DEEP LISTENING BAND – NEEDLE DROP JUNGLE

Posted in Release on August 12th, 2012 by D.K.

Als die Aufnahmen zu “Needle Drop Jungle” entstanden sind, waren die drei Beteiligten 221 Jahre alt. Das mal als kleines hochachtungsvolles Vorwort. Die Deep Listening Band, bestehend aus Pauline Oliveros, Stuart Dempster und dem mittlerweile verstorbenen David Gamper, hat im Januar 2011 mehrere hundert Minuten an Material eingespielt. Anlässlich des diesjährigen achtzigsten Geburtstags von Pauline Oliveros haben Important Records neben einem Oliveros Boxset zwei Alben mit den Aufnahmen der Deep Listening Band veröffentlicht und da es genug Material gibt, das gehört werden muss, folgt jetzt “Needle Drop Jungle” via Taiga Records.

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Die Aufnahmen von “Needle Drop Jungle” sind alle in der “Town Hall Seattle” entstanden. Das Gebäude besticht durch hohe Decken und der Fusion von Tonnen- und Kuppelgewölbe. Genug Raum für die Entfaltung von Klängen. Genau das ist auch das Ziel der Deep Listening Band. Mit Klavier, Akkordion, Posaune, Klangmuscheln und diversen anderen Hilfsmitteln entsteht in “Landgrove” eine raumfüllende Klangwolke. Aus allen Seiten der Lautsprecher ertönen die verschiedensten minimalistischen Sounds, die im Kopf des Hörers zu einem Ambientsong zusammengeführt werden können. “Jungle Howl” schleicht sich zunächst mit filigranen Sounds in die Ohren um dann mit einer Art Posaunendrone auszubrechen, während sich im Hintergrund eine Rhythmusfläche aufbaut. Besonders dann, wenn die Posaune klar erkennbar ist, erinnert der Sound an Horrorscores aus den Siebzigern. Gegen Ende spielen sich die drei Musiker aufeinander ein und gleiten mit ihren Sounds minutenlang durch die Town Hall. “Friday Mighty” ist völlig losgelöst von Songverpflichtungen. Hier steht die kontrollierte Improvisation im Mittelpunkt. Ein kleiner Ausbruch. “Tomorrow´s Power” fließt. Akkordion, Posaune gleiten ineinander. Man kann es sich förmlich vorstellen, wie die Sounds allmählich den ganzen Raum füllen und von einer Seite des Raums auf die andere Seite rüberhallen. Erhabene Drones.

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Vier Songs, alle über 15 Minuten lang, auf vier Vinylseiten verteilt und mit einem passenden Artwork versehen. Denn genau wie das Wasser, das beim Abfliessen gefriert und aus einem Eiszapfen ein Eiskunstwerk enstehen lässt, erzeugen hier die einzelnen Instrumente in der Fusion mit dem Raum ein Klangkunstwerk.

Die Deep Listening Band ist Bestandteil des von Pauline Oliveros ins Leben gerufenen Deep Listening Institute. Wer sich informieren möchte sollte an dieser Stelle anfangen.

“Needle Drop Jungle” ist über den Taiga Records Shop erhältlich.

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JON MUELLER & JAMES PLOTKIN

Posted in Release on June 24th, 2012 by D.K.

Wenn zwei schwer beschäftigte Musiker zusammentreffen, um in kürzester Zeit gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, dann passieren manchmal magische Dinge. So im Fall von Jon Mueller und James Plotkin. Jon Mueller ist studierter Drummer und fleißig damit beschäftigt, seine Gabe in Workshops, Studien, Konzerten und natürlich Plattenveröffentlichungen weiterzugeben und zu präsentieren. James Plotkin ist sowohl als Musiker als auch als der Mann bekannt, der gelungenen Platten noch den letzten Mastering Schliff verpasst, um sie noch gelungener klingen zu lassen. In letzte Zeit hat sich Plotkin auch eher auf Letzteres konzentriert, um so erfreulicher ist nun die Veröffentlichung von “Terminal Velocity” über Taiga Records.

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Vor einem Jahr wurden Jon Mueller und James Plotkin von Keith Utech eingeladen, auf dessen erstem Utech Records Festival zu spielen. Die beiden Musiker kannten sich schon von einer früheren Zusammenarbeit für Jon Muellers Album “Physical Changes” und haben sich, um für den gemeinsamen Auftritt zu proben, wenige Tage vorher getroffen. Das Ergebnis ist nicht nur ein imposanter Auftritt auf dem Festival, sondern auch die Aufnahmen zum ersten gemeinsamen Full Length Album “Terminal Velocity”.

“Terminal Velocity” ist die Dokumentation eines fragilen aber intensiven Zusammenspiels von Drums, Percussion, Gitarre und Elektronik. Eröffnet wird das Album von “Vestibular Apparatus”, einem vor sich herfliessenden Stück mit Gongsounds und flirrenden Soundflächen. Hat man sich einmal eingehört ist die Empörung groß, dass nach neun Minuten der Song vorbei ist und einem viel kürzer vorkommt. “Hypnagogia” tritt weiter in den Vordergrund und die Elektro und Gitarrensounds von Plotkin pressen sich auf das Drumset von Mueller und bringen dieses in Schwingung, bis Mueller dann Akzente setzt und die Drums “bewusst” spielt. Der Song steigert sich immer weiter und weiter und weiter ohne den Anspruch zu erheben, ausbrechen zu wollen oder zu müssen. “Eigenlicht” greift die Ästhetik des Openers auf und bereitet “Anthipnyc” den Weg in eine weitere minimalistische Traumwelt aus Rhythmusakzenten und Melodieandeutungen. “Praedormitium” trägt den Hörer wie auf einer Welle, wie auf einer Windböe und bringt in sanft zum episch langen “Subvocal”. Experimentell und zurückhaltend noisig lassen die beiden Musiker ihre Sounds zusammenkommen. Ein Stück, das bezwungen werden muss vom Hörer, die Musiker leben sich hier vollkommen in ihrer Welt aus. Mir kommen Bilder von Godzilla und Spacegodzilla in den Sinn. So klingen die beiden nach fast 15 Minuten Soundertüftelung. Noise, Noise und nochmal Noise. Nach diesem Ausflug in andere Gefilde, nimmt “Microsleep” den Pfad des restlichen Albums auf und befördert den Hörer mit anhaltenden überlappenden Tönen und sich hintergründig aufbauenden Drums in eine Art siebenminütigen Tagtraum.

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“Terminal Velocity” ist ein experimentelles Album für die Ewigkeit. Macht Platz in eurem Plattenregal und investiert in dieses Schmuckstück. Das Artwork besteht aus Graphitzeichnungen von Karlynn Holland und bietet Unterschlupf für zwei 200 Gramm schwere Vinylplatten, die es in einer 500er Auflage in drei verschiedenen Farben via Taiga Records gibt. Kostet zwar etwas mehr, ist aber seinen Preis wert.

Und zum Schluß gibt es noch einen exklusiven Track zum reinhören:

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HOUSE OF LOW CULTURE – POISONED SOIL

Posted in Release on January 1st, 2012 by D.K.

“Poisoned Soil” nennt sich das lang erwartete neue Album von House Of Low Culture. Aaron Turner hat mit der musikalischen Unterstützung von Faith Coloccia (Mamiffer) und B.R.A.D. (Burning Witch, Asva) ein Album aufgenommen, das wie eine Dämonenbeschwörung den Hörer in eine andere Welt entführt.

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Alles beginnt mit einem Tinituston in “Spoiled Fruits Of The Kingdom”, der langsam verschwindet und Mönchchor-ähnlichen Vocals Platz macht. Mönche, die nicht zu Gott beten, das ist klar. Dann fast Stille, bevor die Gitarre als erstes erkennbares Instrument, fast nach der Hälfte des viertelstündigen Openers, erklingt. Verzerrte Vocals, die nicht als Sprache erkennbar sind, dezente Drums und der Hörer weiß, die erzählte Geschichte kann nicht gut enden. “The Ladder That Leads To Nowhere” steigt direkt ein mit einem Gitarren- und Chorpart, um sofort wieder abzubrechen und den Song wieder zu etwas Unvorhersehbaren zu machen. Auch hier nimmt das experimentelle Noise-Drone-Drama seinen fünfzehnminütigen Lauf. Grausam schön. “Inappropriate Body” schließt die Geschichte ab und beginnt mit Sounds, die eher skuril klingen und auch als Untermalung für eine fiese Tom & Jerry Jagd dienen könnten. Dann nach vier Minuten ein Gedröhne, nach fünf Minuten ein Gänsehaut-Gekreische, dann Aarons choraler Gesang, Stille, Noise, Field Recordings und alles endet wie ein Score zu einem düsteren Historienfilm… Turner lässt sich und dem Hörer Zeit das Gehörte zu erleben und zu verarbeiten. Wovon auch immer Aaron Turner besessen zu sein scheint, am Ende ist auch der Hörer infiziert.

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Für die Aufnahmen und das Mixing hat sich Aaron Turner Randall Dunn ins Studio geholt, das Mastering hat James Plotkin übernommen und beim Artwork (von Turner selbst) hat Faith Coloccia mitgeholfen. Das Cover ist übrigens hochwertig bedruckt und hat in der Mitte einen transparenten Hochglanzquader.

“Poisoned Soil” ist bisher über das belgische Sub Rosa Label auf CD erschienen und wird bald über Taiga Records auch auf Vinyl gepresst.

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