OWWL – DARK PLACES

Posted in Release on April 8th, 2012 by D.K.

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Keith Utech entgeht so gut wie gar nichts, was düster und experimentell ist, und so verwundert es kaum, dass das zweite Album des Bonner Duos Owwl auf Utech Records erschienen ist. Auf “Dark Places” entführen die beiden Musiker den Hörer in eine düstere Welt und zeigen ihm düstere Orte, denn jeder Liedtitel besteht aus Koordinaten eines bestimmten Ortes.

Mit “44° 25’ 39” N, 26° 5’ 15” E” beginnt die Reise in Rumänien. Owwl, bestehend aus Mick Schulz an der Gitarre und Stefan Otto am Harmonium, erzeugen eine Klanglandschaft, die die Schönheit des Minimalistischen zeigt. Für den einen Feedback und Geräusch, für den anderen etwas, was unter die Haut und in die Seele geht. Ein minimalistischer Drone, der eine Viertelstunde lang den Hörer in die richtige Stimmung versetzt. “29° 15’ 0” S, 70° 44’ 0” W” führt uns nach Chile und ist soundtechnisch genau da anzusiedeln, wo der Opener angefangen hat. “60° 53’ 9” N, 101° 53’ 40” E” setzt über nach Russland. Erst jetzt kommen weitere Differenzierungen in den Sound, ohne das Minimalistische aus den Augen zu verlieren. Das 20minütige “31° 18’ 55,1” N, 35° 21’ 13,5” E” leitet uns nach Mexiko und ist der heimliche Höhepunkt der Platte. Die Gitarre und das Harmonium lösen sich langsam aus ihrer Fusion und geben dem Hörer auch durch eine hallreichere Klangkulisse mehr soundliche Anhaltspunkte. Die Gitarre wummert im Vordergrund, das Harmonium gleitet im Hintergrund und es bahnt sich eine subtile Steigerung an, nur um nach 17 Minuten wieder langsam abzuflachen. Dieser Sound zeigt Wirkung. Das letzte Stück “39° 14’ 8” N, 20° 28’ 55” E” führt uns zurück nach Europa, nach Griechenland. Pulsieren und Gedröhne ist zu hören, mehr Ambient als Drone, zunächst, denn es bahnt sich etwas an, das immer stärker aus dem Hintergrund nach vorne schreitet. Doch der Sound bleibt unnahbar, wie ein Geist. Dieses Gefühl, die Erwartung, dass etwas passieren wird… unbeschreiblich… passiert was? Wer also rausfinden möchte, was passiert und was so düster ist an diesen fünf Orten, hat mit “Dark Places” den passenden Soundtrack vorliegen.

“Dark Places” ist direkt über die Band erhältlich. Wer also Lust hat, seine Seele in dieses minimalistisch mysteriöse Dronewerk zu tauchen, sollte sich unbedingt eins der 300 Exemplare bestellen. Das Mysteriöse wird übrigens noch durch das Kleingedruckte im Booklet unterstrichen, wo es heißt, das Album sei im Mai 2012 live eingespielt worden.

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Owwl sind übrigens auch auf unserer kostenlosen Download Compilation vertreten.

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OWWL

Posted in Musik on March 18th, 2011 by N

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Die Besonderheit von “Tree Speaks To Stone; Stone Speaks To Water” von OWWL aus Bonn liegt darin, dass es die Erwartungen nicht erfüllt; zumindest nicht die nahe liegenden: Stefan Otto (Harmonium) und Mick Schulz (Feedback-Gitarre), legen ein Drone-Album vor.

Soweit… und/aber: legen damit mal eben eine weitere Möglichkeit vor für “ein eigener Stil und wie man ihn erreichen kann”. OWWL outen sich dabei als Minimalisten, konzentriert auf die zwei Klangquellen und, soweit ich das beurteilen kann, zumindest weitestgehend fokussiert auf das, was ohne Overdubs spielbar ist. Setzen auf einen extrem archaischen Sound, der (gefühlt) die Naturassoziationen des Titels perfekt widerspiegelt und als rauer, bröckelig korrodierter Klangstrom alle vier Stücke bestimmt und zu einem sehr homogenen Ganzen verschmilzt. Einem sehr präsenten ganzen zudem; körperhaft windend, fernab bekannter sphärischer entwürfe des Genres. Der Ton scheint fast lebendig; wie ein Tier, dass, in irgendeiner weise verwundet, seinen schmerz herausschreit.

Definitiv keine Hintergrundmusik, selbst bei geringer Lautstärke entwickelt “Tree Speaks To Stone; Stone Speaks To Water” eine Präsenz, die Aufmerksamkeit (oder eben Flucht) geradezu erzwingt. Durch den Verzicht auf erkennbare Melodien und den stellenweise fast atonalen Charakter (positiv gemeint), der dennoch nie auch nur in die Nähe von Noise gerät und die soundlichen Eigenheiten der beiden Instrumente bis ins Extrem miteinander verwebt, wird die das ganze Album beherrschende Atmosphäre einer archaisch-rituellen Bedrohung nur noch verschärft; auch der abrupte Schluss von “IIII” passt zu dem kompromisslosen Konzept perfekt. Beschwörende Schamanen, die Beiden, davon bin ich überzeugt. Sehr empfohlen für alle, die ein Ohr für Drone jenseits von Produktions-Überzuckerung haben. Und für die anderen, zum freihören. Hoffentlich auch einmal live zu hören…

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Cover aus gefalteter, superschwerer pappe mit dem Foto eines Gefiedergewirrs… sagte ich: Schamanen? + transparenter Papiereinleger. Hörproben und Bestellmöglichkeiten findet ihr hier.

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