COLARIS

Posted in Release on December 12th, 2011 by M.H.

Die 2009 gegründeten Rheinland-Pfälzer Colaris haben sich dem instrumentalen Postrock verschrieben, scheuen jedoch auch zeitweise Ausflüge in heftigere sludgige Gefilde nicht, die für eine angenehme Portion Eigenständigkeit sorgen. Seine Spannung und Dynamik bezieht der Sound des Pirmasenser Trios überdies aus dem bewährten leise-laut-leise-Spiel, wobei die Band hier eine erfreulich erfrischende Variabilität an den Tag legt. Die relative Wuchtigkeit auf der einen und die melodiöse Fragilität auf der anderen Seite paaren sich mit einer dezenten Prise experimenteller Verspieltheit und führen im Ergebnis zur angestrebten “Brachialromantik” (O-Ton Colaris).

Seit Januar 2011 ist ihre aktuelle, selbst produzierte 4-Track-EP “The Disclosure” als CD, limitierte Tape-Edition und als Download erhältlich. Das Full-Length-Debut steht in Form von acht neuen Songs, die erneut im SU2 Studio Illingen aufgenommen wurden, ebenfalls bereits in den Startlöchern und wartet auf seine Veröffentlichung Anfang 2012. Solltet ihr im Raum Karlsruhe wohnen, guckt ihr euch die Jungs am besten direkt live am 16. Dezember im Jubez an.

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LIVE VIDEOS: DENOVALI LABEL EVENING II

Posted in Video on November 20th, 2011 by M.H.

Bevor am kommenden Samstag bereits das nächste von uns präsentierte Event ansteht (Fabio Orsi & N im FKT Bochum), wollen wir euch an dieser Stelle noch unsere persönlichen audiovisuellen Live-Höhepunkte vom zweiten Denovali Label Evening nachliefern.

Allen, die dabei waren, wünschen wir viel Vergnügen beim Erinnern. Bei allen anderen wecken wir mit diesem authentischen Eindruck der besonderen Atmosphäre in der Christuskirche Bochum hoffentlich ein wenig die Neugier.

Die übrigen Videos von diesem und den vorherigen Konzertabenden gibt’s bei vimeo und auf youtube.

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MAYBESHEWILL – I WAS THERE FOR A MOMENT, THEN I WAS GONE

Posted in Release on September 11th, 2011 by M.H.

Die Briten Maybeshewill sind mit Album Nummer drei zurück. Nach einem Songwriting- und Aufnahmeprozess, der sich über 18 Monate hinzog, ist “I Was There For A Moment, Then I Was Gone” Ende Juni bei Function Records und Cargo Records erschienen.

Los geht’s mit einem zweiminütigen Intro, das den Hörer behutsam auf den ersten vehementen Ausbruch hymnisch rockender Gitarren zu Beginn von “Take This To Heart” vorbereitet. Diese Symbiose gegensätzlicher Stilelemente bildet auch im weiteren Verlauf des Albums das musikalische Gerüst. Treibende Gitarren paaren sich mit melodischen Synthies, wuchtige Härte trifft auf epische Breite. Es gibt getragene Pianoläufe ebenso, wie eingestreute Ambientmomente – mal behält die Elektronik die Oberhand, mal die klassischen Rock Instrumentarien. Auf den Punkt gebracht, trifft bei Maybeshewill klassischer Postrock auf die Offenheit und Experimentierfreude von Bands wie 65daysofstatic.

Bemerkenswert ist überdies das feine Gespür des Quartetts aus Leicester für einprägsame Melodien und die Tatsache, dass Gitarre, Synthesizer und Piano wie selbstverständlich gleichberechtigt als Instrumente der Melodieführung eingesetzt werden. Dass Gesang in diesem Kontext nach wie vor als überflüssig erachtet wird, sei dabei nur am Rande erwähnt – es gibt einfach Bands, denen es gelingt, Botschaften ohne den Einsatz großer Worte zu transportieren.

Das überzeugende Endergebnis ist sicherlich zu einem nicht unerheblichen Teil der kreativen Herangehensweise geschuldet. Die Band hat versucht, alles bisherige auszublenden und das neue Album wie ein Debüt anzugehen – den Kopf frei beim Schreiben der Songs, losgelöst von jeglichem Druck, sodass neue Ideen ganz natürlich Platz bekamen, sich zu entfalten. Eine empfehlenswerte Methode, wie “I Was There For A Moment, Then I Was Gone” eindrucksvoll belegt.

Ach so, aktuelle Livetermine gibt’s natürlich auch…und zwar genau hier!

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ROADBURN 2012: CURATED BY VOIVOD

Posted in Roadburn on August 24th, 2011 by M.H.

Noch verbleiben einige Monate bis zur 17. Ausgabe des Roadburn Festivals in Tilburg. Das erste kleine Geheimnis wurde jedoch bereits gelüftet: Die begehrte Rolle des Kurators wird 2012 den legendären kanadischen Thrash Avantgardisten Voivod zuteil. Scheinbar haben sie mit ihren beiden umjubelten Auftritten in diesem Jahr nicht nur das Publikum, sondern auch die Veranstalter überzeugt. Kurator sein bedeutet, dass im Rahmen eines speziellen Events am Roadburn Freitag, von ihnen persönlich auserwählte Bands spielen werden, wobei Voivod selbst ein besonderer Headliner Set vorbehalten sein wird. Die Auswahl der Bands verspricht somit auch in diesem Jahr wieder eine spannende Angelegenheit zu werden. Weitere Infos zum Festival findet ihr hier.

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KOKOMO – IF WOLVES

Posted in Release on August 9th, 2011 by M.H.

Unsere Duisburger Nachbarn Kokomo, ihres Zeichens Instrumental-Postrocker, sind seit kurzem mit ihrem neuen Album “If Wolves” am Start. Dabei hat die Band keine musikalische Revolution im Sinn, sondern ist schlicht bestrebt, ihr Ding durchzuziehen und dabei eine möglichst gute Zeit zu haben – nicht mehr, aber ganz bestimmt auch nicht weniger.

Das Tier auf dem Cover ist durchaus mit Bedacht gewählt, denn kraftvoll wie ein Bär ist die Musik des auch diesmal in Eigenregie aufgenommenen Longplayers allemal. Musik für die große Leinwand ist es, was das Quartett hier abliefert. Die sechs Songs sind auf positive Weise emotional und warm und vermitteln dem aufmerksamen Zuhörer ein Gefühl der Weite. Raumgreifende Melodien bahnen sich ihren Weg in die Gehörgänge, Spannungsbögen werden gespannt und gekonnt im richtigen Moment aufgelöst. Man merkt ganz einfach, dass die Musiker hier ihr Herzblut in die Waagschale geworfen haben. Auf Sprachexperimente wird dabei nahezu gänzlich verzichtet, einzig das Stück “Epochs And Archives” wird mit geschmackvollen Samples aus der Dokumentation “Everything I Know” von Buckminster Fuller veredelt.

Gegründet im Jahre 2008, stand im Folgejahr bereits das Kokomo Debüt “Matterhorn Bob And The Black Flair” in den Plattenläden, gefolgt von einer Tour und zahlreichen Konzerten im Vorprogramm namhafter Bands. Überdies können sie noch auf eine Split-LP mit Kasan verweisen, die im Frühjahr 2010 bei Mayiniax Records veröffentlicht wurde.

“If Wolves” ist im April auf Vinyl und CD über Dunk!Records und i.corrupt.records erschienen und im September und Oktober solltet ihr euch die Chance nicht entgehen lassen, Kokomo auf einem ihrer Konzerte zwischen Berlin und Wien zu besuchen. Die genauen Termine haben wir hier für euch.

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LIVE VIDEOS: DENOVALI LABEL EVENING

Posted in Video on July 23rd, 2011 by M.H.

Knapp anderthalb Monate liegt der Denovali Label Evening mittlerweile bereits zurück. Als wohlige Erinnerung für die, die da waren und als Anregung für diejenigen Musikfreunde, die es bisher noch nicht zu einer Veranstaltung in die ehrwürdigen Mauern der Christuskirche Bochum geschafft haben, haben wir einige Impressionen in Bild und Ton hochgeladen.

Weiteres Material, sowohl vom 10. Juni, als auch von den vorherigen Konzertabenden, findet ihr auf  vimeo.com und auf youtube.com.

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LIVE: ROADBURN FESTIVAL 2011

Posted in ontheroad, Roadburn on April 30th, 2011 by M.H.

Ein Jahr ungeduldigen Wartens ist überstanden und wir sitzen endlich wieder auf der Terrasse des bewährten Brabant Hotels in Hilvaarenbeek. Die Vorfreude hat ihren Maximalwert längst erreicht, das erste Bier in der niederländischen Frühlingssonne schmeckt bestens und wir warten nur noch auf den Bus, der uns ins zwanzig Minuten entfernte Tilburg fahren soll. Auch in diesem Jahr finden sich hier gleichgesinnte Menschen aus allen Winkeln der Welt (44 Nationen sind in diesem Jahr vertreten) ein, um an einem langen Wochenende im April das Popcentrum 013, das auch 2011 als Heimat des Roadburn Festivals fungiert, und nicht zuletzt die Bars und Kneipen der Flaniermeile Tilburgs, zu bevölkern.

 

Donnerstag, 14. April

Da wir unsere Eintrittskarten bereits mittags, gleich nach der Ankunft am Hbf in Tilburg, gegen Festival-Bändchen eingetauscht haben, können wir die Warteschlange vorm 013 getrost ignorieren. Unser erster Weg führt uns direkt in den Green Room, in dem Year Of No Light das 16. Roadburn Festival standesgemäß eröffnen. Mit ihren zwei Drummern und drei Gitarristen geben die Franzosen ein beeindruckendes Bild ab. Neben dem visuellen Aspekt wissen sie dabei jedoch musikalisch ebenso zu überzeugen, machen ordentlich Druck und setzen den Schwerpunkt auf ihr aktuelles Album “Ausserwelt”. Wer instrumentalen Post-Metal/Sludge mit Shoegaze und Black-Metal Einflüssen mag, kommt an dieser Band nicht vorbei.

Wesentlich reduzierter in jeglicher Hinsicht präsentieren sich Acid King auf der Main Stage. Einziges Showelement sind die Backdrop Projektionen in Form von Biker-Filmsequenzen und das ist gut so, da alles andere nur vom exquisiten Stoner/Doom des Trios aus San Francisco ablenken würde.

Auch 2011 ist das Midi Theatre wieder als zusätzlicher Spielort vertreten, was neben der optischen Attraktivität des Gebäudes den Vorteil mit sich bringt, dass sich nicht alles einzig auf das 013 konzentriert. Erstmalig betreten wir das Theater am frühen Donnerstagabend, da Alia O’Brien zu einer einstündigen Reise durch die Hits der beiden bisherigen Blood Ceremony Alben geladen hat. Wie zu erwarten dominiert die Dame sowohl die Bühne, als auch den Prog und Doom getränkten Hardrock der Kanadier und sorgt mit ihren Orgel- und Querflöten-Einsätzen für die besonderen Akzente.

Zur Prime Time betreten die Doom-Metal-Pioniere Pentagram die Hauptbühne. Ihr Auftritt bedarf nur weniger Worte, die Publikumsreaktionen sprechen für sich. Die Band, allen voran Bobby Liebling, darf sich von Beginn an der Sympathien aller Anwesenden sicher sein und macht genau das, was jeder von ihr erwartet, nämlich alles richtig, was zur Folge hat, dass auch der Teil des Publikums auf seine Kosten kommt, der mit ihrer umfangreichen Diskografie nicht allumfassend vertraut ist.

Von Today Is The Day bekommen wir im Green Room nur noch die Hälfte des letzten Songs vom Balkon aus mit. Dem abschließenden Applaus nach zu urteilen, haben wir wohl was verpasst.

Dafür gibt es im Anschluss The Atomic Bitchwax, die aktuell mit den ebenfalls in Tilburg vertretenen Naam und Quest For Fire unter dem “Up In Smoke – Vol. II”-Banner durch Europa touren, in voller Länge. Dass wir dadurch Godflesh zum Großteil verpassen, die parallel die Main Stage mit ihrem “Streatcleaner” Album und in Originalbesetzung in Schutt und Asche legen, können wir problemlos verschmerzen, da TAB den Jamsession-Faktor, der ihrer aktuellen Platte innewohnt, auf der Roadburn Bühne nochmals erhöhen und uns und die übrigen Anwesenden mit ihrem psychedelischen 70er Prog Rock in der knappen Stunde, die ihnen zur Verfügung steht, bestens unterhalten.

Bevor wir den langen Tag in der Metal-Disco ausklingen lassen, statten wir Soilent Green und Count Raven noch einen kurzen Besuch ab, denen es zu später Stunde augenscheinlich spielend gelingt, die letzten Kräfte der Anwesenden zu mobilisieren.

 

Freitag, 15. April

Wie der gestrige Tag, beginnt auch der heutige mit Year Of No Light, die zu früher Stunde im Midi Theatre mit einem sehr speziellen Ereignis aufwarten. Sie spielen live einen eigens komponierten Soundtrack zu dem deutschen Horrorfilm Klassiker “Vampyr – Der Traum des Allan Grey” des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer. Die Band selbst hat sich zu beiden Seiten der Bühne postiert, um den Blick auf den Film freizugeben, der auf das Backdrop projiziert wird. Obwohl wir relativ weit hinten stehen, ist das Schauspiel beeindruckend. Schwere Gitarren, Synthesizer- und orchestrale Schlagzeugsounds, mal laut, mal leise intoniert, bilden die Grundzutaten dieser perfekt arrangierten 70 Minuten. Zusätzlich werden immer wieder bekannte “Ausserwelt”-Passagen eingestreut, die sich absolut homogen einfügen. Ein frühes, finsteres Highlight des Tages. Entsprechend surreal mutet es an, anschließend wieder in die grelle Sonne Tilburgs hinaus zu treten.

Extrem schade ist, dass wir Mamiffer, das Projekt von Aaron Turner und seiner Frau Faith Coloccia, verpassen, da der Bat Cave, wie häufig an diesem Wochenende, bereits einige Zeit vor Konzertbeginn aus allen Nähten platzt. Wer sich hier eine Band anschauen möchte, sollte sich frühzeitig in dem kleinen Saal einfinden.

So beschließen wir, uns wieder ins Midi Theatre zu begeben, wo kurze Zeit später der Auftritt der Psychedelic-Okkult-Rocker Sabbath Assembly ansteht. Jessica Thoth, die wir schon vor einem Jahr an gleicher Stelle mit Jex Thoth erleben durften, liefert ihre gewohnt extravagante Bühnenshow, während die Band das groovende Fundament für die Songs des “Restored To One” Albums  liefert. Einzig die doch recht penetrante spirituelle Ausrichtung des Textkonzepts strengt auf die Dauer etwas an.

Als Teil des heute von den Kuratoren SUNN O))) zusammengestellten Programms treten Corrosion Of Conformity auf der Main Stage im klassischen 3-Mann-“Animosity”-Lineup ohne Pepper Keenan auf und lassen es mit einer Melange aus Thrash, Hardcore und Punk ordentlich krachen.

Kurze Zeit nachdem C.O.C. das Feld geräumt haben, wartet die nun hoffnungslos überfüllte Halle darauf, dass endlich der schwere schwarze Vorhang fällt und den Blick freigibt auf Greg Anderson und Stephen O’Malley. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist es dann soweit: Wie üblich in Mönchskutten gewandet, tauchen SUNN O))) die Bühne und die gesamte Halle innerhalb weniger Augenblicke in ein Meer aus Nebel und blauem Licht und lassen das gesamte 013 in den folgenden knapp 90 Minuten sprichwörtlich erbeben. SUNN O))) sprechen nicht, wie gemeinhin üblich, zwei menschliche Sinne an, vielmehr wird der gesamte Körper Teil einer Darbietung, die sich schwerlich nur in Worte fassen lässt. Von Musik im herkömmlichen Sinne, geschweige denn von klassischen Songstrukturen, ist dieser Auftritt jedenfalls Lichtjahre entfernt.

 

Samstag, 16. April

Der zweieinhalbstündige Monster-Eröffnungs-Slot am Samstag Nachmittag wurde exklusiv für die schwedische Doom Legende Candlemass reserviert, die im letzten Jahr der Vulkanasche zum Opfer fiel. Zum Warmspielen gibt es eine Handvoll Songs mit dem aktuellen Sänger Robert Lowe, bevor, nach einem kleinen Zaubertrick, Originalsänger Johan Längqvist bereitsteht, das Debütalbum “Epicus Doomicus Metallicus” in seiner Gesamtheit zu präsentieren. Entspannt bei einem kühlen Bier von der Tribüne aus genossen, der perfekte Einstieg in den vorletzten Festivaltag. Gegen Ende gibt es dann wohl noch ein Duett beider Frontmänner (u.a. mit “Don’t Fear The Reaper” von Blue Oyster Cult), das wir jedoch nicht mehr live miterleben, da wir noch vor Ende der Candlemass Show die Main Stage verlassen, um im Green Room dem Auftritt der New Yorker White Hills beizuwohnen.

Eine gnadenlos groovende Einheit aus Bass, Schlagzeug und psychedelischen Synthies, darüber eine nahezu permanent solierende Fuzz-Lead-Gitarre – so einfach und dabei so effektiv ist das Rezept der Spacerocker(innen). Blickfang ist Bassistin Ego Sensation, die mit ihren dezent unterkühlten Posen, keine Miene verziehend und die Augen geschlossen, den Gegenpol zu Gitarrist Dave W. bildet, der sein Instrument permanent malträtiert und abgeht, als gäbe es kein Morgen.

Wenig später geben sich auf der Main Stage die Kanadier Voivod rund um Sänger und Ober-Sympath Snake bereits zum zweiten Mal an diesem Wochenende die Ehre. Nach ihrem umjubelten Auftritt im Midi Theatre am Vorabend, haben sie ihren Set leicht variiert und auch heute fressen ihnen die Anwesenden begierig aus der Hand.

Gegen halb zehn ist es Zeit für den mit Spannung erwarteten Auftritt der Band, die vier der größten Persönlichkeiten der gesamten Stoner-/Doom-Szene in sich vereint. Durchaus imposant wirken die vier Shrinebuilder vor dem übergroßen Josh Graham Albumcover, das als Backdrop dient. Sie verzichten also bewusst auf bewegte Bilder, auf die ansonsten nahezu alle Bands zurückgreifen. Nichts soll hier von der Musik ablenken. Und musikalisch gibt es auch am heutigen Abend erwartungsgemäß keinerlei Ansatzpunkte für Kritik. Allein der doch sehr undifferenzierte Sound, in dem der Gesang etwas untergeht, schmälert den Gesamteindruck ein wenig. Zudem lässt die Band, im direkten Vergleich zum Auftritt im November in Köln, die gelöste, ungezwungene Stimmung vermissen. Die Kommunikation, untereinander und mit dem Publikum, im Gebäude 9 noch fester Bestandteil der Show, wird heute auf das nötigste reduziert und eine latente Anspannung liegt in der Luft. Trotz allem ist es auch diesmal wieder ein Genuss, diese vier Titanen in Aktion zu beobachten.

Der experimentellen Swans Performance ziehen wir zu später Stunde eine eingängige Classic-Doom-Vorstellung des Indianapolis-Trios Gates Of Slumber im Green Room vor.

Abschluss des dritten Tages ist, wie üblich, die Metal Disco im Midi Theatre, die heute stimmungstechnisch erstmalig ansatzweise mit Ben Ward und seiner Orange Goblin Metal Disco mithalten kann.

 

Sonntag, 17. April

Nach drei Tagen Festival lassen es die meisten Besucher auf dem Afterburner, der sonntäglichen Roadburn Abschlussveranstaltung, etwas ruhiger angehen. Bei einem abgespeckten Programm auf nur zwei Bühnen fällt dies auch gar nicht schwer.

Wir beschränken uns heute auf drei Bands, beginnend mit den Blood Farmers aus New York, die seit 16 Jahren kein Album mehr veröffentlicht haben und in Europa erstmalig auf Tour sind. Ungeachtet dessen liefern sie eine imposante Blaupause für klassischen, rifflastigen Doom.

Dead Meadow warten gleich mit zwei speziellen Gimmicks auf: Mr. Roadburn himself Walter Hoeijmakers hat für sie eine maßgeschneiderte Videoshow konzipiert und ein armer Mensch im Bigfoot-Kostüm leistet der Band phasenweise auf der Bühne Gesellschaft. Von allem um sie herum unbeeindruckt liefern die Kalifornier mit ihrem gewohnt relaxten Psychedelia getränkten 70er Jahre Hardrock den perfekten Soundtrack, um an einem Sonntagnachmittag auf der Empore des 013 bei einem kühlen Dommelsch die Gedanken schweifen zu lassen.

Den Abschluss des Festivals bilden für uns Black Pyramid im Green Room. Von einem gemächlichen Ausklang kann allerdings keinesfalls die Rede sein. Mit einer massiven Portion Aggressivität werden den Anwesenden die Hits des selbstbetitelten Debüts um die Ohren gehauen. Als Psychedelic War Metal beschreibt das Trio aus Northampton, Massachusetts selbst seinen Stil, was es wohl ganz gut trifft. Ein würdiges Finale ist es allemal.

Als Fazit bleibt nicht viel zu sagen. Die Eindrücke, die man hier in vier Tagen sammelt, werden wohl auf ewig in Erinnerung bleiben. Alles vermeintlich Wichtige lässt sich komplett ausblenden, der Alltag gerät temporär in Vergessenheit. Der Fokus richtet sich einzig auf die Musik und man taucht ein in die Roadburn Parallelwelt.

Wieder aufgetaucht und einigermaßen zurück in der Realität, freuen wir uns auf das nächste Roadburn Festival, das vom 12. – 15. April 2012 stattfinden wird.

Weitere Schnappschüsse aus Tilburg findet ihr in unserer PHOTOS Rubrik.

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UP IN SMOKE – VOLUME II

Posted in ontheroad, Release on March 13th, 2011 by M.H.

Bei Freunden zeitloser Rockmusik genießt das US-Label TEE PEE RECORDS seit jeher einen exzellenten Ruf, zeichnen sie sich doch ein ums andere Mal durch außerordentlich hochwertige Veröffentlichungen aus. Im April werden sie nun vier ihrer Aushängeschilder gemeinsam auf Tour schicken. Unter dem stilvollen Banner “UP IN SMOKE – VOLUME II” werden sich The Atomic Bitchwax, Mirror Queen, Naam und Quest For Fire allabendlich die Ehre geben.

Seit mehr als 15 Jahren schon paaren sich bei The Atomic Bitchwax 60er Jahre Psychedelia und 70er Jahre Gitarrenriffs mit experimentellem Prog Rock. Die New Jersey Institution, aktuell repräsentiert durch die Szene-Veteranen Chris Kosnik (Bass, Gesang), Finn Ryan (Gitarre, Gesang) und Bob Pantella (Schlagzeug), steht in jeder Hinsicht für ein hohes Maß an Aktivität und Tatendrang, was sich an ausgedehnten Tourneen und der Anzahl der bisherigen Veröffentlichungen festmachen lässt. Nach drei Longplayern und zwei EPs folgt im nächsten Monat der sechste Streich in Form des Albums “The Local Fuzz”, einem über 40-minütigen kraftstrotzenden, nahezu instrumentalen Song-Monster, das mit nicht weniger als 50 Riffs und einer enormen stilistischen Bandbreite aufwartet. Durch seinen Abwechslungsreichtum besitzt “The Local Fuzz” indes weniger klassischen Songcharakter, als vielmehr akutes Jam-Session Flair.

Auch die New Yorker Stoner Kreisor, die mittlerweile unter dem Namen Mirror Queen firmieren, können, neben Tourneen im Vorprogramm von UFO und Uli John Roth, bereits auf die Veröffentlichung dreier Alben zurückblicken. Die beiden Originalmitglieder Kenny Kreisor (Flying V, Gesang) und Jeremy O’Brien (Schlagzeug) haben sich mit Dave McGauley am Bass und Steve Austin an der zweiten Gitarre verstärkt, um mit ihnen das neue Album “From Earth Below” einzuspielen, das im April das Licht der Welt erblicken wird. Auf Gesang verzichtet die Band nur partiell, wodurch sich seine Effektivität jedoch ganz natürlich erhöht. Mirror Queen reichern ihren zeitgenössischen Stoner Sound mit reichlich 70er Jahre Einflüssen an. Namentlich genannt werden in diesem Zusammenhang Größen wie Deep Purple, Hawkwind oder Captain Beyond, wobei von letztgenannten auch gleich noch ein Song (“Mermerization Eclipse”) gecovert wurde.

Dritte Band im Bunde sind die New Yorker Psychedelic Rocker Naam, die in der Besetzung Ryan Lugar (Gitarre, Gesang), John Preston Bundy (Bass, Gesang) und Eli Popazito (Percussion) die Nummern ihres noch immer aktuellen Debüt Albums präsentieren werden. Genauer vorgestellt hatten wir euch das Trio bereits an dieser Stelle.

Abgerundet wird das Lineup durch die aus Toronto stammenden Quest For Fire, bei denen spaciger Garagenrock auf bluesige Elemente, poppige Melodien auf erdige Hardrock Riffs treffen. Die Kompositionen der 2007 gegründeten Band, bei denen eine gewaltige Intensität unter einer vordergründig eher ruhigen Oberfläche lauert, verlangen geradezu nach einer adäquaten Live-Umsetzung.

Diese exquisite Band Auswahl solltet ihr euch nach Möglichkeiten nicht entgehen lassen. Hier findet ihr wie üblich die detaillierten Tourdaten.

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BLOOD CEREMONY

Posted in Release on March 11th, 2011 by M.H.

Die aus Toronto stammenden Blood Ceremony stehen für die Art Hardrock, wie er Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre populär war, angereichert mit mächtigen Prog- und Doom-Reminiszenzen und dargeboten in der klassischen Gitarre/Schlagzeug/Bass/Gesang-Aufstellung. Das herausragende Element des Quartetts stellt Sängerin Alia O’Brien dar, die den Sound mit ihrer kraftvollen und doch unaufdringlichen Stimme dominiert, hier und da psychedelische Orgelteppiche legt und mit ihren Flötensolos, die unweigerlich Erinnerungen an Ian Anderson und Jethro Tull wachrufen, außergewöhnliche Kontrastpunkte setzt. Die Atmosphäre okkulter Horrorfilme, die Blood Ceremony als eine Inspirationsquelle anführen, ist allgegenwärtig und ein weiteres Detail, das die Nähe zu musikalisch ähnlich ausgerichteten Bands wie Jex Thoth offenbart.

Auf ihrem zweiten Album “Living With The Ancients” erleben wir eine Band, deren Kompositionen reifer und variabler klingen als zuvor. Speziell in der Gitarrenarbeit ist der Black Sabbath Einfluss bei Weitem nicht mehr so übermächtig, wie auf dem selbstbetitelten Debüt. Doch überzeugt euch selbst von der Weiterentwicklung dieser vielversprechenden, jungen Band – “Living With The Ancients” erscheint nächste Woche auf Lee Dorian’s Rise Above Records.

Solltet ihr Mitte April im niederländischen Tilburg weilen, sind die Kanadier ein Pflichttermin auf dem Roadburn Festival. Ansonsten bieten sich auf der anstehenden Europatour der Band noch viele weitere Optionen. Die genauen Daten findet ihr ONTHEROAD.

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HER NAME IS CALLA WEB CONCERT

Posted in Aktuell, ontheroad on February 25th, 2011 by M.H.

Sophie und Tom von Her Name Is Calla werden am Sonntag um 19 Uhr via ustream.tv ein exklusives, rein akustisches Konzert spielen. Anlass ist die Fertigstellung ihrer neuen EP und der Beginn der Arbeiten an den Alben Nr. 2 und 3. Da die Band ansonsten eher multiinstrumental zu Werke geht, darf man gespannt sein, wie die Songs der Band im reduzierten Akustik-Gewand daherkommen.

Überdies wird sich die Band im März und April auch auf deutschen Bühnen die Ehre geben. Als Support wird die ebenfalls bei Denovali Records unter Vertrag stehende Alicia Merz alias Birds Of Passage dabei sein. Den Link zu den detaillierten Tourdaten findet ihr wie immer ONTHEROAD.

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NEUE LONG DISTANCE CALLING

Posted in Release on January 30th, 2011 by M.H.

Das Münster/Dortmund/Berlin-Quintett Long Distance Calling hat sich wohl endgültig des "Post-" Labels entledigt und eine vollständige Hinwendung zum puren, ursprünglichen Instrumentalrock vollzogen. In diesem Genre spielen sie in Deutschland fraglos in einer eigenen Liga, sowohl kommerziell als auch qualitativ, und brauchen auch den internationalen Vergleich in keiner Weise zu scheuen. Nach einem Demo, zwei Alben und einer Split-LP mit Leech, gehen sie nun mit ihrem neusten Werk "Long Distance Calling" an den Start.

Der erste Eindruck offenbart keine Revolution. Bei genauerem Hinhören eröffnen sich jedoch Sounds, die noch breitwandiger daherkommen als bisher und eine erhöhte Riff-Orientierung, die Songs, wie das vorab veröffentlichte "The Figrin D’an Boogie", teilweise gar in dezent psychedelisch spacige Stoner Gefilde driften lässt und Parallelen zu den Eidgenossen Monkey3 offenlegt. Nicht neu, aber immer wieder beachtlich, ist die hohe Songorientierung und die daraus resultierende Eingängigkeit der Kompositionen. Hier hat jede kleine Spielerei, jeder Schlenker und jede Wendung ihre Berechtigung und Bedeutung – die Progressivität ist nicht Selbstzweck, sie ist Teil des großen Ganzen.

Überdies kommt auch Longplayer Nummer drei erwartungsgemäß nicht ohne die bekannten und bewährten Grundzutaten einer jeden LDC Platte aus. Die Band bedient sich im reichen Fundus der Musikgeschichte und fügt das Beste aus den Welten Metal, Rock, Prog und Alternative auf ihre ganz eigene Art neu zusammen. Die elegischen, raumgreifenden Gitarrenmelodien und nicht zuletzt die glasklare Produktion lassen ein vieldimensionales Gesamtbild entstehen, in dem auch kraftvolle Drums und schwere Metal Gitarren wie selbstverständlich ihren Platz finden.

Apropos Metal – nach Peter Dolving (The Haunted) auf "Sattelite Bay" und Jonas Renkse (Katatonia) auf "Avoid The Light" gibt es auch diesmal wieder ein Vokalexperiment mit einem namhaften Metal Shouter. Der Armored Saint und Ex-Anthrax Sänger John Bush bekommt die Gelegenheit, sich mit "Middleville" auf völlig neuem Terrain zu profilieren und macht seine Sache, wie auch schon seine beiden Vorgänger, ausgezeichnet. Gut zu wissen, dass Long Distance Calling auch mit Gesang funktionieren, noch besser zu wissen, dass sie ansonsten ausschließlich ihre Instrumente sprechen lassen, denn das beherrschen sie wie nur wenige andere Bands.

Produziert wurde das Album im Horus Sound Studio in Hannover in Zusammenarbeit mit Benjamin Schäfer. Veröffentlicht wird "Long Distance Calling" als Doppel-LP, CD oder Digitaler Download am 21.02.2011 via Superball Music. Die Limited Edition ist als Bonus mit einer "Live at Roadburn 2010" CD bestückt. Rund um den Veröffentlichungtermin hat die Band einige Livetermine angesetzt, die genauen Daten findet ihr ONTHEROAD.

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LIVE VIDEOS: NOVELLER & UNFACT

Posted in Video on December 2nd, 2010 by M.H.

Zwei visuelle Eindrücke von einem einmaligen Abend für alle, die am 15. November in der Bochumer Christuskirche dabei waren und alle, die das Konzert verpasst haben.

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GENERAL LEE

Posted in Musik, Release on November 28th, 2010 by M.H.

Die Franzosen General Lee haben sich mit ihrem Sludge/Post-Metal klar in der Tradition von Bands wie Cult of Luna positioniert. Die Parallelen zu den Schweden, mit denen sie in der Vergangenheit auch schon mal gemeinsam auf Tour waren, sind nicht zu überhören. Jedoch sorgen sie speziell auf ihrem aktuellen Album “Roads”, das diesen Monat beim französischen Label HipHipHip erschienen ist, für die nötige Portion Eigenständigkeit, indem sie verstärkt balladeske Elemente und erstmals cleane, melodische Vocals in ihren Sound einbauen.

Den ruhigen Momenten, die auch auf dem Erstling “Hannibal Ante Portas” bereits ihren festen Platz hatten, wurde noch mehr Raum gewährt, was dem Sextett bestens zu Gesicht steht. Am deutlichsten offenbart sich diese dezente Neuausrichtung in dem Song “Hunted (Ashes By The Dawn)”, der Erinnerungen an das “Afterlife” Experiment von Amenra weckt.

Bisher haben General Lee für die nächsten Monate nur Konzerte in Frankreich und Belgien angekündigt. Sobald Termine für den deutschsprachigen Raum feststehen, werdet ihr sie bei uns finden. Bis dahin solltet ihr die beiden Alben der Band mal antesten. Hörproben liefern wie üblich MySpace und LastFM.

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LIVE: JEX THOTH

Posted in ontheroad on October 23rd, 2010 by M.H.

Bei mittlerweile doch recht frostigen Temperatuen machen wir uns am Mittwoch Abend von Duisburg auf den Weg nach Köln und erreichen gegen 20 Uhr das Underground, das zu diesem frühen Zeitpunkt bereits recht gut gefüllt ist. Der überwiegende Teil des Publikums, das sich aus allen Altersklassen zusammensetzt, trägt Metal Shirt und/oder Lederjacke. Die Marschroute für den Abend ist also eindeutig und wird von der Vorband Wight auch sogleich umgesetzt. Mal schleppend melodiös, mal schwer groovend gelingt es dem Trio, die sich langsam füllenden Reihen, mit ihrem Black Sabbath meets Southern Rock Stil in Bewegung zu setzen und spätestens als der Bassist bei einem der Songs ans Saxophon wechselt, haben die Darmstädter den Club endgültig auf ihrer Seite.

Nach Bier und Zigarette im Kneipenbereich des Underground, sind wir gerade rechtzeitig zum ersten Song des Jex Thoth Sets zurück vor der Bühne. Nach dem überzeugenden Auftritt vor großer Kulisse auf dem Roadburn im April diesen Jahres, sehen wir das Quintett aus San Francisco nun also in einem kleinen deutschen Club und schon nach kurzer Zeit ist klar, dass die Band auch heute abend alles richtig machen wird. Im Mittelpunkt steht zweifellos Frontfrau Jessica, die vor allem durch ihre stimmlichen Qualitäten, aber natürlich auch durch ihre extravagante Performance, die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dies darf allerdings nicht über die Leistung ihrer Band hinwegtäuschen, die, musikalisch ebenfalls über jeden Zweifel erhaben, das kompakte Gerüst aus 70er Jahre Doom/Hardrock mit reichlich psychedelisch-progressiven Elementen liefert. Speziell die Instrumentalpassagen, in denen sich Mrs. Thoth auch mal eine Auszeit hinter der Bühne gönnt, liefern der Band die Möglichkeit, die Anwesenden von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Nachdem alle Hits der bisherigen Veröffentlichungen, inklusive einer kurzen Zugabe gespielt sind, entlässt die Band viele zufriedene Gesichter in die Kölner Nacht und wir haben die Gewissheit, dass sich unser Trip definitiv gelohnt hat.

Weitere Bilder findet ihr auf unserer PHOTOS Seite.

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KODIAK+N INTERVIEW

Posted in DIE DENOVALI SWINGFEST BANDS 2010, INTERVIEWS on October 6th, 2010 by D.K. und M.H.

denovali swingfest 2010Mit großer Spannung erwarten wir den Auftritt von Gitarrist Hellmut Neidhardt, alias N, aus Dortmund und den ebenfalls aus dem Ruhrgebiet stammenden Kodiak, die am kommenden Sonntag auf dem Denovali Swingfest eine interessante Allianz eingehen und der geneigten Öffentlichkeit erstmalig das Ergebnis ihrer aktuellen Zusammenarbeit präsentieren werden. Vorab haben wir die vier zum Interview gebeten…

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Ihr habt grad eure ersten gemeinsamen Proben hinter euch. Wie ist es gelaufen?
K: Es läuft phantastisch. Die Chemie hat direkt gestimmt und wir mussten überhaupt nicht lange herumexperimentieren, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Jeder in der Gruppe liefert das, was er am besten kann und es fügt sich wunderbar zusammen. Wir freuen uns riesig den passenden Counterpart für dieses Experiment gefunden zu haben.
N: Ich “kenne” Kodiak seit der ersten Platte; ich hatte da überhaupt keine Bedenken. Das passt und macht musikalisch Sinn.

Wollt ihr euch unseren Lesern, die euch noch nicht kennen, einmal gegenseitig vorstellen? Uns interessiert es aber natürlich auch wie, ihr den jeweils anderen musikalisch einschätzt.
K: Die Musik von N ist ein dicht gewobenes Geflecht aus meditativen Feedbacks und Live-Loops, die durch den Raum zu schwirren scheinen und dabei ständig variieren. Selten schafft eine Band ein so unfassbares Gefühl von Schwerelosigkeit und kraft zugleicht – und dabei handelt es sich hierbei nicht mal um eine Band, sondern nur um einen einzelnen Künstler. Wir haben N zuvor schon live erlebt und waren hin und weg.
N: Bei Kodiak ist es diese Mischung aus monolithischen Säulen und extrem dichten Atmosphären, die sofort packt. Das ganze dann in einem doch sehr eigenen, irgendwie körnig korrodierten Sound, das passt und ist einfach perfekt. Und wenn man sich die seitdem erschienenen, weiteren Veröffentlichungen von Kodiak anhört, überzeugt die Wandelbarkeit dieses (nur) auf den ersten Blick doch sehr fokussierten Konzepts.

Wie kam es eigentlich zur Entscheidung, gemeinsam aufzutreten?
K: Das ist eine gute Frage. Die konkrete Idee dazu kam wahrscheinlich von Denovali.

N: Die Idee stammt tatsächlich vom Label; meine neue VÖ, die N(9) “Gager” erscheint als mein erster Release auf Denovali und die Ansage, auf dem nächsten Swingfest zu spielen stand schon etwas länger. Mit Blick auf das Gesamtprogramm und die zu erwartende Festivalatmosphäre bin auch ich sehr zufrieden mit dem Konzept, Kodiak und mich zu einem gemeinsamen Auftritt zu bewegen. Und außerdem, mal sehen, was da noch so kommt…

N, wie ist es, zusammen mit drei aufeinander eingespielten Musikern zu spielen?
siehe nächste frage…

Kodiak, wie ist es, plötzlich ein weiteres “Bandmitglied” zu haben?
K: Es ist ein bisschen enger geworden im Proberaum. Und natürlich auch nochmal ein ganzes Stück lauter. Aber die Ampwand, die jetzt den Raum schmückt hat uns allen ein debiles Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Inwiefern hat sich der Prozess des Schreibens, bezogen auf eure Zusammenarbeit, geändert? Besonders für dich, N?
K: Bei Kodiak waren schon immer alle Bandmitglieder gleichermaßen an der Entstehung der Songs beteiligt. Das heißt niemand beansprucht das Songwriting für sich und wir gehen die Sachen immer gemeinsam im Proberaum an. Es war nicht schwierig, eine weitere Meinung in diesem Prozess zuzulassen. Und praktischerweise bieten unsere typischen Songstrukturen genügend Platz um eine weitere Gitarre aufzunehmen, ohne dass diese überflüssig klingt. Wir müssen uns also für unseren Teil überhaupt nicht verbiegen, sondern können einfach loslegen und die Gitarrenarbeit von Hellmuth fügt sich absolut organisch in den Sound ein und bereichert das Gesamtbild ungemein. Wir haben uns im Vorfeld ein wenig Gedanken gemacht, ob und wie unsere Arbeitsweiesen beim Schreiben zusammen funktionieren, oder ob wir uns dann gegenseitig im Weg stehen, aber es klappte alles erstaunlich gut. Wir waren uns auch unschlüssig, ob wir aufgrund der knapp bemessenen Zeit nicht einfach fertige Songs zusammenwürfeln sollten und die Parts dann nur gegenseitig begleiten würden. Aber dann haben wir genau das richtige gemacht und einfach drauflos gejammt. Das Feeling hat sofort gestimmt und uns absolut überzeugt. So war bereits nach der ersten Probe ein Großteil des Sets für das Swingfest geschrieben.
N: Erstaunlicherweise wenig. Wie schon beschrieben hatten wir zunächst gedacht, dass es vielleicht gut wäre, bestehendes Kodiak-Material zu bearbeiten, um schon einmal einen grob strukturierten Rahmen zu haben und diesen dann zu ergänzen und auszuarbeiten. Statt dessen haben wir eben zunächst ein bisschen improvisiert, in erster Linie, um uns gegenseitig ein wenig kennen zu lernen. Und da hat sich gezeigt, dass die Arbeitsweise von Kodiak und meine starke Ähnlichkeit besitzt. Ich hatte über die Tatsache, plötzlich mit drei weiteren Meinungen konfrontiert zu sein auch im Vorfeld bewusst nicht nachgedacht; unsere ersten persönlichen Kontakte bei einem Auftritt von mir bzw. einem von Kodiak waren gleich entspannt gewesen und ich habe daher Schwierigkeiten auf menschlicher Ebene sowieso nicht erwartet. Etwas anderes ist es natürlich, plötzlich noch 1-2 weitere Gitarren und einen Bass um sich zu haben, mit denen man sich harmonisch, soundlich und lautstärketechnisch auseinander setzen muss. Aber hier herrscht an keiner Stelle der Egotrip, unser Set bietet auch genügend Freiräume und wechselnde Verantwortung. Und, um auch das nicht zu vergessen: von früheren Bandsituationen kenne ich das Zusammenspiel mit dem Schlagzeug; ich muss dann nur etwas mit den Loops aufpassen…

Woher nehmt ihr eure Inspiration? Sowohl auf euer bisheriges, als auch auf euer gemeinsames musikalisches Schaffen bezogen.
K: Es gibt keine alleinige Quelle für die Inspiration zu unseren Songs. Trotzdem basieren alle  unsere Stücke auf einer Grundidee, die wir entweder im Vorfeld recherchieren und zurechtlegen oder während des Songwriting entwickeln. Die Idee zu den beiden Songs “Beginning” und “End” auf unserer LP zum Beispiel war schon zu Beginn der Arbeit klar, während bei “MCCCXLIX – The Rising End” erst ein Teil der Musik feststand und wir dann den Hintergrund passend zum Sound gesucht haben.
N: Mein Konzept als N beruht auf dem Einfangen des Moments. Viele meiner Stücke sind entstanden (und entstehen weiterhin), indem ich meine Verstärker anschalte, die Aufnahme starte und ohne jede weitere Überlegung spiele. Ich überrasche mich da immer noch selbst, das gibt mir die Sicherheit, dass diese Vorgehensweise noch längst nicht ausgereizt ist. Die größte Schwierigkeit bereitet es da, eine möglicherweise soundlich schlechte Aufnahme in ihrer musikalischen Qualität zu wiederholen… Eine weitere Inspiration ist schlicht der Klang von Gitarre und Verstärker; trotz aller dazwischen geschalteter Effekte ist es gerade diese Klangästhetik, die auf mich inspirierend wirkt.


Ist es etwas Besonderes, ein Festival quasi vor der Haustür zu spielen?
K: Dass das Swingfest hier um die Ecke stattfindet macht die ganze Sache für uns vielleicht sogar leider ein wenig unspektakulärer. Normalerweise hat man vorher eine mehr oder weniger lange Fahrt, die bei uns immer sehr lustig abläuft und bei der einfach ein anderes Feeling aufkommt, als wenn man nur kurz sein Equipment in den Kofferraum packt und ein paar Meter fährt. Aber es macht auch vieles einfacher. So fühlen wir uns direkt heimischer, kennen die Location bereits und können ohne Stress zum Festival. Man muss einfach weniger im Vorfeld organisieren.
N: Sehe ich genau so, allerdings, als zweitägiges Festival ist das Swingfest natürlich schon ein eigenes Kaliber. Ich freue mich auch, dass wir am zweiten Tag spielen; so kann ich den ersten einfach als Zuhörer genießen und mich schon mal auf die Atmosphäre einlassen.

Werdet ihr das Swingfest Konzert aufnehmen oder plant ihr vielleicht, gemeinsame Studioaufnahmen zu veröffentlichen?
K: Das Swingfest werden wir nicht mitschneiden können, aber bei Kodiak hatten wir ja auf unseren Aufnahmen immer wieder Gäste dabei, die die Songs enorm bereichert haben. Wir wollten schon bei der Nadja Split eigentlich lieber eine Kollaboration, als eine Split mit getrennten Seiten für jede Band. Die Grundidee, dieses Konzept in Zukunft mit N in die Tat umzusetzen hat sich glaube ich bei jedem in der Band festgesetzt und wir werden mal sehen, ob wir das zustande bringen können. Es wäre sicherlich unglaublich dann im nächsten Jahr zu viert die Tonmeisterei zu entern.
N: Da muss ich nichts mehr zu sagen… Außer: eine gemeinsame Platte kann ich mir SEHR GUT vorstellen…

Verratet ihr uns zum Schluss, wie N + Kodiak zusammen klingen werden?
K+N: Nein. Aber wir denken jeder, der sich mit den beiden Projekten auskennt kann sich prima vorstellen, wie es zusammen passen wird.

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