AIDAN BAKER UND DIE GEREMIXTEN NYMPHEN

Posted in Release on December 22nd, 2013 by D.K.

Anfang des Jahres ist “Already Drowning” über Gizeh Records erschienen. Ein Album auf dem Aidan Baker Songs vereint hat, für die er sich weibliche Stimmunterstützung eingeholt hat. Unser Interview zu jedem einzelnen Song könnt ihr hier nochmal nachlesen.

Jetzt gibt es mit “Tout Juste Sous La Surface, Je Guette & Selected Remixes from Already Drowning” eine digitale EP als Ergänzung, die schon im nicht grad kurzen Titel alle notwendigen Informationen enthält. Neben einem Track des Albums gibt es vier Remixe von Tracks des Albums. Der Titeltrack des Albums ist von thisquietarmy überarbeitet worden und kommt zunächst reduziert aufs Nötigste durch die Boxen, um nach hinten raus breitbeinig zu überraschen. “30 Days / 30 Nights (A.R.C. Soundtracks Remix)”, minimiert auf die klassischen Parts des Tracks gepaart mit tiefen Basssounds und sich wiederholenden Phrasen, ist betörend magisch. Schneider TM macht aus “Melusine” eine Art Elektroloop mit Nymphengesang oben drauf. Der “AB Heartbeats Remix” von “Ice” stammt aus der Feder des Hauptkünstlers und hat wirklich einen Beat und ist fast schon ein tanzbarer Track.

Die digitale EP gibt es für einen kleinen Beitrag via Gizeh Records.

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SCHNEIDER TM UND DIE GITARRENSOUNDS

Posted in Release on October 27th, 2013 by M F

Nach “Construction Sounds” mit seinen Lärmstudien auf Baustellen kommt nun die zweite Ladung mit experimentellen Klängen von Dirk Dresselhaus, a. k. a. Schneider TM, “Guitar Sounds”, heraus.

schneider tm

Nachdem er in seinen Bands Hip Young Things und Locust Fudge vor allem als Sänger und Gitarrist auftrat, hat er sich in den vergangenen fünfzehn Jahren mehr mit elektronischer Klangerzeugung und digitaler Verfremdung beschäftigt. Nun also die Rückwendung zum Instrument seiner Jugend. Doch wo Dresselhaus früher Songschreiber war, der sich intensiv mit Produktionstechniken beschäftigte und viel mit dem Klang an sich beschäftigte, ist er heute ein Klangkünstler, der die elektrische Gitarre als Geräuschinstrument benutzt.

Sein Ansatz geht dabei stark von der Improvisation aus. Auf “Guitar Sounds” stellt Dresselhaus Klangkleider her, bei denen die Gitarre zwar das Ursprungsinstrument ist, doch wird jeder Ton nachbearbeitet, ist im Grunde nur Anlass für eine Überarbeitung. Atmosphäre ist für Dresselhaus wichtig, steht im Mittelpunkt seines Forscherinteresses. Manchmal wuchern die melodisch schwingen Gitarrengeräusche, türmen sich zu kleinen, zerklüfteten Gebirgen auf und verspielen sich dann, um den Blick auf ein grünes Tal frei werden zu lassen. Lärm taucht hier immer wieder auf, doch ist er wohlgeformt, geradezu klangschön, geht nicht gegen die Ohren, sondern in die Ohren hinein. Teilweise werden die Gitarrensaiten wohl mit einem Geigen- oder Cellobogen gestrichen, jedenfalls tauchen Streicheffekte auf, die sich überlagern und auslöschen, so dass nur noch Brummen übrig bleibt. Ein schönes Brummen allerdings, mit feinem, silberigen Glanz.

 

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SCHNEIDER TM UND DIE BAUSTELLEN

Posted in Release on June 9th, 2013 by M F

Dieses Album ist praktisch ein Akt der Rache, eine Vergeltungsmaßnahme. Über Jahre hatte sich Dirk Dresselhaus, wie Schneider TM mit bürgerlichem Namen heißt, ein kleines Heimstudio gebaut, einen Rückzugsraum, in dem er seine Musik ganz unabhängig produzieren konnte. Doch dann wurde das Haus verkauft und saniert. Aus und vorbei war es nun mit der Ruhe. Stattdessen ging es früh um sieben los mit dem Baulärm, der Dresselhaus daran hinderte, überhaupt irgendwas machen zu können. Auf diese Weise häufig zur Untätigkeit verurteilt schnappte er sich seinen MP3-Rekorder und nahm alle möglichen Baustellengeräusche auf. Diese schlichen sich aber auch in seine eigene Musik ein und veränderten diese. Schließlich zog er um. Doch die files von den Baustellen ließen ihn nicht los. Gelegentlich hörte Dresselhaus sie sich an, doch erst 2011 fand er Zeit, während der er sich mit ihnen näher beschäftigen konnte.

schneider tm

Ein langer Prozess des Aussortierens und Durchstrukturierens begann. Die Klänge wurden von ihm verlangsamt, aufeinander geschichtet, in kleine Einheiten zerschnitten und neu montiert oder durch viele Filter geschickt. Doch erst, nachdem er die Geräusche so gut wie unbearbeitet mit eigenen elektronischen Kompositionen zu kombinieren entstanden für ihn zufrieden stellende Ergebnisse. Manchmal treten dabei repetitive Muster in den Vordergrund, wie sie auf Baustellen häufig zu hören sind, doch systematisiert Dresselhaus diese, erweitert sie zu melodischen Kleinoden, denen nichts Baulärmhaftes mehr anhaftet. Doch auch vom Gegenteil, von der Noisemusik, hält sich Dresselhaus, der sonst gerne mit Musikern wie Ilpo Väisänen von Pansonic oder Jochen Arbeit von den Einstürzenden Neubauten zusammen arbeitet, fern. Ihn interessiert das Musikalische an diesen Geräuschen.

Angefangen hat Dresselhaus vor zirka 25 Jahren als Gitarrist in Rockbands. Bereits in dieser Zeit interessiert ihn der Aufnahmeprozess ganz besonders. Die Einspielungen seiner Bands wie “Locust Fudge” oder “Hip Young Things” sind vom Aufnahmeprozess mit sehr einfachem Equipment geprägt. Später interessierte er sich dann weniger für den Klang der Gitarre als für Klänge an sich und entwickelte einen überaus eigensinnigen Musikansatz, der sich in seiner Bearbeitung des Songs “There is a Light That Never Goes Out” der britischen Gruppe “The Smiths” manifestierte. Diese wurde sogar “Single of the Week” beim New Musical Express und brachte ihm viel Respekt unter Musikerkollegen und beim Publikum ein.

Davon hat er sich auf “Construction Sounds” weit entfernt. Dieses Album stellt die poetische Beschreibung einer Baustelle aus der Sicht des Musikers, oder Klangkünstlers, Dirk Dresselhaus, dar. Der Lärm verbirgt sich hier hinter lang gezogenen Klangbögen, hinter schleifenden, pulsierenden Geräuschen, hinter Knistern und Knacken. Auf diesem Album finden sich sechs spannungsreiche Klangbilder, die ganz und gar zeitgenössische, elektronische Musik sind. Ein überaus schöner Akt der Rache.

“Construction Sounds” ist auf Bureau B erschienen.

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