ANCESTORS – IN DREAMS AND TIME

Posted in Release on May 25th, 2012 by M.H.

“In Dreams And Time” nennt sich das kürzlich erschienene dritte Ancestors Album, auf dem der LA-Fünfer wieder mal unter Beweis stellt, über welche musikalische Bandbreite er verfügt. Von oft schwermütigem Psycheldelic und Prog über staubigen Stoner und Doom bis hin zu dreckigsten Sludge-Eruptionen haben sie in ihren konsequent überlangen Songmonstern stets das Überraschungsmoment auf ihrer Seite und beeindrucken zudem jederzeit mit einer ungemeinen Leichtigkeit. Die letzjährige “Invisible White”-EP, die fette Gitarren und die gewohnte Heavyness gänzlich außen vor lies, muss somit rückblickend wohl als Experiment gewertet werden, das der musikalischen Vielschichtigkeit der Band allerdings ganz offensichtlich überaus zuträglich war.

in dreams and time

Grundpfeiler sind somit nach wie vor die raumfüllenden warmen 70er Orgelteppiche von Jason Watkins, in die die ausufernden Kompositionen eingebettet werden, und das unverkennbar markante Organ von Justin Maranga. Verstärktes Augenmerk wurde diesmal auf ausgefeilte Gesangsarrangements und -harmonien gelegt, sodass diese nun endgültig auf Augenhöhe mit der seit jeher außerordentlichen Gitarrenarbeit operieren. Überdies ist die Band nach wie vor ein großer Freund von Interludes. Paradebeispiel hierfür: “The Last Return”. Zunächst lassen wir uns wohlig einlullen von einem balladesk anmutenden Piano, das säuselnden Frauengesang unterlegt, bevor uns ein unerwartet episches Bombast-Finale hinübergeleitet zum nächsten 12-Minuten-Song-Monolithen.

ancestors band

Endgültig zum Gesamtkunstwerk avanciert “In Dreams And Time” durch sein stilvolles Coverartwork, mit dem die Ancestors einem ihrer größten Einflüsse überhaupt standesgemäß huldigen. Die Band vermittelt einem das unbestimmte Gefühl, sie sei dort angekommen, wo sie hingehört und man ist geneigt zu behaupten, dass man das, was das Quintett da zaubert, einfach nicht besser machen kann. Doch warten wir ab…vielleicht gibt es ja tatsächlich noch Spielraum nach oben.

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Erschienen ist das Album im LP- und CD-Format selbstverständlich auf Tee Pee Records.

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B.SON – DOWNLOAD UND NEWS

Posted in ontheroad, Release on June 24th, 2011 by M.H.

Die Mannheimer Black Shape Of Nexus melden sich mit erfreulichen Nachrichten und einem speziellen Bonus für ihre Fans zurück.

B.SON haben angekündigt, dass sie sich im Dezember ins Studio zurückziehen werden, um ihr neues Album einzuspielen, für dessen Veröffentlichung über Exile On Mainstream Records der Frühsommer 2012 angepeilt wird. Die Wartezeit bis dahin verkürzt uns “Live In Mannheim”, ein längst vergriffenes, 60-minütiges Live-Tape, auf dem die Band in eindrucksvoller Manier der hohen Schule des schleppend monströsen Doom/Sludge frönt. Kostenlos bereitgestellt wird das Tondokument auf bandcamp.com.

Der nächste Livetermin liegt glücklicherweise auch nicht in allzu großer Ferne, so dass die Band bereits am 23. Juli beim Konzert mit Wall und Kodiak+N im JUZ Mannheim ihren neuen Bassisten Stef (ex Diavolo Rosso, Ghost Of Wem) vorstellen kann.

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ZWEI MEINUNGEN ZUR NEUEN BORIS

Posted in Release on March 22nd, 2011 by N UND D.K.

BORIS

BORIS – NEW ALBUM

– MINUS –

Schlimmer als befürchtet oder einfach nur nicht so, wie gedacht/gewünscht/erhofft? Nach der 7inch Serie hatte es ja bereits genug Stimmen gegeben, die ein endgültiges(?) Abdriften in Richtung poppigen Metal vorhersahen. Dass Boris mit „New Album“ aber so viel weiter in diese Richtung und darüber hinaus; auch ganz ohne Metal gehen würden…Gut, rein optisch, dieses Cover mit seiner Fernost-Fantasy-Wet-Dream-Wata-Inszenierung gäbe da auch Stoff zum nachdenken, geht deutlich über die bisherige Japan-Askese/Klarheit bzw. 70ties Bezugnahme hinaus; eine zusätzliche Warnung, maybe. Zwei weitere Warnungen: Keyboards (by Wata), nicht nur gelistet, sondern exzessiv genutzt und ein Gesang von Takeshi, der so klingt, als ob er seit dem letzten Album genau so exzessiv Gesangsunterricht genommen hätte.

Der japanisch betitelte Opener: 80ties-Pop-Metal mit gitarrengedoppelten Gesangslinien plus Melodiesolo und ebensolchen Breaks… Auf „Hope“, zieht dann Wata mit ebenso improved Vocals nach, plus noch mehr „Uhs“ und „Ahs“; Pop in Reinkultur, Streicher als tragendes Gerüst, Keys und 1000 hintergründige Britzeleien dahinter. „Party Boy“, der Abschluss der A-Seite packt folgerichtig auf die gleiche Stimmung den Techno-Beat. „Black Original“ auf Seite 2 fängt dann auch gleich an wie ein Stück von Lady Gaga (das meine ich ganz ernst) und geht im Grunde auch so weiter, allein der Gesang ist in der Tonlage tiefer (=“Lady“ Takeshi).

Die Depressionen, die dies altgedienten Boris Fans bereiten mag (falls diese dieses „New Album“ nicht ohnehin schon weiter vorn an die Wand geschmissen haben) will „Pardon?“ (=Selbstironie?) möglicherweise lindern helfen; fragil, leise, balladesk plus ein Gitarrensolo im Michio Kurihara Stil, das erste Stück des „New Album“, das halbwegs an das bisherige Konzept anknüpft. „Spoon“; Rhythmik, Harmonien, Gesang in Melodie und Geschlecht: Heavy Shoegazing oder auch: My japanisch Bloody Valentine 2011. Siebter Titel, Elektro pur… der Synth-Rhythmus inspiriert… cooles Stück, ich gebe es zu. „Tu, la la“, setzt wieder auf Shoegazersound, ein Schuss mehr Rock/Metal, bei genauerem Nachdenken: Swervedriver, England, Creation-Label, ist hier die passende Referenz; auch in Bezug auf den Gesang. Eine Referenz, die, mit ein bisschen guten Willen, auch für den Abschluss des „New Album“ gilt: „Looprider“, mit englischem Refrain, übrigens.

Mit „New Album“ haben Boris sich völlig in den freien Flug ohne jede Bodenhaftung begeben: Destination wo auch immer sie wollen…oder einfach: das Boris’sche Adaptieren und Aufsaugen von Musikgeschichte bis ins Extrem getrieben und dann auch noch, bezogen auf den Tonträger, extrem dispers… vielleicht ein Experiment für Boris, es klingt nur nicht so für den/die Hörer(in)…

N

boris

+ PLUS +

Ein Keyboardsound wie eine Alarmsirene, das ist der Einstieg in die neue Boris und nach 45 Sekunden geht es los mit poppigem Rock mit der gewissen Boris-Note: die Sirene also als Warnung? Takeshi setzt mit erstaunlich professionell melodiösem Gesang ein. Wau, das hatte ich nicht erwartet, aber was kann man schon von einem neuen Boris Album schon erwarten. Meistens ist ja bei neuen Boris Alben nie das zu erwarten, was auf dem letzten Album zu hören war.

„Hope“ und „Party Boy“, mit genau so professionellem Popgesang von Gitarristin Wata, treiben den Hörer immer weiter in die Popwelt von Boris. Die Songs sind makellos, was bei anderen Bands eher negativ ausfällt, bei Boris aber irgendwie cool ist. „Black Original“ mit Popbeat, Vocoder und nur so ein bissel Gitarre treibt die neue Richtung dann auf die Spitze. Gewagt.

Die Rocksounds mit schrammeliger Gitarre, fettem Bass und knüppeligen Drums fehlen aber nicht ganz. So versöhnt „Spoon“ ein wenig und „Tu La La“ und „Looprider“ als Albumabschluss sind zwar gitarrenpoppig eingängig aber haben einen unwiderstehlichen Charme, dem man sich nicht widersetzen kann. Das Album endet mit den gleichen Sirenentönen, mit denen es auch angefangen hat. Hat was von “das Borismobil” rast mit Blaulicht durch die Anlage…

„New Album“ ist ein typisches Boris Album, denn es gibt keine typischen Boris Alben. Der Gang in die Popwelt ist den drei Japanern gelungen, weil sie dabei ihr Ding durchgezogen haben und sich nicht wie große Grungeikonen in die Hände von noch größeren Popproduzenten begeben haben um sich ein nichtselbstgeschriebenes Album aufschwatzen zu lassen. Hut ab vor so viel Mut. Natürlich hoffe ich, dass das nur ein Besuch im Popkosmos war und Boris irgendwann wieder ein droneviliges Album aufnehmen werden.

D.K.

„New Album“ ist als Vinyl über Daymare Records und als CD über Tearbridge Records als Japan-Only-Release erschienen. Im April wird das amerikanische Sargent House Label zwei internationale Boris Platten gleichzeitig rausbringen. Auf dem n e u e n „Heavy Rocks“ (gleicher Titel und gleiches Artwork wie 2002, aber komplett neues Album) und „Attention Please“ werden einige der Songs dieses Albums vertreten sein.

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