PARALLEL LINES – WHITE FUR /// BLACK CATHEDRAL

Posted in Release on January 14th, 2013 by D.K.

Parallel Lines nennt sich die sporadisch in Erscheinung tretende Band von Eric Quach, dem Mann hinter thisquietarmy. Mit Pascal Asselin an den Drums, Eric Quach an der Gitarre und Ryan Ferguson am Synthesizer erzeugt das Trio psychedelische Tracks, die mal postrockig vorantreiben, aber auch mit langen experimentellen Parts Raum schaffen für Träumereien.

Auf “White Fur /// Black Cathedral” machen Parallel Lines genau das eben beschriebene mit einer Gelassenheit, dass das Zuhören einem ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht zaubert. Auf jeweils einer Seite führen “White Fur” und “Black Cathedral” den Hörer durch diverse Klanglandschaften. Gitarre und Drums sind hier für das rhythmische Treiben verantwortlich, während die Synthesizersounds die sphärischen Passagen untermalen. Im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen von Parallel Lines, ist hier ein sehr homogenes Zusammenspiel auf Platte gepresst worden. Feine Sache.

“White Fur /// Black Cathedral” ist aus einem Livemitschnitt entstanden, den die Band bei einem Auftritt in der “Christ´s Church Cathedral” in Hamilton Ontario (Kanada) gemacht hat und die erste Veröffentlichung des neuen Labels Oaken Palace Records. Das Label widmet jedes Release einer bedrohten Tierart. Parallel Lines machen den Anfang und haben sich für den Eisbären entschieden. Mehr dazu in unserem Oaken Palace Records Interview…

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INTERVIEW: OAKEN PALACE RECORDS

Posted in INTERVIEWS on January 14th, 2013 by D.K.

Oaken Palace Records ist ein neues Label, das experimentelle Musik mit Umweltschutz vereint und kurz vor der Veröffentlichung seiner ersten Platte steht. Da uns dieses Konzept sehr zusagt, haben wir Labelgründer Sven zum Gespräch gebeten, der inmitten aller Vorbereitungen steckt, das Label mit Sitz in England zu vermarkten.

Dein Label bezeichnest du als „The Green Record Label“, weil alle Gewinne für den Umweltschutz eingesetzt werden. Erzähl uns doch mal bitte wie das Ganze funktioniert?

Gerne, das Ganze funktioniert wie folgt: Nachdem sich eine Band bereit erklärt hat, ein Album über Oaken Palace Records zu veröffentlichen, bitte ich sie im nächsten Schritt, sich für ein Tier zu entscheiden, das auf der Roten Liste gefährdeter Arten aufgeführt ist. Diese Liste wird auf jährlicher Basis von der „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ (kurz IUCN) veröffentlicht und ist weltweit als die umfangreichste Quelle für den aktuellen Stand des Gefährdung von Tieren und Pflanzen anerkannt.

Die Band widmet ihr Release dem ausgewählten Tier und ich begebe mich daraufhin auf die Suche nach Organisationen und Stiftungen, die sich dem Schutz der jeweiligen Spezies oder ihres Lebensraums verpflichtet haben. Von meiner Liste geeigneter Organisationen wählt die Band dann diejenige aus, die ihr am meisten zusagt. Ich versuche bei der Auswahl so spezifisch wie möglich zu sein, das heißt ich bevorzuge generell Organisationen, die zum Schutz der jeweiligen Spezies gegründet wurden, um sicherzugehen, dass die Spenden auch dort ankommen, wo sie ankommen sollen.

Schließlich werden die Platten produziert und exklusiv über den Oaken Palace Online Shop und die Bands vertrieben. So versuche ich sicherzustellen, dass wirklich alle Gewinne, also alles, was über die Deckung meiner Kosten hinausgeht, dem Tier- und Umweltschutz zu Gute kommen. Die Bands erhalten normalerweise 10% der gepressten Auflage, um ihrerseits Kosten für die Aufnahme und andere Posten zu decken.

Oaken Palace Records wird nicht gefördert und ich bezahle die Produktion der Releases komplett aus meiner eigenen Tasche. Ich hoffe daher, dass das Label auch von den Fans dieselbe positive Resonanz erfährt, die ich momentan schon von den Künstlern bekomme!

Wie kamst du dazu ein Label zu gründen? Heutzutage sterben die ganzen Indie Label fast wie am Laufband aus.

Es war schon immer mein Traum, ein eigenes Label zu gründen. Einerseits finde ich es natürlich etwas besorgniserregend zu sehen, dass selbst relativ große und bekannte Label wie Hydra Head Records heutzutage kaum noch am Markt bestehen können. Andererseits bin ich aber bereit, dieses Risiko einzugehen, da ich denke, dass sich Oaken Palace Records durch seinen speziellen Fokus auf Tier- und Naturschutz von bestehenden Labels abhebt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich meine Ideale und Ziele hinsichtlich des Erhalts unserer Natur mit vielen Fans von Drone, Psychedelic, und anderen experimentellen Genres teile. Selten trifft man so viele Leute mit einem starken Umweltbewusstsein und alternativen Weltanschauungen wie auf Konzerten und Festivals wie zum Beispiel dem Roadburn – und genau diese Menschen will ich mit meinem Label ansprechen. Ich will damit zum Denken anregen, Aufmerksamkeit erregen und letztendlich auch Vorbild für andere Labels sein. Es müssen ja nicht gleich 100% der Gewinne sein, die gespendet werden – selbst 10% würden schon einen großen Unterschied machen.

Du hast dich bisher auf Drone und Psychedelic Releases spezialisiert. Wo siehst du die Verbindung zwischen Drone und Psychedelic zur Natur?

Aidan Baker, der mit seiner neuen Band Caudal sowie mit Nadja ebenfalls zwei Alben auf Oaken Palace Records veröffentlichen wird, hat vor kurzem in einer sehr persönlichen Reflektion auf sein Dasein als Künstler geschrieben: „I need to create and listen to music to maintain my emotional health“. Ich empfinde genauso – Musik ist ein Zugang zu unseren Emotionen und kann einen starken Effekt auf unser Wohlbefinden haben. Drone und Psychedelic sind für mich persönlich zwei Genres, die einen besonders intensiven Kontakt mit unserer Gefühlswelt ermöglichen und uns helfen können, unsere egoistischen Interessen zu transzendieren.

Was bedeutet Oaken Palace?

Oaken Palace bedeutet frei übersetzt „eichener Palast“ oder „Palast aus Eichen“. Ich gebe zu, dass dieser Ausdruck nicht von mir stammt – er ist mir in Agalloch‘s „She Painted Fire Across The Skyline“ aufgefallen und hat mich emotional stark angesprochen. Die Formulierung reflektiert für mich die Schönheit der Natur und vermittelt Respekt vor unserer Umwelt. Anstatt die Natur als etwas zu begreifen, das „gebändigt“ werden muss und uns zu „dienen“ hat, sollten wir dankbar dafür sein, auf einem Planeten zu leben, der uns mit allem versorgen kann, was wir wirklich zum Leben brauchen, wenn wir es nur richtig anstellen.

Wie kamst du in Kontakt mit Eric Quach und wie kam es dazu, dass er sich für die Parallel Lines Platte für den Eisbären entschieden hat?

Nachdem ich mich entschieden hatte, Oaken Palace Records zu gründen, habe ich eine Reihe von Bands und Künstlern kontaktiert, um zunächst einmal ein wenig Feedback zu meiner Idee zu bekommen und auszutesten, ob solch ein Konzept überhaupt funktionieren kann – schließlich bekommen die Bands zumindest finanziell wenig bis gar nichts. Da ich ein großer Fan von thisquietarmy bin, war auch Eric auf meiner Liste. Er war von Anfang an sehr interessiert und hat sich dann auch vergangenen November bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich am Release des Parallel Lines-Albums interessiert wäre – natürlich habe ich sofort zugesagt!

Insgesamt waren die Antworten auf meine Anfragen sehr positiv, was für mich eine weitere Besonderheit der Underground-Szene deutlich macht: Den Künstlern geht es nicht um Geld, sondern um Musik. Kreativität und Eigensinnigkeit wird nicht dem kommerziellen Erfolg geopfert, sondern fließt in Projekte, die einem höheren Zweck dienen.

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Eric und die anderen Bandmitglieder haben sich für Eisbären entschieden, da sie als Kanadier eine besondere Verbindung zu diesem Tier haben. Zusätzlich ist wohl kaum ein anderes Tier so stark vom aktuellen Klimawandel betroffen wie der Eisbär, was ihn als ersten Vertreter in einer hoffentlich langen Reihe von schützenswerten Spezies geradezu prädestiniert.

Wie kann der Käufer einer Platte sicher sein, dass die Gewinne des Labels gespendet werden? Es ist gut vorstellbar, dass es Leute gibt, die das Konzept gut finden aber der Sache sehr skeptisch gegenüberstehen.

Das ist eine sehr gute und berechtigte Frage. Mir liegt es sehr am Herzen, die Verwendung der Gewinne so transparent wie möglich zu gestalten. Zunächst einmal befinde ich mich zur Zeit im Prozess, Oaken Palace Records als gemeinnützige Organisation in England anerkennen zu lassen. Dies unterliegt strengen gesetzlichen Vorlagen und wäre damit ein erstes Qualitätssiegel, auf das Käufer der Releases vertrauen können. Darüber hinaus werde ich die Empfänger der Spenden bitten, mir eine Bestätigung zu senden, die ich dann natürlich auf der Label-Homepage veröffentlichen werde. Ich denke auch darüber nach, einen detaillierten Geschäftsabschluss am Ende jedes Jahres auf meiner Homepage zu veröffentlichen.

Natürlich hängt die Höhe der Spenden stark davon ab, wie viele Platten verkauft werden. Im Optimalfall, wenn also die komplette Auflage verkauft wird, werden aber circa zwei Drittel des Kaufpreises einer jeden Platte gespendet werden. Es liegt also vor allem an den Fans, dieses Projekt so erfolgreich wie möglich zu machen.

Was ist mit der Umweltfreundlichkeit bezogen auf die Produktion der Platten?

Die Platten werden von einer englischen Firma produziert, die nach dem weltweit anerkannten Gold Standard für CO2-neutrale Produktionsprozesse zertifiziert ist und darüber hinaus den Vorgaben des ISO 14001-Standards zum umweltfreundlichen Management folgt. Natürlich ist das Material, aus dem die Platten hergestellt werden, immer noch ein Kunststoff, aber die Produktion erfolgt so umweltfreundlich wie möglich.

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Zusätzlich werden alle Plattenhüllen aus 100% nachhaltigem oder sogar 100% recyceltem Papier hergestellt – je nachdem, ob das Artwork eine Fertigung aus dem etwas raueren, recycelten Material zulässt. In jedem Fall hinterlassen wir damit keinen negativen ökologischen Fußabdruck. Zu guter Letzt werden alle Druckfarben aus ungiftigen, natürlichen Ressourcen gewonnen. Der Besitzer eines Release von Oaken Palace Records kann sich also sicher sein, dass er ein Album in den Händen hält, das den höchsten Umweltstandards entspricht.

Was ist dein Lieblingstier, das unbedingt „besungen“ werden muss?

Mein Lieblingstier ist der Orang-Utan. Ich bin immer wieder begeistert von der Friedlichkeit und Intelligenz dieser Waldbewohner und gleichzeitig äußerst besorgt über ihre Zukunft. Selbst nach optimistischen Schätzungen gibt es nur noch circa 47.000 Orang-Utans weltweit und ihr Lebensraum wird nach wie vor systematisch zerstört. Daher bin ich schon seit Jahren Fördermitglied des BOS („Borneo Orang-Utan Survival“) Deutschland, einer großartigen kleinen Organisation, die verwaiste und verletzte Orang-Utans wieder aufpäppelt und auf die Auswilderung in geschützten Regenwaldgebieten vorbereitet.

Ich selbst habe keinen Einfluss darauf, welches Tier von den teilnehmenden Bands ausgewählt wird, aber ich plane, bald T-Shirts mit dem Oaken Palace Label-Logo drucken zu lassen (natürlich aus 100% ökologischer Baumwolle) und die Gewinne aus deren Verkauf an BOS Deutschland zu spenden.

Was sind die weiteren Pläne für das Label? Gibt es vielleicht Künstler, die du gerne bei dir im Rooster hättest?

Ich bin nun erst einmal sehr gespannt, wie das Label von den Fans angenommen wird. Wenn alles gut läuft, werden nach dem Release des Albums von Parallel Lines noch vier weitere Releases in diesem Jahr folgen, nämlich von Caudal, Nadja, Sylvester Anfang II und Plurals. Das gibt mir einiges zu tun, da ich neben der Arbeit für Oaken Palace Records natürlich auch noch irgendwie Geld verdienen muss. Daher nehme ich zurzeit keine weiteren Bands an, auch wenn es an Interessensbekundungen nicht mangelt.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen teilnehmenden Bands für ihr Vertrauen und ihre Großzügigkeit zu bedanken. Ebenso bin ich euch sehr dankbar für eure Unterstützung. Nun freue ich mich auf den ersten Release auf Oaken Palace Records und hoffe, dass er den Fans genauso gut gefällt wie mir selbst!

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