LIVEBERICHT: NEUROSIS & UFOMAMMUT

Posted in ontheroad on July 31st, 2011 by D.K.

Manche Bands lassen einen immer am langen Arm verhungern, wenn es ums Warten auf neue Platten und Konzerte geht, so auch die Avantgarde-Post-Core-Metal-Doom-Sludge-Rocker von Neurosis. Um so größer ist dann die Freude, wenn die Durststrecke ein Ende hat. Zwar ist das neue Album noch nicht im Kasten, aber die Songs sind geschrieben und die kleine Europatour wird zum Warmspielen und Präsentieren des neuen Materials genutzt. Das FZW in Dortmund ist der Ort des Geschehens. Dort angekommen erwartet uns schon die erste nicht überraschende Tatsache, dass “nur” Ufomammut als Support dabei sind und nicht wie die FZW-Homepage versprach auch Amenra. Egal, dank funktionierendem Netzwerk der Fan-Band-Gemeinde war man ja darauf vorbereitet.

Die Halle füllt sich schnell, nachdem die drei Italiener von Ufomammut den Abend eröffnen. Der Bandname ist hier Programm. Das Ufo steht für das sphärisch-psychedelische und das Mammut für das schwerfällig-doomige im Sound der Band und das stellen die drei eindrucksvoll unter Beweis. Effektverzierte Basstöne, rockige Drums und eine derbe verzerrte Gitarre, die auch ungespielt vor sich her dröhnt. Feine Sache.

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Es folgt eine lange Umbauphase, in der neben der Crew auch immer wieder die Neurosis Bandmitglieder auf der Bühne auftauchen, um an ihren Instrumenten rumzuprobieren. Dann folgt lange nichts und dann doch noch mal ein Soundcheck für Mikros und PA. Und das Ganze streckt sich und streckt sich bis dann plötzlich Neurosis auf die Bühne kommen, kein Spannungsbogen, auf einmal stehen die Fünf da. Wir stehen in der ersten Reihe vor Scott Kelly und die Soundwand des ersten Songs überrollt einen wie eine innere Walze. Die Videoshow im Hintergrund gewohnt düster. Was aber schon am Anfang auffällt und sich durch den ganzen Abend zieht ist, dass vorne die Vocals nicht gut zu hören sind und die Lichtshow irgendwie keine Lichtshow ist, sondern die Band sehr oft in zu hellem Licht steht. Die beiden Frontmänner Scott Kelly und Steve von Till sind schon verdammt eindrucksvoll düster blickende Gestalten. Von Till steht kaum still, verdreht seinen Körper, bangt ständig mit seiner Glatze hin und her. Kelly dagegen steht meist breitbeinig mit der Gitarre so tief wie möglich hängend da. Die restlichen Bandmitglieder halten sich dezent im Hintergrund. Die Setlist überspannt wie gewohnt eine größere Schaffensphase der Band und so dürfen Songs wie “Given To The Rising”, “A Season In The Sky” oder “Belief” nicht fehlen. Aber auch der neue Song “At The Well” ist dabei, der stilistisch da anknüpft, wo das letzte Album aufgehört hat. Je länger das Konzert andauert, desto unruhiger wird die Band. Von Till wackelt immer unkontrollierter, Kelly kickt mit einer Kopfnuss sein Mikro von der Bühne und Noah Landis zerlegt seinen Keyboardständer. Als Abschluss gibt es wie vor drei Jahren in Köln “Through Silver In Blood” mit imposantem Gruppengetrommel. Als wir die Halle verlassen und an die frische Luft kommen, meldet sich auch der Kreislauf, der die Show gar nicht gut fand… aber das gehört nun mal dazu.

neurosis_scott_kelly

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NEUROSIS LIVE ALBUM KOMMT

Posted in Release, Roadburn on July 15th, 2010 by D.K.

Neurosis_Live_at_Roadburn_2007

Mit “Live At Roadburn 2007” erscheint Ende August das dritte offizielle Live Album von Neurosis. Die Experimental-Metal-Band aus Kalifornien veröffentlicht ihren Roadburn-Auftritt zunächst nur auf CD über das bandeigene Label Neurot Recordings. Neben einigen Songs des letzten Studioalbums “Given To The Rising” sind insgesamt neun Songs auf der Liveplatte vertreten. Für das Artwork ist traditionell Josh Graham verantwortlich.

Bereits jetzt erhältlich sind die CD-Re-Issues der beiden Neurosis Klassiker “Through Silver In Blood” und “Times Of Grace & Grace” (Doppelalbum, inklusive dem Tribes Of Neurot Pendant “Grace”, das simultan mit dem Neurosis Album abgespielt werden soll). Beide Veröffenlichungen kommen mit neuem Artwork, das ebenfalls von Josh Graham stammt.

Somit dürfte das Warten auf das nächste Studioalbum von Neurosis etwas leichter fallen.

neurosis

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HARVESTMAN

Posted in ontheroad, Release on May 23rd, 2010 by D.K.

steve von till

Das Harvestman Projekt von Steve Von Till findet dieses Jahr besonders viel Beachtung, denn neben diversen Liveauftritten (die Termine findet ihr auf unserer ONTHEROAD Seite) stehen zwei neue Harvestman Veröffentlichungen in den Plattenregalen.

HATE2O harvestman trinity

Auf “Trinity” finden sich 16 instrumentale Songs wieder. Fünf davon stammen vom Harvestman Debüt “Lashing The Rye”, die restlichen Songs sind neue Kompositionen, die Steve Von Till für den Film “H2Odio” des italienischen Regisseurs Alex Infascelli geschrieben hat. Der Psycho-Horror-Film, der auf Englisch als “Hate 2 O” im Handel erhältlich ist, behandelt das Bösartige im Wasser, um mal kurz eine Beschreibung zu geben ohne zuviel zu verraten. Zwischen Film- und Albumveröffentlichung liegen bereits 4 Jahre, somit lässt sich “Trinity” nicht einfach als Score oder Soundtrack abstempeln, denn es ist an sich ein vollwertiges Harvestman Album. Im Vergleich zum Vorgänger “In A Dark Tongue” hält sich Von Till auf “Trinity” mit ausuferndem Einsatz von Effekten zurück und setzt auf die Wirkung von klaren, minimalistischen Gitarrentönen und nimmt den Hörer mit auf eine Reise durch fragile Soundlandschaften. Das Album ist auf 1000 Stück limitiert und kommt im sogenannten “Arigato Pak” (ohne Kleber zusammengefaltete schwarze Pappe). Für den Druck haben Neurot Recordings die Stumptown Printers beauftragt.

hawkwind triad

Unter dem Projekt- und Albumtitel “Hawkwind Triad” präsentieren uns Minsk, U.S. Christmas und der Harvestman ihre Neuinterpretationen von Songs der britischen Psychedelic Urgesteine Hawkwind. Steve Von Till steuert als Harvestman vier Cover bei, die ihn von einer bisher ungehörten Seite zeigen. Von Till greift hier das Psychedelic Thema auf und präsentiert die Coverversionen mit rauhen Vocals, kraftvollen Gitarrensounds und treibenden Drumrhythmen. Sehr nah an den Originalen der über 40 Jahre alten Hawkwind eröffnet der Harvestman dem Hörer eine weitere Facette seines musikalischen Universums. Für Steve Von Till bilden Hawkwind einen Brennpunkt in Bezug auf sein Intersse an psychedelischem Metal und altertümlicher Kulturen aus Europa. “Hawkwind Triad” ist ebenfalls über Neurot Recordings erschienen, für das Artwork zeichnet sich der Grafikdesigner Thommy Saraceno verantwortlich.

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LIVE: SCOTT KELLY IN DER DECHENHÖHLE

Posted in ontheroad on January 31st, 2010 by D.K.

scott kelly in der dechenhöhle

Scott Kelly hat gestern in der Dechenhöhle in Iserlohn das Abschlusskonzert seiner “Winter Tour 2010” gespielt. Aber fangen wir doch von vorne an. Auf der Fahrt aus dem Ruhrgebiet nach Iserlohn freuten wir uns noch, dass die Autobahnen frei waren und wir bis Iserlohn-Oestrich freie Straßen hatten. Doch kurz vor der Höhle kam es dann doch so wie befürchtet und wir fuhren auf knarrendem Eis, das die Fahrbahn bedeckte. Dann das Hinweisschild zur Dechenhöhle, das in Richtung einer kleinen vereisten Seitenstraße zeigte, die auch noch Schledde(r)straße hieß. Unter einer einspurigen Eisenbahnbrücke her, scharf rechts auf den zugeschneiten Parkplatz sliden und da war er: der Dechenhöhleneingang.

In der Höhle angekommen haben wir uns dann einen Sitzplatz gesucht und harrten der Dinge die kommen sollten. Zwischen Stalagtiten und Stalagmiten war die Bühne mit Kerzen- und Notenständer, Akustik- und E-Gitarre und einem Verstärker aufgebaut.

Nach dem Supportact kommt endlich Scott Kelly auf die Bühne, legt sein schwarzes Songbook auf den Notenständer, stimmt seine Gitarren und wartet bis die Hintergrundmusik aufhört. “Ladder In My Blood” füllt den Höhlenraum und es wird sofort klar, dass der Sound hier einzigartig ist. Es hallt und gleichzeitig wirkt es so, als ob die Höhle den Sound in sich aufsaugt. Als Scott Kelly dann zur wesentlich lauteren E-Gitarre greift und ein John Lee Hooker Cover zum Besten gibt, wird es noch deutlicher, wie außergewöhnlich diese lebendige, ständig tropfende Höhle die Musik von Scott Kelly in ihrer Wirkung unterstützt. Kelly redet zwischen den Songs ungewöhnlich viel und zeigt seine Begeisterung in der Höhle spielen zu dürfen. Neben Dank ans Publikum fürs Kommen, erzählt Kelly auch, dass er im April zurückkommen wird nach Europa und dass sein Bruder Steve (wen er damit wohl meint!?) im März ebenfalls plant in der Dechenhöhle zu spielen. Nach einer Zugabe ist das Konzert zu Ende und man kann sich nur Scott Kellys Meinung anschließen, dass dieser Auftritt ewig in Erinnerung bleiben wird. Die winterliche Reise durch Schnee und Eis hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Weitere Fotos vom Konzert findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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LIVE: SCOTT KELLY

Posted in ontheroad on January 16th, 2010 by D.K.

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Scott Kelly hat sich die Pauluskirche in Dortmund für den Auftakt seiner “Winter Tour 2010” ausgesucht. Es ist sein zweiter Auftritt und unser zweiter Besuch in der Pauluskirche, auch diesmal von einer besonderen Aura umgeben. Scott Kelly betritt den Chor, platziert sein schwarzes Songbook auf dem Notenständer, stimmt seine beiden Gitarren und verschwindet wieder. Nach einer Ansage des Veranstalters kommt Kelly wieder auf die Chorbühne zurück. Alle sind still, jeder Schritt und Atemzug Kellys ist zu hören, er greift zur Akustikgitarre und beginnt zu spielen. Was folgt ist ein ergreifend düsteres Konzert, das mit unveröffentlichten Covern von John Lee Hooker und Townes Van Zandt und einem ebenfalls unveröffentlichten Shrinebuilder Track, auf einer spacig verzerrten E-Gitarre vorgetragen, einige Überraschungen bietet. Nachdem sich Scott Kelly vor dem letzten Song beim Publikum für das Leisesein bedankt, verlässt er, so still wie er gekommen ist, die Kirchenbühne. Was bleibt ist das Gefühl, an etwas Besonderem teilgenommen zu haben.

Wer Scott Kelly nochmal live sehen möchte findet in unserer ONTHEROAD Rubrik die noch anstehenden Deutschland-Termine.

Schaut auch auf unserer PHOTOS Seite vorbei. Die Fotografin Constantly Consuming, von der auch unser Headerbild stammt, hat ein paar Momentaufnahmen von Scott Kelly gemacht.

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