SIMON SCOTT IM NIEDERMOOR

Posted in Musik on May 20th, 2012 by D.K.

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Simon Scott aus dem englischen Cambridge ist Sound Artist und Sound Ökologe. Klingt zunächst merkwürdig, erklärt sich aber, wenn man seine Arbeit zu seinem neuen Album “Below Sea Level” genauer betrachtet. Seine Musikkarriere hat er als Drummer der 90er Shoegazer Band Slowdive begonnen, bevor er vor ein paar Jahren Solo durchstartete. Neben zwei Alben, die über Erik Skodvins Miasmah Recordings erschienen sind, einer Kollaboration mit Jasper TX alias Dag Rosenquist, über die wir hier berichtet haben, und einigen weiteren Releases, steht nun das erste Album für Taylor Deuprees 12k Label an.

“Below Sea Level” ist nicht nur ein Album, sondern eher ein Dokument von Simon Scotts Arbeit und Kindheitserlebnissen. Im Mittelpunkt steht das Niedermoorgebiet Fenland, das in der Nähe von Cambridge liegt und in Scotts Kindheit Ziel vieler Familienausflüge war. Fasziniert von den ewigen Weiten und der Natur diese Gebietes, das unterhalb des Meeresspiegels liegt, hat das Niedermoor ihn sein ganzes Leben lang fasziniert. Bepackt mit Hydrophonen und selbst zusammengestellten Aufnahmegerätschaften ist Simon Scott aufgebrochen, um die Klangwelt des Niedermoors in Form von Field Recordings festzuhalten.

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Das Ergebnis hat Simon Scott auf “Below Sea Level” auf den sieben Stücken “Sealevel 1 – 7” verewigt. Ein filigranes Zusammenspiel von Natur und Technik trifft hier zusammen. Hier verschmelzen Field Recordings mit elektronischen Sounds und Gitarrenklängen. Während Scott in den ersten beiden Songs dem Hörer noch das Auseinanderhalten der einzelnen Sounds leicht macht und die Gitarre klar erkennbar ist, verschwimmt in den darauffolgenden Songs die Trennschärfe. Elektronische Sounds summen, Vögel geben Laut, Wasser plätschert. Scott achtet auf ein ausgewogenes Gleichgewicht der Sounds und umhüllt den Hörer mit ineinander fließenden Sounds. Klare Gitarrenmelodien kehren zurück, Saitenpicking trifft auf eine Wolke aus Field Recordings. Am Ende bleiben die Field Recordings, die das Album eröffnet haben und auch abschließen.

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Die CD wird begleitet von einem Buch, in dem ein Essay von Simon Scott enthalten ist. Hier wird das Fenland vorgestellt und eine Abhandlung zum Thema “Field Recordings” bietet interessante Ansichten. Fotos des Niedermoors und Skizzen und Notizen von Simon Scott sind auch mit enthalten und ein Skizzendruck und ein Extradownloadcode für ein Liveset runden das ganze Paket nochmal ab.

“Below Sea Level” erscheint Ende Mai über 12k.

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EXPERIMENTAL EVENING V

Posted in Aktuell, ontheroad on May 1st, 2012 by D.K.

LINE-UP ÄNDERUNG:
Krankheitsbedingt müssen [BOLT] ihren Auftritt leider absagen. Der Abend wird am Samstag von Clem Leek aus Engalnd eröffnet.

Experimental Evening V @Christuskirche Bochum 26 Mai 2012

Bevor die Sonne ganz durch die Wolkendecke bricht und Sommerlaune verbreitet, möchten wir euch einen Konzertabend präsentieren, der euch in düstere und melancholische Klangwelten entführt, die unter die Haut gehen. Der “Experimental Evening V” konzentriert sich diesmal ganz auf den europäischen Kontinent und zieht einen Bogen von England über Deutschland bis in die Schweiz, denn am 26. Mai erwarten euch Sum Of R aus der Schweiz, Simon Scott aus England und [Bolt] aus Deutschland in der Christuskirche Bochum.

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Sum Of R aus Bern, das sind live Reto Mäder (Ural Umbo) und Julia Wolf. Wer die anderen Bands von Reto Mäder kennt, zu denen Ural Umbo, Pendulum Nisum oder RM 74 gehören, der kann sich schon irgendwie vorstellen, was einen erwartet. Dem Rest sei gesagt, dass hier ein Blick in die Weiten von Ambient, Drone, Noise und Doom gewährt wird. Bei Sum Of R geht es nicht um oberflächliches Songschreiben, sondern um die Tiefenwirkung der einzelnen Sounds, die hier zusammengetragen werden. Bisher ist eine EP auf Hinterzimmer Records erschienen, die schon lange ausverkauft ist, und das selbstbetitelte Debütalbum, das über Utech Records in Amerika veröffentlicht wurde. Bass, Gitarre, Drums und eine Vielzahl anderer Soundquellen bringen noisige Dronesongs hervor, die immer mit einer Melodie (mal eindeutig, mal subtil) gepaart den Hörer einnehmen. Für das Konzert in der Kirche haben sich Sum Of R ein spezielles Set ausgedacht, das mit dem “Schwergewicht auf Kontrasten von ganz leisen, choralen Songs bis zu extrem schweren, schleppenden Stücken”(Reto Mäder) auf euch wartet.

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Simon Scott aus Cambridge macht nach seiner Definition “Electroacoustic Soundscape Compositions” und das ist auch eine treffende Beschreibung für diesen Ambientkünstler, der zuletzt sein Album “Bunny” über Miasmah Records veröffentlicht hat. Sein Interesse gilt dem musikalischen Zusammenspiel von Natur und Technik, Field Recordings und Studioaufnahmen, Geräuschen und Gitarre. Für sein neues Album “Below Sea Level”, das Ende Mai über 12k Records erscheint, hat er sich mit selbstgebauten Aufnahmegeräten in die sogenannten Fenlands nördlich von Cambridge begeben. Ein Sumpfgebiet oder Niedermoor, das unterhalb des Meeresspiegels liegt und nur von Natur bewohnt ist. Der perfekte Ort für Field Recordings. Zurück im Studio hat Simon Scott sieben Stücke geschrieben, die den Field Recordings viel Raum geben und mit subtilen Gitarrensounds und Elektronik erweitert werden. Das ganze Projekt ist in Form eines Buches festgehalten worden, das mit dem Album erscheint. Darin enthalten sind Texte, Skizzen und Fotos, die auch für die Liveshow als Projektionen verwendet werden. Wer da nicht neugierig wird…

Update: Für den einzigen Deutschlandtermin seiner aktuellen Tour, hat Simon Scott ein spezielles Set vorbereitet und wird von  Clem Leek begleitet.

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Clem Leek ist ebenfalls ein britischer Musiker und spingt an diesem Abend für [BOLT] ein. Die Musik von Clem Leek lässt sich am besten als minimalistisches Ohrkino bezeichnen. Egal ob er sich ans Klavier setzt, zur Gitarre greift oder mit Field Recordings experimentiert, es klingt immer minimalistisch auf den Punkt gebracht. Clem Leek führt den Hörer sowohl durch moderne klassische Stücke, als auch durch Ambientlandschaften. Eine Klangfusion, wie gemacht für einen Kirchenraum.

Samstag, 26. Mai 2012
Christuskirche Bochum
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Tickets:  hier und an der Abendkasse

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LOW POINT RECORDS

Posted in Label on February 20th, 2011 by D.K.

Low Point ist ein englisches Label, das sich auf Ambient, Drone und experimentelle Gitarrenmusik konzentriert. Labelgründer Gareth Hardwick aus Nottingham ist im gleichen musikalischen Bereich unterwegs und veröffentlicht seit fünf Jahren Solo- und Kollaborationsplatten, die bei Musikkritikern und anderen Musikern zugleich große Anerkennung finden.

Low Point ist als Label für Gareth Hardwicks Veröffentlichungen gestartet und mit der Zeit auch zu einer wichtigen Plattform für die Platten anderer Musiker geworden. Mittlerweile sind Künstler wie P Jørgensen, Tim Catlin & Machinefabriek, Fabio Orsi & Seaworthy und Celer bei Low Point Records vertreten. Im Folgenden wollen wir euch drei Veröffentlichungen etwas näher vorstellen.

Ex-Easter Island Head – Mallet Guitars One

EX-EASTER ISLAND HEAD mallet_guitars_one

Hinter dem vorwitzigen Namen Ex-Easter Island Head verbergen sich zwei junge Musiker aus Liverpool, die drei Gitarren gleichzeitig spielen. Das besondere dabei ist, wie sie diese spielen. Die soliden E-Gitarren liegen auf Keyboardständern und die beiden Musiker spielen sie nur mit Paukenschlägeln. Durch Vibration, Resonanz, Feedback und sonstige Effekte, die durch das Getrommel auf den Gitarrenkörpern entstehen, erschafft das Duo rhythmische Songs, die teils gar nicht nach Gitarre, sondern mehr nach Steeldrums oder Glockenspielen klingen. Die Aufnahmen zu ihrer Debut EP “Mallet Guitars One” sind an einem Tag im Turm der St. Bride´s Kirche entstanden.

ExEasterIslandHead

Dag Rosenqvist & Simon Scott – Conformists

dag rosenqvist & simon scott - conformists

Dag Rosenqvist (Jasper TX) and Simon Scott haben sich auf Conformists zusammengetan, um einen Soundtrack zum gleichnamigen Kurzfilm von Juriaan Booij zu schreiben. Ein 19minütiges Drama, in dem mit sich unzufriedene Menschen aufeinander treffen und sich gegenseitig die Schuld zuschieben. Das Album ist doppelt so lang und bereits vor dem Film entstanden. Booij hat Dag Rosenqvist einige Storyboard-Bilder gegeben und ihn damit beauftragt, einen Score zu schreiben, der die Kraft von Gruppenmentalität beschreibt. Das ist auch genau der Grund, warum dieses Vinylalbum auch komplett losgelöst vom Film funktionieren kann. Die beiden 20minütigen Seiten der Platte nehmen den Hörer mit auf einer langsamen sogartigen Dronewelle und lassen einen nicht so schnell los. Gelungenes Dronekino für die Ohren.

Gareth Hardwick – Aversions

gareth hardwick - aversions

Zum Schluß eine Platte vom Labelchef persönlich. Neben zwei kurzen Stücken von Gareth Hardwick alleine besteht diese Album aus Remixes von Hardwick Songs, die er in die Hände von befreundeten Musikern wie Xela, Libary Tapes, Steinbrüchel oder Machinefabriek gegeben hat. Das besondere dabei ist, dass die einzelnen Stücke von ihrer Stimmung und Herangehensweise so gut zusammenpassen, dass man gar nicht glauben mag, dass hier einzelne Arbeiten von verschiedenen Musikern zusammengestellt wurden. Es klingt mehr danach, als habe Gareth Hardwick alle Musiker zu sich ins Studio geholt und gemeinsam ein Album eingespielt. Unbedingt anhören.

Die vorgestellten Platten (und auch weitere) könnt ihr euch auf der Bandcamp Seite von Low Point im Stream anhören.


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