[BOLT] – REKONSTRUIERT

Posted in Musik on June 16th, 2013 by D.K.

[BOLT] haben sich in den letzten Jahren einen Namen als Bass-Doom-Drone-Duo gemacht. Die beiden erschaffen auf ihren acht Saiten massive Klanglandschaften, die mal noisig und mal dronig sind und immer den Doomgeist mit sich tragen.

Nun haben die beiden sich getraut ihre Songs vom Debütalbum und vom Demo in fremde Hände zu geben: “(Reassembled)” heißt das Ergebnis. Hier haben sich sechs Musiker sechs verschiedene Tracks von [BOLT] vorgenommen und diese teilweise bis zur Unkenntlichkeit mutieren lassen.

Den Anfang macht der Labelkollege Pechuga de Pollodiabolo, der aus “[07]” einen elektronischen Track konstruiert hat, der von minimalen Beats und Klavier/Synthie getragen wird, während zunächst nur im Hintergrund die Originalbässe zu hören sind. Klingt leichtfüssiger als das Original und könnte locker auch als Mogwai Track durchgehen.

Ewaldts “[01]” Interpretation ist ein mächtiges Stück Elektro-Drones. Ewaldt bricht und biegt die Sounds der Bässe zurecht und untermalt das Ganze mit einem eingängigen Beat. Faszinierend, wie tanzbar und doomig zugleich das klingt. Definitiv ein kleiner Höhepunkt.

Split-Release-Kollege Petrels aus England darf natürlich auch nicht fehlen. Petrels filtert die Basssounds von “[04]” so, dass ein waschechter Petrels Song entsteht. Aus einem anfänglichen Soundgeflirre bricht irgendwann eine massive Noisewand aus, die es in sich hat. Nice!

Damscray verfremdet “[03]” zu einer Art Dark-Ambient-Tribal-Metal-Track. Kurz und bündig.

Der Remix von Tissika ist der einzige Track dieses Remixalbums, der sich nur der Originalsounds bedient und das opulente “[02]” in einen epischen Ambientdrone wandelt. Hier brummt es nur so vor Bassflächen, keine Beats, keine Elektrosounds, nur Gedröhne.

Den Abschluss macht Asmo mit seiner Version von “[08]“, die zunächst pulsierend startet und dann mit hallenden Beats durch eine Art Elektro-Ambient-Nebel schreitet.

Ein sehr gelungenes Remixalbum, dass die [BOLT] Songs von einer neuen Seite zeigt. Wer mag kann sogar tanzen. In meinem Fall reicht einfaches Kopfnicken. Die Remix-CD erscheint via Aentitainment Records.

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SCHNEIDER TM UND DIE BAUSTELLEN

Posted in Release on June 9th, 2013 by M F

Dieses Album ist praktisch ein Akt der Rache, eine Vergeltungsmaßnahme. Über Jahre hatte sich Dirk Dresselhaus, wie Schneider TM mit bürgerlichem Namen heißt, ein kleines Heimstudio gebaut, einen Rückzugsraum, in dem er seine Musik ganz unabhängig produzieren konnte. Doch dann wurde das Haus verkauft und saniert. Aus und vorbei war es nun mit der Ruhe. Stattdessen ging es früh um sieben los mit dem Baulärm, der Dresselhaus daran hinderte, überhaupt irgendwas machen zu können. Auf diese Weise häufig zur Untätigkeit verurteilt schnappte er sich seinen MP3-Rekorder und nahm alle möglichen Baustellengeräusche auf. Diese schlichen sich aber auch in seine eigene Musik ein und veränderten diese. Schließlich zog er um. Doch die files von den Baustellen ließen ihn nicht los. Gelegentlich hörte Dresselhaus sie sich an, doch erst 2011 fand er Zeit, während der er sich mit ihnen näher beschäftigen konnte.

schneider tm

Ein langer Prozess des Aussortierens und Durchstrukturierens begann. Die Klänge wurden von ihm verlangsamt, aufeinander geschichtet, in kleine Einheiten zerschnitten und neu montiert oder durch viele Filter geschickt. Doch erst, nachdem er die Geräusche so gut wie unbearbeitet mit eigenen elektronischen Kompositionen zu kombinieren entstanden für ihn zufrieden stellende Ergebnisse. Manchmal treten dabei repetitive Muster in den Vordergrund, wie sie auf Baustellen häufig zu hören sind, doch systematisiert Dresselhaus diese, erweitert sie zu melodischen Kleinoden, denen nichts Baulärmhaftes mehr anhaftet. Doch auch vom Gegenteil, von der Noisemusik, hält sich Dresselhaus, der sonst gerne mit Musikern wie Ilpo Väisänen von Pansonic oder Jochen Arbeit von den Einstürzenden Neubauten zusammen arbeitet, fern. Ihn interessiert das Musikalische an diesen Geräuschen.

Angefangen hat Dresselhaus vor zirka 25 Jahren als Gitarrist in Rockbands. Bereits in dieser Zeit interessiert ihn der Aufnahmeprozess ganz besonders. Die Einspielungen seiner Bands wie “Locust Fudge” oder “Hip Young Things” sind vom Aufnahmeprozess mit sehr einfachem Equipment geprägt. Später interessierte er sich dann weniger für den Klang der Gitarre als für Klänge an sich und entwickelte einen überaus eigensinnigen Musikansatz, der sich in seiner Bearbeitung des Songs “There is a Light That Never Goes Out” der britischen Gruppe “The Smiths” manifestierte. Diese wurde sogar “Single of the Week” beim New Musical Express und brachte ihm viel Respekt unter Musikerkollegen und beim Publikum ein.

Davon hat er sich auf “Construction Sounds” weit entfernt. Dieses Album stellt die poetische Beschreibung einer Baustelle aus der Sicht des Musikers, oder Klangkünstlers, Dirk Dresselhaus, dar. Der Lärm verbirgt sich hier hinter lang gezogenen Klangbögen, hinter schleifenden, pulsierenden Geräuschen, hinter Knistern und Knacken. Auf diesem Album finden sich sechs spannungsreiche Klangbilder, die ganz und gar zeitgenössische, elektronische Musik sind. Ein überaus schöner Akt der Rache.

“Construction Sounds” ist auf Bureau B erschienen.

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KWAIDAN

Posted in Release on June 2nd, 2013 by D.K.

Ende des Monats erscheint das neue Album von Locrian. Bis dahin könnt ihr euch mit einer weiteren Platte aus der Feder von André Foisy vergnügen. Denn am Dienstag erscheint das Debüt Album von Kwaidan, dem neuen Trio bestehend aus André Foisy von Locrian, Mike Weis von Zelienople und Neil Jendon (solo und zeitweise bei Zelienople unterwegs).

Nachdem fast unbeachtet vor einiger Zeit ein Kwaidan Tape mit einem Live-Set erschienen ist, steht nun mit “Make All The Hell Of Dark Metal Bright” das erste Album in den Startlöchern. Bathetic Records hat das Werk auf Vinyl gepresst und bietet dem Hörer somit ein perfektes Hörerlebnis.

Seite A beinhaltet das dreigeteilte “Three Empty Rooms Of Light And Space”. Der erste Teil “Evening Bell” ist ein pulsierendes Ungetüm aus Synthie- und Moogsounds und Drums. Eine Masse an Sounds, auf der Suche nach Ordnung, die es eigentlich nicht braucht. Der zweite Teil “Gateless Gate” bringt dann die Ordnung in Form von E-Bow-Melodien. Die Drums werden mit Paukenschlägeln gespielt und bauen somit nicht nur den Rhythmus auf, sondern geben den Tracks eine unheimliche Bassaura, die sich im Hintergrund aufbaut. Dies kommt besonders im dritten Teil “Ostension” zur vollen Geltung. Hier nehmen sich die Synthiesounds zunächst zurück und es wird eine Spannung gehalten, die unter die Haut geht. Was passiert gleich? Kommt noch eine Soundwende?

Seite B beginnt mit “The Iceberg And Its Shadow”. Synthiedrones gepaart mit Klavier. Hier fühlt man sich zum ersten Mal an den Locrian-Klang-Kosmos erinnert. Kwaidan lassen sich Zeit, schön dass der nächste Song dann auch “Space As Support” heißt. Hier werden die Paukenschlägel zur Seite gelegt und die Drums treten weiter in den Vordergrund. Die Gitarre spielt wiederkehrende Melodien und so wird der Track das erste greifbare Konstrukt auf dieser Platte und bereitet “The Sound Of This Bell” den Weg. Denn der Abschlusssong ist ein Übertrack vom Feinsten. Hier beweisen Kwaidan, dass man die Schönheit von experimenteller Musik sehr gut mit eingängigen Strukturen paaren kann. Oh lieber Plattenspieler, lass diesen Song nicht enden…

Aufgenommen wurde das Album von Greg Norman, gemastert von Jason Ward und natürlich alles in Chicago, wie man es aus der Locrian Familie gewohnt ist.

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ARCHITEUTHIS REX

Posted in Release on June 2nd, 2013 by D.K.

Architeuthis Rex sind die beiden Italiener Antonio Gallucci und Francesca Marongiu, die sich in den letzten Jahren mit zwei Veröffentlichungen über die Plattenschmiede Utech Records einen Namen in der experimentellen Musikszene gemacht haben.

Auf ihrem aktuellen Album “Eleusis”, das als Tape über Zeitgeists Publishing erschienen ist, bietet das Duo einen Soundtrack zum Mythos um die griechische Kultstätte Eleusis.

Im antiken Eleusis stand das Heiligtum der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Der Mythos besagt, dass der erste Winter über die  Menschheit einbrach als Demeter ihren Pflichten nicht nachkam, da sie auf der Suche nach ihrer Tochter Persephone war, die von Hades entführt wurde. Als es Demeter gelang ihre Tochter zurückzuholen, kam der erste Frühling. Weil Persephone jedoch von einem Granatapfel gegessen hatte, den ihr Hades gegeben hatte, musste sie für ein Drittel des Jahres in die Unterwelt zurückkehren. Die Jahreszeiten waren geboren.

Architeuthis Rex zelebrieren den Mythos auf sechs Tracks, die das Duo von einer neuen Seite zeigen. Während die älteren Platten mehr das experimentelle Konstruieren von Klangflächen präsentieren, fokussiert sich die Band diesmal auf greifbare Songstrukturen. Den Anfang macht “Hades”, ein betörender Track aus ausufernd hallenden weiblichen Vocals und stampfenden Drums. “Eleusis” bricht das Verträumte des Openers mit einem fiesen Synthiebass auf. Drums stampfen langsam vor sich hin, die weiblichen Vocals werden nach drei Minuten von E-Bow Sounds abgelöst. Der Song steigert sich zu einem psychedelischen Doomtrack und obwohl der Masterpegel am höchsten Limit zu stehen scheint, wird der Track immer lauter. “Demeter Lousia” setzt auf Synthiesounds, die auch hier mit sehr präsenten Drums untermalt werden. Im Hintergrund läuft ein berauschender Basssound. Definitiv ein “Unter die Haut geh Song”. Die zweite Seite des Tapes beginnt mit “Ladon”, einem Track der aus männlichen Vocals besteht, die zu einer Art Mönchschor mutieren. “Pomegranates” überrascht mit Percussioneinsatz und verzerrten Gitarrenwänden. Es gesellt sich eine Hammondorgel dazu, Drums folgen und der Track türmt sich zu einem treibenden Epos auf. “Triple Goddess” ist der perfekte Abschluss, den hier wiegen sich die Sounds des Albums zu einem fließenden Psychedelic-Doom-Metal-Post-Rock-Biest auf.

Das orangefarbene Tape ist liebevoll gestaltet und kommt in einer übergroßen Hülle mit 24seitigem Booklet und Obistrip mit Bandlogo von Keith Utech (Utech Records). Es sind nur noch wenige erhältlich. Greift zu.

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KRAENE

Posted in Release on June 2nd, 2013 by D.K.

Kraene ist eine junge vierköpfige Band aus Leipzig, die diese Tage ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlicht hat. Der Sound der Band ist grob gesagt instrumentaler Post-Rock. Grob gesagt, denn hier steckt viel mehr hinter.

Bass, Gitarre, Drums sind hier die klassischen Instrumente, die zum Einsatz kommen. Darüber hinaus setzen Geigen- und O-Töne aus Filmen besondere Akzente. Der Sound der Band ist rauh und direkt, die Aufnahmen klingen wie ein Livemitschnitt aus dem Studio, was dem Album seinen besonderen Charme verleiht. Fünf Tracks umfasst das Erstwerk der Kraene. Der Opener “E.R.” lässt den Hörer noch im Glauben, öde Post-Rock-Themen zu erwarten, doch dies bewahrheitet sich nicht. Die Einflüsse der Band kommen anscheinend aus allen Ecken der Rockmusik, was zu hören ist. Ebenfalls ist die Spielfreude der vier Leipziger unüberhörbar, und dass die drei energisch dabei sind zeigt schon der Timetable der Platte: im März aufgenommen und im Mai selbst veröffentlicht. Der letzte Track “Alles im Jetzt” überrascht dann nochmal mit seiner epischen Größe. Hier stammen die O-Töne nicht aus einem Film und sogar Vocals in Form von Geschrei funken kurz auf.

Abgerundet wird das ganze Paket durch das gelungene Artwork: Eine schlichte Schwarz-Weiss-Gebirgslandschaft auf einem 300 Gramm-Digipack. Und irgendwo in dieser Landschaft steht ein Mensch, der wie eine winzige Ameise wirkt. Wer den Sound der Band mag, wird sich beim laut Hören sicherlich ähnlich vorkommen.

Ihr wollt die CD bestellen? Einfach eine Mail an Kraene schreiben.

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BIBLO – MOVED

Posted in Release on May 30th, 2013 by D.K.

Biblo ist eine experimentelle Musikerin aus Istanbul, die mit Einsatz von Elektronik, Gitarre und geflüstertem Gesang Soundcollagen erschafft, die sich zwischen Trip Hop, Ambient und Synthie bewegen.

Auf “Moved” präsentiert Biblo eine stimmige Mischung ihres Klangkosmos. Der Opener “Floater” mit seinen massivattackischen Sounds und Beats fließt berauschend vor sich her. “Mind You” besteht aus einer noisigen Fläche, auf der Beats und die Stimme von Biblo aufsetzen. Elektronische Sounds runden hier das Gesamtkonstrukt ab und helfen dem Hörer, in die Phantasiewelt der Künstlerin abzutauchen. “Some Soil” überrascht in den ersten Sekunden mit Akustikgitarrenklängen, die aber nach 5 Sekunden zu einem Looprhythmus mutieren. Man versteht nicht immer was die Dame da vor sich her flüstert, was aber der Musik einen besonderen Charme verpasst. Und dann ist Seite A schon am Ende.

Die zweite Seite der Platte fängt experimenteller an als das bisher gehörte. “Burnt Offerings” wartet mit vielen verfremdeten Sounds auf und erst in der zweiten Hälfte erhält der Song eine greifbare Struktur. “For No One” überrascht mit einem Beat a la David Bowies Lost Highway Soundtrack Beitrag “I’m Deranged”. “Infatuation” setzt wieder auf Gitarrensounds und verfremdete Vocals, verwunschen und verschachtelt schön. “Losing Light” besteht bis auf wenige basslastige Beats aus Vocals in verschiedenen Tonlagen und Tempovariationen.

Wer auf intelligente elektronische Sounds und liebliche weibliche Vocals steht, kommt hier voll auf seine Kosten.

“Moved” gibt es auf durchsichtigem 12inch Vinyl bei Aentitainment Records.

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OIKOS

Posted in Release, Tapes on May 26th, 2013 by D.K.

Oikos ist ein spanisches Duo bestehend aus David San Martín und Rafael Femiano, das sich auf experimentelle Synthie- und Dronesounds konzentriert. Wobei das Festlegen auf eine bestimmte Stilrichtung hier fehl am Platz ist.

oikos

“Ecotono” nennt sich das Debüt von Oikos, das 2011 über Utech Records erschienen und mittlerweile nur noch als Download erhältlich ist. Darauf präsentieren sich die beiden Musiker zunächst laut und dronig und zelebrieren mit unterschwelligen Delayrhythmen den Sound, der dieses Duo ausmacht. Die Besonderheit von Oikos ist der Effektreichtum trotz minimalen Effekteinsatzes. Langsam schleichen sich die Drones aus dem Sound von “Ecotono” und die zweite Hälfte des Albums wird zunehmend synthielastiger. Eine Soundreise mit viel Charakter und Liebe zum Handwerk. Den letzten Schliff hat das Album noch durch die saubere und direkte Art des Masterings von James Plotkin erhalten. Wer das Album nicht nur digital genießen möchte, sollte sich mal bei Merzbild informieren, ob noch die Tape Version erhältlich ist.

oikos tape

Mit “Solve Et Coagvla” ist nun der Nachfolger erschienen. Diesmal über Land Of Decay, dem Label der beiden Locrian Gründungsmitglieder Terence Hannum und André Foisy. Das auf limitierte Tapes spezialisierte Label hat dieses Album auf einem C60 Tape verewigt und bietet der Musik den passenden Tonträger. Denn der Nachfolger von “Ecotono” ist viel direkter und rauher im Sound, was auf Kassette besonders gut rüber kommt. Seite A ist mit drei Tracks bestückt, die stilistisch der ersten Hälfte von “Ecotono” ähneln und vor allem durch Drones und gigantische Gitarrenparts überzeugen. Auf “Omniscience” lässt es sich sogar Foisy selbst nicht nehmen, die Gitarrenparts beizusteuern.

Auf Seite B widmen sich Oikos auf den beiden Tracks “Altered” und “Vimana” den eher ausufernden Soundideen und lassen sich Zeit, um eine bedrohliche Klanglandschaft aus Gitarren und Effekten gedeihen zu lassen. Massiv schön.

Ein Album, das sich ins Gedächtnis einbrennt.

Bestellen könnt ihr das Tape direkt über den Land Of Decay Shop.

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PILIA & SPACCAMONTI

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Paolo Spaccamonti und Stefano Pilia sind zwei italienische Musiker, die sich auf Gitarrensounds konzentrieren. Die beiden italienischen Indielabel Escape From Today und Brigadisco haben sich was feines einfallen lassen und eine Split-Vinyl-Veröffentlichung herausgebracht, die jeweils eine EP beinhaltet.

Seite A beinhaltet “Frammenti” von Paolo Spaccamonti und gibt mit drei Stücken einen Einblick ins Schaffen des bisher eher unbekannten Musikers. Spaccamonti beschäftigt sich sehr mit melodiösen Tracks mit klarer Songstruktur und eingängigen Parts. So macht es auch Sinn, dass er für seine Stücke auch Drums einspielen lässt, die ohne viel Wirbel den Rhythmus der Gitarre mitgehen.

Seite B wird von “Stand Behind The Men Behind The Wire” behaust, der aktuellen EP von Stefano Pilia. Wer Pilia noch nicht kennen sollte, hat hier die Möglichkeit einer kleinen Auswahl seines Repertoires zu lauschen. Pilia nutzt das Spektrum von Gitarrensounds voll aus. Auf zwei akustischen Stücken zaubert er mitreißende Arpeggios und auf den restlichen drei Stücken geht er experimentelle Wege auf der E-Gitarre.

Eine lohnenswerte Veröffentlichung für alle, die an frischen experimentellen Gitarrensounds interessiert sind.

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DANIEL MENCHE UND DIE WÖLFE

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Daniel Menche aus Oregon beschäftigt sich mit Sounds aller Art. Seine Arbeiten entstehen, indem er Field Recordings oder andere Soundquellen als Basis verwendet, um daraus seinen eigenen Sound zu modellieren. Er bewegt sich dabei zwischen Ambient und Noise und schafft Klänge, die mal kakophonisch mal melancholisch klingen können. Wer sich mit Menche beschäftigen möchte, sollte also gute Nerven haben.

Auf “Vilké” (in Litauen das Wort für den weiblichen Wolf) beschäftigt sich Menche mit animalischen Soundquellen. Nachdem er auf einem seiner Streifzüge durch die Wälder das Geheule von Wölfen festhalten konnte, hat er sich daran gesetzt, genau diese Sounds zu einem Album umzuformen. Das Resultat ist das viergeteilte Album “Vilké”. Vier Tracks, die allesamt an der 19 Minuten Marke kratzen, nehmen den Hörer mit in die zutiefst gruselige Soundwelt von “Vilké”. Der erste Teil beginnt mit einem brachial lauten Drumming, das allmählich leiser wird und sich im Hintergrund einer elektronisch verfremdeten Noisewand wiederfindet. Die Wölfe sind nicht mehr zu erkennen, dafür sorgt Menche mit Drums, Piano und Gitarren, die ebenfalls nicht direkt zu erkennen sind. Die Sounds der Wölfe hat Menche durch den Rechner gejagt und so verfremdet, dass sie teils choral, teils noisig klingen. Im dritten Teil überlappen sich Drumsounds zu einer Art Black-Metal-Rhythmus-Wolke, die von verfremdeten Wolfsgesängen verschlungen wird. Erst im letzten Teil kann der Hörer auch mal durchatmen und sich auf einzelne Sounds konzentrieren ohne Angst zu haben, von kakophonischen Soundschwaden überrascht zu werden. Die letzten 19 Minuten gleiten vor sich hin und es entsteht eine Art melodisches Rauschen. Unheimlich.

Sige Records hat “Vilké” in Form gebracht und bietet das Album als Doppelvinyl mit Artwork von Faith Coloccia (Mamiffer) an und als limitiertes Tape inklusive einer DVD, auf der Menche mit Hilfe des Artworks von Coloccia ein Video zum Album verewigt hat. Das düstere geheimnisvolle Artwork passt auf jeden Fall sehr gut zum Album und rundet das Gesamtpaket ab.

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CAUDAL SPIELEN FÜR DAS ERDHÖRNCHEN

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Oaken Palace Records haben wir euch vor einiger Zeit im Interview vorgestellt, jetzt stehen gleich zwei neue Veröffentlichungen an. Caudal präsentieren mit “Forever In Another World” ihr Debüt und widmen das Album dem europäischen Erdhörnchen.

Caudal ist eine neue Band bestehend aus Aidan Baker (Nadja) an der Gitarre, Gareth Sweeney am Bass und Felipe Salazar an den Drums. Die Zutaten sind simpel, die Machart auch, das Ergebnis mehr als das. Während der Bass und die Drums eine psychedelisch-krautrockige Basis schaffen, untermalt Aidan Baker das Ganze mit seinen typischen Ambientgitarrensounds. “River’s Edge” chilled sich minutenlang ein und nimmt den Hörer mit in diese andere Welt, die der Titel andeutet. Das Coverartwork verleitet einen direkt, ein bestimmtes Bild im Kopf zu haben. “Threever” drückt richtig auf das Rhythmusgaspedal und entpuppt sich als Rocknummer im Psychedelic-Ambient-Fell. “Walrus Tusk Scrimshaw” nimmt das Tempo wieder zurück und die Rhythmuseinheit verzieht sich in den Hintergrund, um Aidans Gitarre mal eine Bühne zu bieten. Schnell merkt man was man die ganze Zeit vermisst hat, denn sobald die Gitarre mal ausbricht und Feedbacks sich ins Gehör schleichen merkt man, dass genau das bisher gefehlt hat. Der Titeltrack mit seinen impulsiven Drumrhythmen und den rollenden Gitarrensounds ist die perfekte “Ich fahr mit einer coolen Karre durch eine coole Gegend”-Nummer, Variationen schleichen sich an, fallen aber kaum auf, bis dann irgendwann eine Wand aus Delaysounds vor einem steht. Das Fazit ist eindeutig: Auf Seite A sucht man nach dem Besonderen von Caudal, auf Seite B findet man es.

Der Deal ist ganz einfach: Ihr kauft die Platte und sobald das Label Gewinne mit dem Verkauf erzielt, geht das Geld an den Naturschutzbund Niederösterreich, der Heimat des Ziesels, besser bekannt als Erdhörnchen.

Zu kaufen gibt es eine der 500 LPs hier…

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NADJA GEHEN ES RUHIG AN

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Nach dem massiven, lauten und vor allem rhythmischen “Dagdrøm” folgt nun “Flipper” von Nadja und auch hier geht das Duo wieder neue Wege. Nadja lassen es sich nicht nehmen, ein Album auf Oaken Palace Records einem bestimmten Tier zu widmen. Der Titel verrät hier schon um welches Säugetier es sich dabei handelt.

Ich gebe zu, dass die Assoziation mit dem Wort “Flipper” nicht gerade mit der von Drone und Doom übereinstimmt und so ist der erste Lauschangriff auf die neue Nadja Platte vorgeprägt. “Drown” nennt sich der 10minütige Opener. Gleitender Bass, dezente Drums, minimalistischer Gitarreneinsatz und Aidans fast schon geflüsterte Vocals, veranlassen den Hörer genau hinzuhören, lauter zu machen, sich zu konzentrieren. Das Ende ist ein Crescendo aus klassischen Streichersounds und doomigen Gitarrenwänden. Sehr schön. Die Streichinstrumente werden übrigens von Angela Chan (A-Sun Amissa) und Peter Broderick bedient. “Song For The Sea” beginnt wieder ruhig und überrascht mit einem Refrain, der wie eine Welle aus Vocals, Streichern und den restlichen Instrumenten durch die Lautsprecher gleitet. Man erwartet wieder eine Art Crescendo, doch diesmal ebbt der Song in einer langen Improvisation aus. “Wrapped In Plastic” fängt griffiger an als seine Vorgänger, es herrscht eine Spannung in der Ruhe, die nur von den Violinensounds zurückgenommen wird. Was Aidan Baker singt ist nicht immer klar verständlich und auch dann, wenn man die Worte erfasst, ist der Interpretationsraum groß. Spricht hier das Gewissen eines Meeressäugers? Man hat das Gefühl, das Album nimmt einen mit in die dunklen Tiefen des Meeres. Das Ende des Tracks überzeugt mit bombastischen Basssounds und einem Aufwiegen von Violine und Gitarre. “Hands” ist der instrumentale Abschluss des Albums. Leichte Verzerrung in der Gitarre, fast schon bluesig vorgetragen und der brodelnde Bass von Leah Buckareff.

“Flipper” ist mal wieder kein typisches Doomalbum von Nadja, wer also auf ein neues “Bodycage” wartet, wird eher enttäuscht. Wer der Band aber offen gegenübersteht, wird von diesem unterschwelligen Doomalbum überrascht werden. Die Platte ist zwar ruhig, hat aber diese bestimmte Spannung in sich, die den Hörer fesselt.

Alle Gewinne aus dem Verkauf der 500er Vinylauflage gehen an die Whale and Dolphin Conservation und kommen so bedrohten Meeressäugern zu Gute. Auch unabhängig vom Kauf der Platte lohnt sich ein Besuch der Seite, die auch einen deutschen Ableger hat. Ihr könnt zum Beispiel Patenschaften für Delphine übernehmen.

“Flipper” erscheint Mitte Mai über Oaken Palace Records und kann jetzt schon vorbestellt werden.

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CHELSEA LIGHT MOVING

Posted in Release on April 29th, 2013 by M F

Nach der letztjährigen, rein akustischen, Soloveröffentlichung “Demolished Thoughts” hätte ich von Thurston Moore wohl eher erwartet, dass er weiter in diese Richtung geht. Weit gefehlt – stattdessen legt er nun mit Chelsea Light Moving das erste Album seiner neuen Band vor. Darauf vollzieht er eine Rückkehr zu seinen Punk-Wurzeln, ohne sich je sehr weit von ihnen entfernt zu haben.

chelsea light moving

Die Band besteht aus Moore an Gesang und Gitarre, Keith Wood an der Gitarre, John Moloney am Schlagzeug und Samara Lubelski am Bass. Die drei haben schon an “Demolished Thoughts” mit gearbeitet, so schien es wohl nur sinnvoll, einfach gemeinsam weiter zu machen, nur eben als Band. Dadurch steht nun unweigerlich der Vergleich mit Sonic Youth im Raum, und, ja, tatsächlich sind beide Bands vom Klang her sehr ähnlich. Nur sind bei Chelsea Light Moving die Songs einfacher gestrickt, also eher dichter dran an dem, was Punk-Rock Ende der siebziger Jahre ausmachte. Zwischendurch liest Moore eigene Gedichte, oder erzählt die Lebensgeschichte von Darby Crash nach, der als Sänger und Mastermind von The Germs 1980 ein Album veröffentlichte, das bis heute aus seiner Zeit hervorsticht. Wie ungewöhnlich deren Musik in ihrer Zeit war, ist ausgiebig im Spielfilm “What We Do Is a Secret” nacherzählt worden. The Germs oder Crime, das sind Bands, deren brachialer Sound sich von Anfang an im Schaffen von Thurston Moore niedergeschlagen hat, und von dem er noch immer zehrt. Und eben von experimenteller, freier Musik, wie sie die sechziger Jahre hervorgebracht haben. Wo die Soloalben von Thurston Moore mehr Ausblicke auf eine Welt der schwelgerischen, nichtelektronischen Avantgarde gewesen sind, geht Chelsea Light Moving zurück zu dem, wo Sonic Youth aufhörten.

Das selbstbetitelte Debut von Chelsea Light Moving erscheint diese Woche über Matador Records.

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AIDAN BAKER LÄSST DIE FRAUEN SINGEN

Posted in INTERVIEWS, Release on April 12th, 2013 by D.K.

Aidan Baker ist ein fleißiger Musiker, der mittlerweile eine Diskografie im dreistelligen Bereich hat. Was bei anderen Musikern in der Belanglosigkeit endet, führt bei Aidan Baker zu stetigen Weiterentwicklungen in dessen Soundkosmos. Letztes Jahr überraschte Baker mit einem Album, auf dem gleich ein Dutzend bekannter Drummer spielte, dann wenig später ließ er mehrere Gitarristen seine Stücke einspielen und nun steht mit “Already Drowning” ein Album vor der Veröffentlichung, auf dem jeder Track von jeweils einer Sängerin (ein Track auch im Duett zweier Vocalistinnen) eingesungen wurde.

Thematisch geht es bei “Already Drowning” um die verschiedensten Mythen & Sagen rund um weibliche Fabelwesen aus dem Wasser. Das Artwork ziert eine Meerjungfrau (“Der seltene Fang” von Ernst Herter, fotografiert von Aidan Baker), die Songs zieren die Stimmen der Sängerinnen, die die Lyriks von Aidan Baker vortragen und teilweise auch in ihre eigenen Sprachen übersetzt haben. Musikalisch fällt die Platte schon allein wegen der opulenten Instrumentierung aus dem bekannten Schema. Baker spielt natürlich das Meiste selbst, Streich- und Blasinstrumente sind von Gastmusikern beigesteuert und Leah Buckareff von Nadja legt ein paar Akkordiontöne nieder. Die Platte folgt stilistisch keiner bestimmten Linie, sondern hat eher eine alles zusammenhaltende Atmosphere, ähnlich wie “Laughing Stock” von Talk Talk, das eine überraschende Reise zwischen Slowcore und Post-Rock bietet. Eigentlich ist alles zwischen Jazz, Blues und Drone auf “Already Drowning” vertreten.

already drowning

Wir haben mit Aidan Baker über seine Gastsängerinnen gesprochen und ihn gefragt, ob er sich noch daran erinnert, wie er mit den Damen zusammengekommen ist:

Clara Engel – “Already Drowning” – Bluesig und jazzig zugleich.
Clara and I first met 5 or 6 years ago when we worked together briefly at a bookstore in Toronto. We have since played a number of shows together in Toronto. Clara also sang and played guitar on my piece “Liminoid” performed and recorded live at The Music Gallery in Toronto in 2009.

Jessica Bailiff – “30 Days/30 Nights” – Streicher und treibende Gitarren- und Drumsounds.
I have listened to Jessica’s music for a number of years, as well as her partner Boduf Songs (with whom I collaborated for the Infinite Light Ltd. project), although I have yet to meet either of them in person. I got in touch with her through a mutual friend at Brainwashed.com to ask whether she would be interested in contributing to Already Drowning.

Maude Oswald & Valérie Niederoest – “Mélusine” – Unheimlich doppelstimmiger Sirenengesang mit improvisierter Instrumentierung.
I met Maude and Valérie after seeing their band Toboggan play in Berlin in 2009 and I really liked their music. I particularly liked the way they sang together, so asked them to do a duet on Already Drowning.

Joanna Kupnicka – “Mein Zwilling, Mein Verlorener” – Akustikgitarre und deutsche Lyrics. Folkig und ein bisschen skurril.
I wanted one of the songs on Already Drowning to be in German to represent my current home of Berlin and my identity as an ex-pat Berliner. Joanna was recommended to me by our mutual friend Stefan, co-owner of the Berlin record shop Bis Auf’s Messer. Joanna’s vocals with her band The Cold Hand have a bit of a Berliner cabaret feel, so that added (to my mind, at least) a bit of a historical connection to the Berlin music scene, beyond just the German-language lyrics.

Geneviève Castrée – “Tout Juste Sous La Surface, Je Guette” – Die perfekte Melange aus erhabenen Melodien und eigenwilligem französischsprachigem Gesang. Ein heimliches Highlight mit ergreifendem Refrain.
I first met Geneviève when she and her partner Phil Elvrum (Mount Eerie) came to see Nadja play in Seattle in 2009. Geneviève gave us a copy of her Ô Paon album “Courses” which I liked a lot. I also wanted to have a song on Already Drowning in French to reflect my Canadian background (Geneviève is also Canadian, although she lives in the US at the moment). This may not be readily apparent, but the lyrics of this song take some imagery from the Margaret Atwood poem ‘This Is A Photography Of Me’ which is something of a classic Canadian poem that everyone has to study in school. This poem also deals with drowning, which is something of a recurring theme within Canadian literature…so this song has a lot to do with Canadian identity…

Liz Hysen – “Ice” – Artrockiges Epos , mit einer einnehmenden Klimax.
I have known Liz the longest of all the singers on this album. We first met some time in the late 90s when the band I was playing with at that time (short-lived and long relegated to obscurity) opened for Liz’s band Picastro. We have since played a lot of shows together, toured together a few times in Europe, and released a semi-collaborative split album “Fool, Redeemer” (Broken Spine) together in 2011. Many times when we were touring together, I would play guitar in the band, but I had never had Liz sing on my music, so that was something I felt was missing from our musical relationship.

Carla Bozulich – “Lorelei” – Wie ein Selbstgespräch in einer Bar, in der ein schmierige Mariachiband im Hintergrund sitzt und Songs probt. Rauh und verwegen.
I discovered Carla’s band The Geraldine Fibbers in the early 90s and have since followed her work with her various projects. Carla’s contributions to Already Drowning were done via filesharing and we didn’t meet in person until 2010 when Evangelista performed in Berlin. She lived in Berlin for awhile last year, so we were able to play collaboratively together in person a few times, including one live performance opening for the Italian band Father Murphy.

Already Drowning erscheint über Gizeh Records und ist auf Vinyl, CD oder als Download vorbestellbar.

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SVARTE GREINER TRÄGT SCHWARZ

Posted in Release on April 7th, 2013 by D.K.

Erik Skodvin lässt endlich sein Alter Ego Svarte Greiner raus. Es war etwas ruhig um Svarte Greiner, dann kamen wieder Liverauftritte und jetzt steht endlich das dritte vollwertige Album in den Startlöchern.

“Black Tie” ist das erste Svarte Greiner Album, das über Erik Skodvins eigenes Label Miasmah Recordings erscheint. Die technischen Eckdaten sind schnell wiedergegeben: ein 42-minütiges Album, bestehend aus zwei annähernd gleich langen Stücken. Was diese Musik aber ausmacht und was diese Musik mit dem Hörer macht, ist nicht so schnell gesagt.

“Black Tie” ist auch der Titel des ersten Tracks. Im Mittelpunkt steht ein trocken gezupfter Ton auf dem Cello. Bass und Beat zugleich. Einnehmend und überwältigend stoisch. Im Hintergrund bahnen sich Ambientflächen an, die – sobald ein Fokus darauf gelegt werden könnte – wieder verschwinden und neuen Sounds Raum bieten. Ab der zweiten Hälfte des Songs betritt die Verzerrung die Bühne. Der wunderschön trockene Celloton verwandelt sich in etwas, was auch als verzerrtes Klavier durchgehen könnte. Im Hintergrund sind jetzt bissige Cellotöne zu hören, bis kurz vor Ende die Soundkulisse aus der ersten Hälfte des Tracks wieder auftaucht.

Der zweite Track hört auf den Namen “White Noise” und beginnt so, dass der Titel “White Drone” eher zutreffen würde. Ein pulsierend tiefer Drone, gepaart mit einer Soundwand von hellen Tönen, die sich im Hintergrund aufbaut. Dieser Track fliesst, es gibt keine beatähnlichen Brüche, die Sounds sind wie eine Paarung aus Welle und Wind. Irgendwann verschwindet das tiefe Gedröhne und man schwebt inmitten der leichtfüßigen helleren Soundwand. Trauen sollte man dieser Situation nicht, das ist einem schon während des ersten Tracks klar geworden. Und schon greift der tiefe Drone wieder nach einem. Gruselig schön. Im letzten Fünftel wird es noisig, der Sound klingt wie durch eine unendlich lange Röhre gefiltert. Ein Meandern wie ein Sog. Ein Beat wächst aus dem Rauschen…

Eigentlich gibt es keine Stilrichtung, die Svarte Greiners Musik genau beschreiben kann: Horror-Thriller-Ambient-Drone klingt gut.

Ende April führt kein Weg daran vorbei, diese Platte (Vinyl oder CD) in eurem Plattenregal stehen zu haben. Einkaufen könnt ihr bald im Sonic Pieces Shop.

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KRISTOFFER LO – ANOMIE

Posted in Release on April 7th, 2013 by M F

Es muss einen merkwürdigen Anblick ergeben, wenn der Norweger Kristoffer Lo mit seiner riesigen Tuba die Bühne betritt. Als Mitglied des Trondheim Jazz Orchesters, Highasakite, Pelbo oder Sunswith ist er bekannt für einen reichlich unkonventionellen Umgang mit dem Erbe des Jazz, doch auf “Anomie” geht er gänzlich andere Wege.

Vielmehr erzeugt er hier auf der Tuba Töne, die durch Bass-Verstärker und Pedale verfremdet und in die Länge gezogen werden. Die Töne werden dynamisch aufgefächert. Dadurch entwickeln sich eigenartige, an- und abschwellende Tonschwaden, die eine bedrohliche Klangkulisse aufbauen und eher wie überaus kontrollierte Feedbacks klingen. Doch lässt Kristoffer Lo diese Drones nicht einfach so vor sich hinschwingen, sondern baut aus immer neuen, überlappenden Tönen eine Klangkulisse auf, die wie ein, über das Meer herangrollendes, Unwetter klingen. Natürlich geht es Lo auf diesem Album der Entschleunigung auch um die Arbeit mit Klangfarben und Obertönen, weshalb es lohnt, das Album auf einer sehr guten Anlage laut zu hören. Dann kommt die ganze – beängstigend wirkende – Vielschichtigkeit der musikalischen Reduktion von ‚Anomie’ voll zum tragen.

“Anomie” ist über Gigafon Records erschienen.

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