RE-INTER-VIEW: AIDAN BAKER – THE SPECTRUM OF DISTRACTION

Posted in INTERVIEWS, Kunst, Release on December 10th, 2011 by D.K.

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Aidan Baker hat uns dieses Jahr nicht nur mehrfach mit Konzerten, sondern auch mit einigen Soloplatten beglückt, was im nächsten Jahr nicht anders sein soll. Im Januar veröffentlichen Robotic Empire das Doppelalbum “The Spectrum Of Distraction”. Darauf vertreten sind 96 Tracks, an denen 18 Drummer beteiligt sind. Schon alleine diese Info ist etwas, wo man zweimal hinschaut, um zu realisieren das es stimmt, was die Augen da gelesen haben.

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Kommen wir zu den Details dieses zweistündigen Werks, für das Aidan Baker befreundete Drummer aus aller Welt gefragt hat, ob sie Interesse hätten, ihm Drum- und Percussiontracks zu schicken, die er für sein Album verwenden kann. An dieser Stelle ist ein munteres Namedropping sicherlich angebracht. So finden sich neben den Drumkünsten von Aidan Baker selbst noch folgende 17 Drummer auf den beiden Platten wieder:

Richard Baker (ARC), Andrew Crawshaw (The Silent Ones), Alessandro Curvaia (Shora), Bruno Dorella (OvO), David Dunnett (Man Meets Bear), Thor Harris (Swans), Steven Hess (Locrian, Ural Umbo), Kevin Micka (Animal Hospital), Mac McNeilly (The Jesus Lizard), Ted Parsons (Godflesh, Jesu, Killing Joke), Phil Petrocelli (Jesu), Simon Scott (Slowdive), Geoff Summers (Batillus), Jakob Thiesen (Nadja, Whisper Room), Brandon Miguel Valdivia (Picastro), Victor Cirone (Solokünstler) und Hamish Walker (Kerretta).

Aidan Baker hat den erhaltenen Tracks seine Gitarren- und Bassspuren hinzugefügt und hatte am Ende genug Material für weitaus mehr als zwei Alben. Hier kommt das Xenochrony-Verfahren ins Spiel, das Frank Zappa geprägt hat. Dabei werden instrumentale Parts aus einem Track in einem anderen verarbeitet und so hat Aidan Baker seine Sets in 96 Versatzstücke aufgeteilt und auf zwei CDs verewigt. Der Hörer kann selbst entscheiden, ob er die beiden Platten durchhört oder auf “Shuffle” oder “Random” klickt oder die beiden Platten in digitaler Form zusammenmischt. Egal für welche Hörart man sich entscheidet, die Klangreise ist höhrenswert. Viele Gitarrenparts klingen typisch Baker-isch, die meisten Songs jedoch zeigen Aidan Baker von ganz neuen Seiten. Mal mit jazzigem Bass, mal mit eingängig postrockigen Gitarrenmelodien, mal mit Metalriffs, mal psychedelisch, mal bluesig, mal synthiekrautrockig, ja sogar poppig klingt er auch mal zwischendurch. Und das Gute ist, man kann sich seine Lieblingspassagen des Albums als Song-Mutanten selbst zusammenstellen, indem man die Tracks einprogrammiert, die einem besonders gut gefallen. Die Tracks sind zwischen 10 Sekunden und 7 Minuten lang und von James Plotkin so abgemischt, dass die Übergänge sauber ineinander greifen (vorausgesetzt die Heimanlage macht das ganze mit, ansonsten funktioniert es in digitaler Form auf alle Fälle).

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Bei so einer Albumidee sind bei uns Fragen aufgekommen. Grund genug mit Aidan Baker ein kleines Interview zu führen:

Aidan, tell us about the very beginning of the idea creating „The Spectrum of Distraction“ with recordings from 18 different drummers.

I wanted to try something big — a large scale project — that would take advantage, challenge, and/or make fun of technology (ipods, random/shuffle feature) and the way people now listen to music.

When did you decide to split the tracks and how did you approach to split them?

Some times there were obvious beginning/end points within the tracks — other times the edits were quite random. This also depended on what the various drummers gave me to work with; sometimes I received just short loops, while others sent more flowing tracks that were more shapeable into songs.

Can you give us your own definition about „Xenochrony“?

Random juxtaposition of independently recorded tracks. I had initially intended The Spectrum of Distraction to strictly adhere to this, but as I received material from the various drummers, I thought it would be more interesting (or perhaps just listenable) to approach randomness within the album/songs itself, rather than the instrumentation.

Was there a special release of Frank Zappa that inspired you to use the xenochrony-technique?

“Rubber Shirt” on Sheik Yerbouti is a specific example of xenochrony that I always liked. I more specifically took inspiration from Shut Up ‘N’ Play Yer Guitar, though, which is an album made up of guitar solos edited out from other songs and performances. I’ve never really been a big fan of Zappa’s songs and silly lyrics, but I do like his instrumental work.

How did you write your guitar and bass parts. Did you first listen to the received Drumtracks or did you already have sounds that fitted with the drumparts?

I listened to the drum tracks and recorded parts along with them. Again depending on what I received from the drummer in question, this could either be abstract, improvisational material or more structured song-like material.

Which Drumtrack was the most difficult to play guitar and bass to it?

Perhaps Brandon Valdivia’s or Victor Cirone’s drums. Both their contributions were quite dense and free-form in a sort of abstract jazz kind of way, which made finding patterns or specific rhythms to play along to challenging.

What about the artwork of Matt Smith. Which information did you give to Matt for creating the artwork?

The only information I gave Matt was that the song titles took their names from the “Choose Your Own Adventure” book series. I don’t know if these were published in Europe, but they were a children’s book series that had alternate storylines and endings, depending on which pages you chose to read. Matt was also a fan of these books and familiar with their fairly specific design and aesthetic, so used that as something of a template for his artwork.

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“The Spectrum Of Distraction” erscheint Mitte Januar über Robotic Empire und wird einen Downloadcode für die kompletten uneditierten Sessions/Songs beinhalten.

Und um nochmal auf den Anfang des Artikels zurückzukommen, auch im nächsten Jahr geht Aidan Baker auf Tour. Wir präsentieren euch die Show am 17. Februar in der Christuskirche Bochum, bei der Aidan Baker einen Special Guest auf der Bühne haben wird…

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WINDMILLS BY THE OCEAN II

Posted in Release on February 27th, 2011 by D.K.

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Windmills By The Ocean, eines der vielen Musikprojekte von Bryant Clifford Meyer (ehemals Isis), ist nach 5 Jahren Pause zurück. Das Debüt von 2006 ist mit seinen doomigen Postrock-Songs über die Jahre  schleichend von einem Geheimtipp zu einem “Aufjedenfallhabenmüssen-Instrumentalalbum” mutiert.

Jetzt steht der Nachfolger “II” als Download bereit und erscheint im März auf festem Format über Robotic Empire. Das Album umfasst fünf Songs, die eine komplett neue Richtung einschlagen. Schon der Einstieg mit “Pagan Sun” überrascht nach einem grimmigen Gitarrenintro durch männliche Vocals, mit Strophe-Refrain-Struktur und weniger düsterem Songwriting. Es folgt “Azure” mit Akustikgitarreneinsatz und Gastvocals von Maria Christopher (27). Die beiden kurzen Stücke “The Circul” und “Star” gehen mit Synthieeinsatz und einer Mischung aus Akustik- und E-Gitarre eher in Richtung Prog- und Psychedelic-Rock. Die Versöhnung für die Fans des Debüts kommt zum Schluß mit dem zehnminütigen “Occul”. Gitarrenwände walzen voran, weibliche Vocals erklingen aus dem Hintergrund und münden in einem sphärischem Synthiegesumme. Ein überraschendes Rockalbum, das sich nicht auf eine Stilrichtung festlegen lassen möchte.

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Die Musiker von Windmills By The Ocean scheinen bei den Aufnahmen Blut geleckt zu haben, denn sie sitzen bereits wieder im Studio und arbeiten an “III”. Wer weiß, in welche Richtung sie diesmal gehen werden.

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VANESSA VAN BASTEN

Posted in Release on February 7th, 2011 by M.H.

Bandnamen können oftmals in die Irre führen. So haben Vanessa Van Basten weder etwas mit holländischem Fußball am Hut, noch eine Frau in ihren Reihen. Vielmehr handelt es sich um ein italienisches Experimental- und Instrumental-Duo, unterstützt durch verschiedene Musiker der italienischen Underground Szene. Sie selbst beschreiben ihre Musik als "slow, heavy and metaphysic" und haben soeben mit "Closer To The Small/Dark/Door" via Robotic Empire Records ihr neues Album veröffentlicht.

Zunächst wähnt man sich in ruhigen, typisch postrockigen Gefilden, bevor Song Nummer zwei zum Einstieg mit einem lupenreinen Death Metal Paukenschlag aufwartet. So zieht es sich wie ein roter Faden durch die gesamte Platte, abwechslungs- und wendugsreich geht es zu. Überwiegend sehr entspannt und atmosphärisch, jedoch immer wieder von heftigeren Ausbrüchen konterkariert oder auch mal von einem beschwingten Interlude aufgelockert. Viele Feinheiten gilt es zu entdecken, immer neue Facetten eröffnen sich dem aufmerksamen Hörer. Ob Samples oder Bläsereinsatz, Synthesizer oder Akustik Gitarren – diese detailfreudige Platte will intensiv gehört und gewürdigt werden und eignet sich bestens für den Einsatz unter dem Kopfhörer.

Zwei Songs könnt ihr euch kostenlos auf der Soundcloud Seite des Labels herunterladen, bestellen könnt ihr die CD zum Beispiel über den Denovali Mailorder. Leider werden wir Vanessa Van Basten in nächster Zeit erstmal nicht live erleben, da Bandkopf Morgan Bellini vor kurzem nach Wien übergesiedelt ist, um von dort aus mit neuen Musikern an der Fortführung von Vanessa Van Basten zu arbeiten.

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