LIVEBERICHT: THE ASCENT OF EVEREST

Posted in ontheroad on October 19th, 2011 by D.K.

the ascent of everest live in oberhausen

Montag, der wohl unpassendste Tag, um sich abends nach dem ersten Arbeitstag der Woche zu motivieren ein Konzert zu besuchen. Zum Glück schaff ich es, denn The Ascent Of Everest haben in Oberhausen im Druckluft gespielt und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Im Druckluft angekommen bestätigt sich die Montagstheorie, denn die handverlesene Anzahl an Besuchern ist schon schade.

the ascent of everest live in oberhausen

The Ascent Of Everest lassen sich Zeit und kommen gegen 21:30 Uhr auf die Bühne, die sich sehr schnell füllt, denn die Band besteht heute aus sieben Musikern. Zwei Gitarren, Bass, Cello, Violine, Drums und Percussion. Das Set beginnt mit einem lauten dynamischen Song, der von tiefen Cellotönen und kraftvollen Drums getragen wird. Gelungener Einstieg, der die Müdigkeit des Tages schnell vergehen lässt. Im Hintergrund laufen Videoprojektionen, die ich mir aber gar nicht genau anschaue, denn auf der Bühne passiert so viel, das man sich nicht entgehen lassen möchte. Die Cellistin sitzt in der Mitte der Bühne und wird umrahmt von den restlichen stehenden Musikern (außer dem Drummer). Der Sänger und Gitarrist haucht den Songs, die sich irgendwo zwischen GYBE und Sigur Ros einreihen lassen, die individuelle Seele ein, wenn er mit seiner tiefen Klangfarbe in der Stimme die Vocals beisteuert. Überhaupt ist der Einklang von Vocals, klassischen und rockigen Instrumenten erstaunlich präzise und klingt live noch intensiver als auf Platte. Das Set ist geschickt abwechslungsreich, mal dynamisch-explosiv, mal experimentell-ruhig, und es werden ein paar neue Songs präsentiert, die teils melancholischer, teils aggresiver sind als das bisherige Material. Das Konzert dauert weit über eine Stunde und The Ascent Of Everest können vollkommen überzeugen. Wenn der Aufstieg auf den Everest sich so anfühlt wie die live gespielte Musik dieser Band, dann sollte man echt mal überlegen mit dem Bergsteigen anzufangen…

the ascent of everest live in oberhausen

Wer die Chance hat einen der verbleibenden Termine wahrzunehmen, sollte unbedingt hingehen. Die restlichen Daten findet ihr hier auf unserer ONTHEROAD Seite.

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LIVEBERICHT: MICROPHONICS

Posted in ontheroad on June 4th, 2011 by D.K.

Letzter Montag im Mai. Dieser Tag soll nicht nur wegen seinen 35 Grad im Schatten in Erinnerung bleiben. Im Oberhausener Druckluft steht das Konzert von Microphonics und den japanischen Kultpostrockern Mono an.

Die Bühne ist klein und dementsprechend vollgestellt. Auf der rechten Seite hat Dirk Serries, der Mann hinter Microphonics, sein Set aufgebaut. Ein Koffer mit Effektgeräten, ein Notenheft (in dem eher Texte als Noten stehen), eine schwarze Les Paul und zwei Fender Combos. Diese stehen dem Publikum abgewandt und schnell wird klar, dass das heutige Microphonics Set wohl über die PA erschallen wird. Doch zunächst ist Warten angesagt, das einzige Fenster in der Halle erhellt den Raum noch… dann fängt es an zu dämmern.

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Dirk Serries betritt die Bühne. Sein Blick ist konzentriert und sein Gesicht angespannt, er nimmt Platz auf einem Hocker und greift zur Gitarre. Die grausame Hintergrundmusik verstummt, es ist leise. Dirk Serries fängt an und die Vermutung bewahrheitet sich; der Sound erschallt aus der PA. Ungewöhnlich direkt, laut und dementsprechend präsent beginnt Serries sein Microphonics Set. Wo er sonst ohne PA erst bedächtig leise anfängt und den Hörer in seine Welt einführt, überrascht er an diesem Abend mit einer Gitarrensoundwand, die den Hörer sofort überwältigt. Diese Direktheit ist ungewohnt, steht Microphonics aber recht gut und ist in der Funktion als Monosupport passend. Dirk Serries baut seinen Sound mit Loops auf. Er konzentriert sich an diesem Abend mehr auf das klassische Anspielen der Saiten und setzt nur gelegentlich Akzente mit einem Ebow. Sein Gesicht und sein Blick haben sich mittlerweile entspannt und ihm ist anzusehen, dass er sich inmitten seiner Soundkreation wohlfühlt. Das Publikum wohl auch, denn keiner redet in den ersten Reihen. Ein gutes Zeichen. Kein ruhiger Moment in der Musik, der Sound schreitet voran und die Klangwand baut sich immer weiter auf. Wie lange wird er wohl spielen (?) … geht einem durch den Kopf. Nach einer guten halben Stunde entspannt sich die Soundwand und die Loops werden allmählich zurückgenommen. Genau in dem Moment, in dem man glaubt, es sei gleich vorbei, greift Serries zu seinem Ebow, setzt es auf der tiefsten Seite auf und baut einen tiefen durchdringenden orgelähnlichen Sound auf, der immer lauter und einnehmender wird. Hier ist wahrhaftig Druck in der Luft. Dann plötzlich Stille. Ergreifend.

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Nach dem Set merken wir, dass Dirk Serries seinen langjährigen Tonmann, Ronald Marien, als Unterstützung am Mischpult mit dabei hatte. Gute Arbeit, kann man da nur sagen.

Was folgt sind Mono, eine der besten Postrockbands, die es derzeit gibt. Aber das spielt grad keine Rolle…

Mehr Fotos vom Abend findet ihr hier.

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LIVE: HER NAME IS CALLA & BIRDS OF PASSAGE

Posted in ontheroad on April 3rd, 2011 by D.K.

Es ist ja schon wieder Freitag… fällt mir grad ein. In letzter Zeit gehen wir immer freitags auf gute Konzerte. Diesmal auch?

Her Name Is Calla und Birds Of Passage aus dem Hause Denovali Records stehen heute an. Das Druckluft in Oberhausen ist Austragungsort, netter Laden mit leichtem Industriecharme. Nette Leute haben sich zusammengefunden, eher jünger als alt, um den Konzertabend zu erleben.

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Kurz nach Neun geht es los mit Birds Of Passage alias Alicia Merz. Die Australierin ist zum ersten Mal in Deutschland, in Europa, überhaupt auf Tour, um ihr Album „Without The World“ zu supporten. Diese Tatsache ist ihr auch anzusehen, denn eine gewisse Anspannung kann sie nicht verbergen. Doch mit den ersten Tönen auf dem Keyboard versetzt sich Alicia Merz in ihre eigene musikalische Fantasiewelt. Vorbei die Anspannung, der ruhige Gesang setzt ein und legt sich mit seinem weichen Sound wie ein weiteres Instrument über das Keyboard. Schnell fühlt man sich in die fragil anmutende Welt von Birds of Passage versetzt. Das aber nur bis ein Song endet. Alicia ist zwischen den Songs immer wieder nervös und macht Sachen, die sympathisch tollpatschig sind. Gegen Ende des Sets kann Alicia dann auch selbst drüber lachen.

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Kurze Umbaupause und dann geht es auch weiter mit Her Name Is Calla. Calla sind heute nur zu viert, Sophie an der Geige ist aus familiären Gründen kurzfristig nicht dabei. Eine Herausforderung für die Band, die Songs auch ohne Streichinstrument zu präsentieren, und eine interessante Variation für alle Fans der Band, die sie bisher als Quintett kannten. Die Band ist auf jeden Fall hochmotiviert und energiegeladen. Je länger sie spielen, desto lockerer werden sie. Heute sind alle lauten langen Songs dabei; „Condor and River“, „The Union“ und „Motherfucker“ mit besonders noisigen Parts hauen einen fast um. „Nylon“, „New England“ und „Pour More Oil“ dagegen gehen voll unter die Haut. Die Band ist sehr gesprächig und Sänger Tom unternimmt einige Kontaktversuche mit dem Publikum, lässt sogar das Publikum wählen, was als Nächstes gespielt werden soll. Aber irgendwie sind wir doch alle ganz zufrieden mit dem Set, so dass kein Wunsch geäußert wird. Her Name Is Calla sind eindeutig eine Live-Band, die Songs wirken lebendig, gerade bei den lauten Songs ist die improvisierte Spielfreudigkeit groß. Laut und überzeugend ist auch „Mew“, einer der drei Songs der neuen 10inch Tour EP, die Denovali Records für die aktuelle Tour gepresst haben, den die Band auch an diesem Abend live präsentiert. Zum Ende des Konzertes fordert Sänger Tom die Gäste auf, nach der Show noch zu bleiben und mit der Band ein Bierchen zu trinken. Wer der Einladung gefolgt ist, hat vier sympathische Engländer erleben können. Calla sind cool und – ja – es stimmt schon wieder… freitags gehen wir immer auf gute Konzerte.

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LIVE: GOD IS AN ASTRONAUT

Posted in ontheroad on May 13th, 2010 by M.H.

Mitte Mai im westlichen Ruhrgebiet – man erwartet Sonnenschein und überfüllte Biergärten – Oberhausen hingegen empfängt uns mit einstelligen Temperaturen und Schmuddelwetter. Sehr pünktlich, gegen sieben Uhr, finden wir uns vor dem Zentrum Altenberg ein, wo am heutigen Abend God Is An Astronaut auf ihrer aktuellen Tour durch Europa eine Zwischenstation einlegen. Zunächst müssen wir allerdings noch eine gute Dreiviertelstunde Wartezeit überbrücken, da in der Halle noch der Soundcheck läuft. Das Publikum ist bunt gemischt, alle Altersklassen scheinen vertreten, und die Stimmung ist, möglicherweise auch aufgrund des morgigen Feiertags, sehr entspannt.

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Natürlich sind God Is An Astronaut nicht alleine unterwegs, sondern haben noch zwei Support Bands mit im Boot. Den Anfang machen Junius aus Boston, Massachusetts, die ihr Set ungewöhnlicherweise auf dem Hallenboden vor der Bühne aufgebaut haben. Wie wir später erfahren, liegt dies darin begründet, dass die Band als letzte in Oberhausen eingetroffen ist und die Bühne zu diesem Zeitpunkt bereits mit Equipment überladen war. Die Band lässt sich davon jedoch in keiner Weise beeindrucken, sondern macht sich ganz im Gegenteil diesen ungewohnten Umstand zu nutze. Da man den Musikern nur wenige Zentimeter entfernt auf Augenhöhe gegenüber steht, entfaltet der Auftritt, trotz der nicht geringen Besucherzahl, eine sehr intime Atmosphäre. Zudem unterstreicht die einfache aber effektive Lichtshow sehr gelungen den kraftvollen Sound und die düster-erhabenen Melodien des Quartetts. Insgesamt hinterlassen Junius einen absolut sympathischen, bodenständigen Eindruck und werden von den Gästen zu Recht mit entsprechend euphorischem Applaus verabschiedet.

Als zweite Band des Abends betreten die Iren Butterfly Explosion die Bühne und präsentieren dem Publikum die Songs ihres Debütalbums “Lost Trails”, welches von God Is An Astronaut produziert wurde. Das Material in der Schnittmenge aus Postrock und Shoegaze wird engagiert dargeboten, allerdings mangelt es an einer eigenständigen Note, was dazu führt, dass das ganze insgesamt eher unspektakulär klingt und zu wenig Wiedererkennungswert besitzt.

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Nach einer kurzen Umbaupause ist es dann soweit: Die Hauptband betritt die Bühne und startet ohne große Umschweife in ein energiegeladenes, musikalisch äußerst professionell dargebotenes Set. Die Band wirkt perfekt aufeinander abgestimmt und scheint sich blind zu verstehen. Die Songauswahl ist ausgewogen, es gibt sowohl Songs vom aktuellen Album “Age Of The Fifth Sun”, als auch ältere Stücke zu hören. Neben dem Zusammenspiel des Trios, weiss auch die aufwendige visuelle Untermalung zu überzeugen, die bei Konzerten dieser Größenordnung keinesfalls an der Tagesordnung steht. Kritisch anzumerken ist, dass doch ein sehr großer Anteil der Musik aus der Konserve kommt, was zwangsläufig zu wenig Spontanität führt und dass die übertriebenen Rockstar Posen teilweise ein wenig befremdlich wirken. Diese beiden Kritikpunkte schmälern den positiven Gesamteindruck allerdings nur minimal, sodass wir uns nach einer kurzen Zugabe zufrieden auf den Heimweg begeben.

Mehr Fotos von Junius und God Is An Astronaut findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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