BARN OWL – DER FÜNFTE STREICH

Posted in Release on March 2nd, 2013 by D.K.

Auf Barn Owl ist Verlass was ihren Turnus an Veröffentlichungen angeht, denn im April erscheint das neue Album  “V”. Doch wer denkt zu wissen, was ihn erwartet, der wird ganz schön überrascht sein.

Das Album beginnt mit “Void Redux” und schon in den ersten 20 Sekunden wird klar, dass Barn Owl einen neuen Weg eingeschlagen haben. Das Label nennt es Doom Dub und es passt irgendwie ganz gut, denn Barn Owl haben die Tür für die Elektronik geöffnet. Rhythmisch wiegen sich Gitarren und Synthesizer hin und her und schaffen eine treibende Klanglandschaft. “The Long Shadow” beginnt wie ein typischer Barn Owl Song und mutiert allmählich durch das Überlappen der Gitarren mit Elektrodrones zu einem Monstertrack, um dann wieder abzuebben. “Against The Night” ist wie ein Spaziergang am Strand: wellenartig kommen die Sounds auf einen zu, Tremologitarren tragen den Song und ein unterschwelliger Bass gibt dem Ganzen halt. “Blood Echo” erklingt majestätisch und baut sich vor einem auf, flacht plötzlich ab, ein Drumsound setzt ein, Synthesizerklangflächen gesellen sich dazu und bauen zusammen mit den Gitarren eine neue Soundwand auf. Lang lebe Doom Dub! “Pacific Isolation” ist dann wieder was für die Hörer, die die alten Barn Owl schätzen. “The Opulent Decline” ist das Ergebnis einer halbstündigen Session. 17 Minuten davon haben es auf das Album geschafft. Zunächst einmal sucht der Song sich selbst und durchforstet die verschiedensten Ebenen des Barn Owl Kosmos, um dann fast zu verstummen. Ein dezenter hallender Beat bleibt, Gitarrensounds erklingen, mal klar, mal verzerrt. So langsam baut sich wieder ein Berg aus Ambient und Drone Klängen auf. Schnell ist klar, dass diese Soundwand noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, denn nach 10 Minuten steht man als Hörer einem Soundungetüm gegenüber, das sehr überwältigend ist. Man weiß gar nicht, auf welchen Sound man sich konzentrieren soll. Gnadenlos, diese Barn Owl.

“V” erscheint über Thrill Jockey Records und wird auf CD und Vinyl erhältlich sein. Zudem gehen Barn Owl im April/Mai auf Europatour. Beides sehr empfehlenswert.

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EVAN CAMINITI TRÄUMT NICHT

Posted in Musik on July 21st, 2012 by D.K.

Kaum hat er sein letztes Soloalbum veröffentlicht, bringt Evan Caminiti sein nächstes Album raus. Auf “Dreamless Sleep” öffnet Caminiti die Tür in eine psychedelische Welt voller Gitarren und Synthiedrones.

dreamless sleep

Schon bevor man die Musik hört, beschäftigt einen das ungewöhnliche Artwork. Da wo Evan Caminiti sonst mystische Zeichnungen oder Landschaften auf die Cover seiner Alben und die von Barn Owl zaubert, ist jetzt eine Fotografie zu sehen. Diese zeigt im 70er Jahre Stil und mit starker Farbprägung von dunklen Schatten bedeckte Pfeiler, hinter denen ein purpurner Himmel schimmert und eine nicht erkennbare, verhüllte Figur im Mittelpunkt steht. Eigentlich ist auch genau das zu hören auf “Dreamless Sleep”. Sounds, die geprägt sind von 70er Jahre Klängen, mit dunklen Seiten, aber auch mit sphärischen Passagen. Kosmisch, psychedelisch und mit einer großen Prise düsterer Dronegitarren versehen. Die sieben Songs bewegen sich zwischen vier und sieben Minuten, sind getrennt und klingen trotzdem wie eine große Einheit. Wer das Album zum ersten Mal hört, sollte die Platte unbedingt im Anschluss sofort wieder hören. Die Songs klingen beim zweiten Durchhören, durch die Art wie sie sich während der Albumlaufzeit entwickeln, erstaunlich anders oder werden anders wahrgenommen. Ein Klangerlebnis oder Klanggefühl, das man schlecht beschreiben kann, aber auf jeden Fall mal erleben sollte. Warum sollte man hierbei nicht träumen können?

evan caminiti

“Dreamless Sleep” erscheint im August über Thrill Jockey Records.

 

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WHITE HILLS – FRYING ON THIS ROCK

Posted in Release on March 10th, 2012 by M.H.

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Die ausgeprägte Produktivität des New Yorker Spacerock-Duos White Hills beschert uns mit schöner Regelmäßigkeit amtliche Genre-Leckerbissen. So fügen Dave W., der Herr an der Gitarre, und Ego Sensation, die Dame am Bass, ihrem umfangreichen Backkatalog auch 2012 einen weiteren logischen Baustein hinzu. “Frying On This Rock” nennt sich das gute Stück und bereits die ersten Takte des eröffnenden “Pads Of Light” machen unmissverständlich klar, wer hier am Werk ist. Der markante Gitarrensound und die manisch-hypnotischen, eher gesprochenen als gesungenen Vocals, lassen keinen Zweifel aufkommen.

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Auf den straighten Einstieg folgt mit “Robot Stomp” der erste schwere Brocken. Der Fast-12-Minüter kommt gänzlich ohne Gesang aus, basiert auf einem einzigen, simplen Riff, das sich gefühlt unendlich wiederholt, minimal variiert und mit allerlei psychedelischen Versatzstücken ausgeschmückt wird. Nach dieser ausufernden Space-Jam nimmt uns der eingängige, treibende, ohne Umschweife ins Ohr gehende Psych-Fuzz-Rocksong “You Dream You See” übergangslos in Empfang und gönnt uns eine kurze Verschnaufpause, bevor das knapp 9-minütige “Song Of Everything”, welches mit einem ruhigen Mittelteil überrascht, uns mitnimmt auf eine weitere Reise in ferne Sphären. Unversehens erwartet uns mit “I Write A Thousand Letters (Pulp On Bone)” bereits die finale Viertelstunde, in der die White Hills nochmals sämtliche Register ziehen und einen eindrucksvollen Schlusspunkt setzen.

Die Simplizität, die rockende Spielfreude einerseits, sowie die experimentellen, psychedelischen Jam-Abfahrten als Gegenpol, machen die Besonderheit dieser Band aus. Obwohl die beiden diesmal, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, mit ausgearbeiteten Songs ins Studio gegangen sind, besticht “Frying On This Rock” vor allem durch seine Energie und Frische.

Die Platte erscheint am 20. März in edler Aufmachung als CD und LP auf Thrill Jockey. Eure Preorder könnt ihr hier platzieren. Ende März bietet sich zudem die Möglichkeit, die Band live in Augen- und Ohrenschein zu nehmen – die genauen Termine findet ihr ONTHEROAD.

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JON PORRAS – BLACK MESA

Posted in Release on March 9th, 2012 by D.K.

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Jon Porras veröffentlicht ein Jahr nach seinem letzten Soloalbum “Undercurrent” im April das zweite Album unter seinem Namen. “Black Mesa” erzählt die wortlose Geschichte eines Wüstenwanderers, der auf der Suche nach dem Tafelberg “Black Mesa” ist, der auf dem Cover abgebildet ist und ein Tor zu einer Parallelwelt darstellt.

Mit diesem Hintergrundwissen kann man sich vor dem inneren Auge seinen ganz eigenen Film vorstellen. Mit „Into Midnight“ beginnt die Reise entschlossen mit Bassdrum und einer klaren Gitarrenmelodie, es folgt ein introvertierter nachdenklicher Zwischenpart, in dem Jon Porras ein Slo-Mo-Solo zum Besten gibt, um anschließend wieder mit einem Arpeggio samt Percussionrhythmus die Reise fortzusetzen. „Blue Crescent Vision“ ist fast so was wie eine Hymne für den Moment, in dem der Wanderer erlebt, wie die Nacht in der Wüste zum Tag wird. Auch hier bringt Porras eine klare episodenhafte Struktur in den Song. Das fünfminütige „Candlelight Mirage“ führt unseren Wanderer in die nächste Nacht, in der er wohl von einer Illusion verführt wird. Porras mischt ambientlastige Soundflächen im Hintergrund (in denen auch Vocals versteckt sind, so scheint es mir zumindest) mit kraftvollen Gitarrenmelodien. „Desert Flight“ klingt offen, fast schon hoffnungsvoll, wie der nächste Tag des Wanderers in der Wüste. Dann der Bruch mit einer von Tremolo getragenen Gitarrenbridge, tiefe Saiten brodeln, die hohen Saiten heulen. Es bahnt sich was an. Dann in „Embers At Dusk“ die Ruhe vor dem Sturm, mit dronigen Momenten und sphärisch gleitenden Klängen. Der Wüstenwanderer steht endlich vor seinem Ziel, dem Tafelberg „Black Mesa“, der nicht nur ein Berg, sondern auch ein Tor zu einem Paralleluniversum ist. Porras fährt nochmal alle Geschütze auf, um in „Into The Black Mesa“ den Höhepunkt der Reise zu thematisieren. Hier kommt nicht nur Gitarre und Percussion zum Einsatz, auch Tastentöne gesellen sich dazu und geben dem Song noch mehr Charakter, heben ihn weiter hervor. Nach einem Break im Song setzt die Bassdrum ein, ein Gitarrenarpeggio gesellt sich dazu, dann folgt eine erhabene Gitarrenmelodie. Der Wanderer schreitet durch das von Wolken umgebene Tor in die Parallelwelt. „Beyond The Veil“ schwebt vor sich her, eine Gitarrenfläche legt sich über die Nächste. Ein Tremologewitter braut sich zusammen, um dann wieder zu verschwinden und dem bluesigen Sound der Gitarre das Ende zu überlassen. Was hat der Wanderer hinter den Wolken gefunden? Erfüllung oder Ernüchterung?

Im Vergleich zum Vorgänger „Undercurrent“ ist „Black Mesa“ innerhalb der einzelnen Songs episodenhaft aufgeteilt und lebt weniger von Improvisationen, als mehr von Spannungen und Brüchen innerhalb der Tracks. Jon Porras klingt auf seinem Zweitwerk unter eigenem Namen wie ein Schüler von Dylan Carlson (Earth) und Neil Young (in seinen wilderen Momenten), aber ohne die beiden Herrschaften zu kopieren. Ein Hörgenuss für Fans von Dark Americana, Drone, Blues und natürlich Barn Owl.

“Black Mesa” erscheint im April über Thrill Jockey.

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Mehr zu Jon Porras…

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BARN OWL – SHADOWLAND

Posted in Release on June 13th, 2011 by N

Gleich die ersten Töne des Orgel Ostinatos von „Void And Devotion“ greifen zu und ein Losreißen gelingt erst am Ende der rund 24 Minuten dieser 3-Track EP (45 UpM) von Barn Owl.

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Tiefer, warmer, körperlicher Klang über die gesamte Laufzeit (angeblich wurde aus Soundgründen alles über Röhrenstacks geschickt, egal ob Gitarre oder Keys…) und schon “Void and Devotion” setzt auf die hypnotische Kraft von Statik und Verdichtung, auf das Versprechen eines Höhepunkts, der nie kommt (und, ehrlicherweise, auch nicht gebracht wird) und den man trotz allem selbst dann noch erwartet, wenn das Stück bereits in den allerletzten Tönen liegt.

„Shadowland“, das Titelstück, schließt strukturell, harmonisch und vom Gestus fast nahtlos an „Void And Devotion“ an; ein mit sich selbst verflochtenes Piano-Gitarren-Arpeggio, leicht transparenter als die sich verdichtende Orgel im ersten Song. In der Wirkung aber genauso hintergründig verlockend, erst recht in der Reibung mit dem in die Untiefen ziehenden Gitarrenmotiv im letzten Drittel. Fast verhängnisvoll sehnsüchtig, faszinierend. „Infinite Reach“ ist dann frei von dieser klaustrophobischen Intimität, verschiebt schwebende Akkorde in einen Zustand zwischen Erleichterung und Misstrauen und dieser Andeutung ausbrechender Kraft, die so sexy wirkt. Die paar verlorenen Einsprenksel am Ende sind dann fast so etwas wie ein Augenzwinkern…, vielleicht.

Barn Owl

“Shadowland” erscheint diesen Monat über Thrill Jockey Records und ist ausschließlich auf Vinyl erhältlich. 750 Stück Transparent und weitere 750 Stück Schwarz. Das Artwork stammt aus der Feder von Evan Caminiti.

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BARN OWL

Posted in Release on October 25th, 2010 by D.K.

Barn Owl sind Jon Porras und Evan Caminiti aus San Francisco. Wenn es so was wie Schamanen-Drone-Doom geben sollte, dann sind diese beiden Musiker die besten Vertreter dieses Genres. Barn Owl verbinden Blues, Experimental, Lo-Fi, Folk, Doom und Drone zu einem beeindruckend einzigartigen Instrumentalsound, der beim Hören Bilder von Indianern, Totempfählen, Inka, antiken Tempeln, geheimnisvollen Fabelwesen und mysteriösen Landschaften hervorruft.

barn owl

Die beiden Musiker haben seit 2007 mehrere Platten als Barn Owl und auch Solo über Labels wie Not Not Fun Records, Root Strata, Blackest Rainbow und Digitalis Recordings veröffentlicht. Ihr neues Album „Ancestral Star“ erscheint diese Tage über Thrill Jockey Records. Darauf vereinen Porras und Caminiti die einzigartigen Sounds der bisherigen Solo- und Band-Platten zu einem eindringlichen, meist instrumentalen Soundgebirge, durch das die „Schleiereule“ mit dem Hörer fliegt. Durch leise Ambient-Täler geht die Reise, vorbei an bluesige Landschaften hinauf auf die gewaltigen Droneberge, die sich durch die Boxen vor dem inneren Auge des Hörers auftürmen. „Ancestral Star“ ist wie ein mystisches Theaterstück, das den Hörer in knapp 45 Minuten durch mehrere Gefühlslagen führt.

barn owl live

Für die Aufnahmen von „Ancestral Star“ haben sich Barn Owl nicht nur zum ersten Mal seit Bandbestehen in ein professionelles Studio begeben, sondern auch ein Dutzend Gastmusiker herangeholt, die ihre Streicher-, Klavier-, Bläser- und Percussion-Sounds dezent in das Barn Owl Sounduniversum mit einfließen lassen durften.

Wer sich auf die Musik von Barn Owl einlässt und den Sound nicht einfach als hallende Gitarrenmusik abstempelt, wird hier sicherlich nicht enttäuscht werden.

ancestral star artwork

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