop von Aidan Baker und Leah Buckareff.

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