MICROPHONICS XXI – XXV

Posted in Release on November 24th, 2012 by N

dirk serries

2008 erscheint „Microphonics I-V“; ziemlich unerwartet, mitten in einer Reihe von Fear Falls Burning Releases und Kollaborationen. Und erst nach und nach schält sich heraus, besonders durch Äußerungen von Dirk Serries selbst, dass dieses Projekt, dessen erstes Release sich gegenüber Serries damaligen Hauptprojekt und Nachfolger von vidnaObmana, Fear Falls Burning, durch seinen musikalisch und soundlich minimalistischeren Ansatz sofort unterschieden hat, künftig sein Hauptprojekt sein wird. Musikalisch, trotz nur im Detail unterschiedlichen Instrumentarium, gegenüber Fear Falls Burning daher wie eine Fokussierung, auch mit Blick auf die Tatsache, dass FFB mittlerweile Erweiterungen durch Kollaborationen und zu einer Art (Proto Heavy) Band geworden war. Serries kommentierte diese Entwicklung selbst einmal in der Art, dass FFB eine Art Eigenleben bekommen hat, das sich der vollständigen Kontrolle durch ihn selbst entzieht. Microphonics war daher zu diesem Zeitpunkt möglicherweise genau die Reißleine, die es für ihn zu ziehen galt, um innerhalb seines musikalischen Spielfeldes seine Solo-Identität neu zu definieren. Nur konsequenterweise in diesem Zusammenhang das weitere Statement, dass Microphonics stets Soloprojekt bleiben würde und dann natürlich die spannende Erwartung, wie sich die nächste Platte anhören würde. Statt dessen begibt sich Dirk Serries mit Microphonics auf eine intensive Live-Erprobung, wie um die Tragfähigkeit in der Live-Situation zu testen; aber auch als eine Art Forschungsaufgabe, welche Elemente zum Projekt passen mögen. Und tatsächlich folgen Erweiterungen: die Integration von Arpeggios und soundliche Varianten, die die enge Fokussierung des Debüts Zug um Zug, jedoch immer organisch gewachsen erweitern. Erstaunlich auch, dass die im Zuge dieser umfangreichen Live-Aktivitäten erscheinenden Live-EPs bei all diesen Erweiterungen des Konzepts fast stringent ruhiger werden, meditativ in sich versunken. Auch der Sound sehr intim, rund; fast still. In der Zwischenzeit dann die offizielle Beendigung von FFB mit „Disorder Of Roots“ und die Ankündigung des zweiten Studioalbums von Microphonics für Anfang 2013 via Tonefloat Records.

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„Microphonics XXI-XXV: Mounting Among The Waves, There’s A Light In Vein. The Burden Of Hope Across Thousands Of Rivers“ ist genauso organische Weiterführung wie radikale Neudefinition. Es ist ein Album, das neben der angekündigten luxuriösen Verpackung (2x 10“ + Buch „Cities In Grey“ mit Fotografien von Martina Verhoeven, die mit ihren SW-Aufnahmen die Cover von „Microphonics“ und FFB geprägt hat) vor allem musikalisch, d.h. kompositorisch und soundlich punktet. War das erste Album ein Gespinst flötenhafter Sounds so explodiert „Microphonics XXI-XXV“ geradezu vor den Hörern als ein durch unüberschaubar viele Schichten zusammengesetztes Monster von Album, mit einer durch Lautstärke und Hall perfekt ausbalancierten Tiefenstaffelung. Mit klar erfassbaren ersten Motiven, die im Laufe der Stücke ebenbürtige Partner bekommen, die sich, und auch das ist neu im Hause Microphonics, soundlich deutlich absetzen. Im Gegensatz zu den als intuitiv mit der Gitarre gespielt erkennbaren Motiven stehen damit erstmals auch solche, die wie vielgestaltige Texturen unbekannter Provenienz erscheinen; fast nur noch für Eingeweihte als gitarrenbasiert erkennbar. Und genau die Einführung dieser Texturen und ein völlig ungewohnter Focus auf osszilierende Sounds, Distortion und Fuzz, sowohl in den tragenden Motiven als auch innerhalb dieser Texturen lässt diese Veröffentlichung als ein deutlicherer Schritt in eine neue Richtung erscheinen, als das bei allen Gtarrenprojekten von Serries bisher möglicherweise der Fall war. Der große Zusammenhalt zum bisherigen Werk entsteht dabei weiterhin über das harmonische Verständnis, seine Art Melodien zu entwickeln und gegeneinander zu spielen, harmonische und disharmonischere Wendungen aufeinander treffen zu lassen. Aber auch diese kompositorische Komponente wird mit dem neuen Album erweitert, besitzen die benannten Texturen doch eine harmonische Gradlinigkeit, die besonders im Kontrast zu ruhigeren Motiven des Spiels eine ungeheure Schubkraft entwickelt, ab einem bestimmten Punkt quasi die Kontrolle über die Stücke übernimmt, diese anfängt zu tragen und mit Macht nach vorn zu treiben. Zum Teil entwickeln sich so harmonische Umschlingungen, die die Melodien höher und höher steigen lassen und paradoxerweise trotzdem nie die Grenze des spielbar Möglichen erreichen.

Der Mut, einen neuen Weg zu beschreiten ohne die eigenen Wurzeln und das bisher Erreichte zu ignorieren lässt eine Platte entstehen, die in dieser Form nicht erwartet wurde. Auf eine völlig unerwartete Weise verlässt „Microphonics XXI-XXV“ auf diese Weise die Grenzen der Intimität und öffnet sich hin zu einem gleißenden Himmel neuer Möglichkeiten. Ein Album für 2013, das in seinem Genre schwer zu toppen sein wird. Sehr empfohlen.

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AKHET

Posted in Release on November 5th, 2011 by D.K.

Die Legende besagt, dass sich drei befreundete Musiker eines Tages im Studio eines Beteiligten trafen und eine Jamsession mit zwei Gitarren und einem Keybord abhielten, das Ganze aufnahmen und dann zur Seite legten und sich anderen Dingen widmeten. Das war 2007 und die drei Protagonisten sind Dirk Serries (Fear Falls Burning), Paul van den Berg (3 Seconds of Air) und Marc Verhaeghen (The Klinik) alias Akhet.

akhet

Tonefloat Records haben jetzt vier Jahre später das gemacht, was man mit so einer Jamsession machen sollte: sie veröffentlicht. Das Ergebnis ist ein selbstbetiteltes Doppelvinyl-Album mit vier epischen Stücken. Was die drei Musiker gemacht haben, gleicht dem, was man von Jazzsessions kennt. Einer fängt was an und die anderen steigen darauf ein. Hier ist es das Keyboard von Marc Verhaeghen, genauer die rhythmischen Synthiesounds, die die Grundlage bilden. Darauf basierend bauen die beiden Gitarristen entweder Soundflächen auf oder unterlegen das Ganze mit verzerrten Bluessounds. Wer jetzt denkt, dass das doch gar nicht gut klingen kann, irrt. Diese spontane Fusion der musikalischen Elemente gibt den Songs eine einzigartige Dynamik, die eine weitere Facette im musikalischen Oeuvre aller Beteiligten aufzeigt. Das Konzept ist simpel, das Artwork auch und der Aufruf auch: Hören!

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BASS COMMUNION – CENOTAPH

Posted in Release on October 30th, 2011 by D.K.

Bass Communion ist das experimentelle Alterego von Steven Wilson, Frontmann von Porcupine Tree. Während er mit seiner Band und unter seinem eigenen Namen mittlerweile das breitere Prog-Rock-Publikum anspricht, hält sich sein Bass Communion Projekt stetig im Hintergrund und ist eher was für Ambientfans, die sich Zeit nehmen Musik nicht nur zu hören, sondern auch in ihrer Gesamtheit wirken zu lassen.

bass communion cenotaph

Zwei Jahre lang war es ruhig um Bass Communion, nur EP- und Singleveröffentlichungen haben 2009 verlauten lassen, dass dieses Projekt noch aktiv ist. Umso passender der Titel des neuen Albums “Cenotaph”. Ein Scheingrab als Lebenszeichen. Das Cover zeigt einen Kenotaphen, genauer gesagt ein Monument, das weder Inschrift noch Verzierung trägt und umgeben ist von Ebbe. Im Hintergrund das Meer und im Sinn die Flut, die im nächsten Moment alles überschwemmt. Legt man die Platte auf, überrascht “Citadel” mit einem Beat, der einem Herzschlag gleicht, der als Grundlage für düstere Ambientsounds und filigrane Droneflächen dient. Wilson führt den Hörer 19 Minuten lang in seine neue Bass Communion Welt ein, in der der Rhythmus eine größere Rolle spielt, als es in den bisherigen Veröffentlichungen der Fall war. “Carrion” steigert sich durch einen Beat, der zwar immer noch subtil ist, aber eindeutig die Stimmung des Songs bestimmt. “Cenotaph”, der Titelsong, ohne Beat, mit viel Feingefühl für Raum in Musik, mit einem sich so stark zurückhaltenden Klanggerüst, dass man das Gefühl bekommt, die Musik würde hinter einen kriechen, um von hinten einen Überfall zu starten. Der Überfall bleibt aus, die Spannung bleibt, keine Flut, der anonyme Kenotaph am Strand bleibt ein Mysterium. “Conflux” nimmt den Herzschlagbeat des Openers auf, dieser stellt sich hier aber deutlicher in den Vordergrund. Vier Stücke, 74 Minuten Musik aus einer Welt, die man gerne besucht, aber zugleich fürchtet. Ein Soundtrack für das Unterbewusstsein.

“Cenotaph” von Bass Communion erscheint Mitte November auf CD und Vinyl über Tonefloat Records und ist bereits jetzt über den Tonefloat Store vorbestellbar.

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DIRK SERRIES – MICROPHONICS XIX

Posted in Release on July 9th, 2011 by D.K.

Live-Alben werden entweder gemocht und gesammelt oder ignoriert und für überflüssig gehalten. Ersteres trifft bei mir zu. Wenn dann auch noch ein Konzert auf Platte gepresst wird, bei dem man selbst dabei war, ist die Freude natürlich um so größer. So geschehen im Fall des Dortmunder Konzerts von Dirk Serries, das jetzt auf Tonefloat erschienen ist.

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Tonefloat veröffentlichen schon seit einiger Zeit ausgewählte Live-Sets von Dirk Serries und liefern jetzt mit “Microphonics XIX” das Set, das Serries am 11. Dezember 2010 im Künstlerhaus Dortmund gespielt hat. Dirk Serries ist dort im Rahmen des Mex-Festivals zusammen mit N im Keller des Gebäudes aufgetreten. Vor den beiden ist die kolumbianische Künstlerin Claudia Robles aufgetreten, die mit Hilfe ihrer Gehirnaktivitäten Sounds erzeugt hat (klingt nicht nur gelesen merkwürdig), und der argentinische Saxophonist Lucio Capece hat im Anschluss sehr experimentelle Sounds mit Hilfe seines Blasinstruments dargeboten. Mit diesen eher merkwürdigen Soundeindrücken als Grundlage, durfte man dann Dirk Serries und N lauschen, die ja im Vergleich zu den beiden anderen einfach nur Gitarre spielen.

Dirk Serries setzte mit den ersten Tönen ein und das vorher erlebte war sofort ausgeblendet (in den Tiefen des Langzeitgedächtnisses vergraben). Genau dieser Teil des Abends ist auf Platte verewigt. “Microphonics XIX” beginnt leise, mit E-Bow getragenen Sounds, dann setzen dezente Pickings ein und die Soundwand wächst langsam an. Die Aufnahmen von Serries geben den Sound des Abends gut wieder. Der notdürftig verputzet Kellerraum mit seinen mächtigen Rohren unter der Decke hat den Sound der Gitarre warm klingend und druckvoll weitergeleitet. Nach wenigen Minuten baut Serries eine geloopte Disharmonie in seinen Sound ein, die das sphärisch schwebende Soundgerüst immer wieder auf den Boden zurückholt, wie bei einem Flieger, der kurz vor dem Abflug den Schub zurücknimmt. Leider ist nach knapp 24 Minuten das Set zu Ende. Doch zum Glück bleibt nicht nur die Erinnerung, sondern auch “Microphonics XIX” auf Vinyl.

Die einseitig bespielte 12inch Platte ist in drei verschiedenen Farben direkt über den Tonefloat Shop erhältlich und genau wie alle anderen Microphonics Vinyl-Live-Sets auf 300 Exemplare limitiert. Und nicht nur für Live-Platten-Fans lohnenswert!

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YELLOW6

Posted in Release on February 16th, 2011 by N

Jon Attwood aka Yellow6 reiht sich nicht in die Reihen der drone-affinen One-Man-Guitar-Bands, baut keine düsteren, in sich bewegenden, aneinander reibenden Dronewolken oder Distortionberge… Oder soll man sagen: nicht mehr? Im Gegensatz zu “In Time this too will Fade” mit seiner umarmenden, faszinierenden Melodiösität und einem in der vermittelten Atmosphäre (zumindest für mich, trotz der elektrischen Instrumente, trotz Looper + Co) irgendwie fast folkig-luftigen Charakter ist das 1998’er Yellow6 Debüt „Perception Received/Milestone“ (als 7inch auf Enraptured) ein an den Gehörgängen kratzender Shoegazer-Blueprint, auch wenn Jon Attwood’s Haltung zur Melodie bereits damals durchscheint. Aber, wie es manchmal so ist: der Kontakt ging nach dieser ersten 7inch verloren und die folgenden Unmengen an CDr Veröffentlichungen an mir vorbei. Bis vor kurzem die Platte auf Basses Frequences („Death“, mit Thisquietarmy, Review siehe PLATTEN) und, fast zeitgleich, “In Time this too will Fade” auf Tonefloat’s C-Serie die Erinnerung wiederbrachte. Und die Neugierde.

yellow6

Und gleich das erste der drei ohne Namen bleibenden (oder werden die Namen nur verschwiegen?) Stücke ist eines dieser statuenhaften Stücke, wie gemacht für heavy-rotation ohne Zeitbeschränkung: schon nach wenigen Minuten wirkt die repetetive Hauptmelodie überhaupt nicht mehr wie ein sich wiederholendes Muster, scheint ständig Neues zu versprechen oder schafft es einfach, den Erinnerungsspeicher immer wieder aufs Neue zu leeren und alles Leben außerhalb der Konzentration auf dieses Stück auszuschalten. Und hält für das Ende genau das in der Hinterhand, was wenige Zeilen zuvor noch als Relikt der Vergangenheit für heute ausgeblendet schien: eine schleifende Schicht aus Verzerrung, die sich unter das Stück schiebt und den offenen Himmel von kurz zuvor in einer Art kontrastiert wie es nur ein Gewitter am Horizont kann, das seine ganze Brutalität entlädt, ohne den Standort des Betrachters je zu erreichen. Perfekt auch der spinetthafte Ausklang; allein schon dieses Stück ist die ganze Platte wert…

Seite 2 führt diese Atmosphäre weiter; mit einem Track, der in seiner harmonischen Struktur eine Art ambivalente Haltung zwischen Stillstand und Aufbruch besitzt, dessen Loopgerüst aber wiederum seine eigene Herkunft geschickt bemänteln kann… Der Abschluss als melancholisch wegdriftendes, Schlingern, focussiert auf ein paar einzelne, säulenhafte Akkorde und den Schimmer von Tremolo… wow.

“In Time this too will Fade” von Yellow6 ist bei Tonefloat Records erschienen.

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EX-WISEHEADS

Posted in Release on January 30th, 2011 by N

Ein vielgestaltiges Etwas, das seine wahre Identiät nicht sofort preisgeben möchte… vielleicht sogar gar nicht. …zumindest, was die Details betrifft. So scheint „Heliosphere“, der Opener von “Celestial Disclosure”, dem neuen Ex-Wiseheads Album,  zunächst in atmosphärisch ambienten Räumen zweifelhafter Zuordnung zu verweilen, in einer Art von Erwartung der Ankunft einer Entwicklung in Richtung Aufbruch ins dunkle Erdinnere, wird dann aber unvermittelt (und unvorhersehbar) aufgeweckt; durch Perkussion und einen immer forscher voran tastenden Bass, schüttelt so nach rund der Hälfte seiner gut 17 minütigen Spielzeit auch noch den letzten Rest flächenhaft verhallter Unwägbarkeit ab und lädt schließlich Bläser ein, die Rhythmusgruppe zu ebensolchem zu verführen. Aber, ein nicht unbekanntes Phänomen, die Dunkelheit lässt sich nichts befehlen und so begleitet sie als (nichtsdestotrotz unerwarteter) Widergänger den Ausklang ins nichts… Die Entwicklung des mehr als 20 minütigen „Solar Mass“ ist, in struktureller Sicht, durchaus vergleichbar; die Atmosphäre, die Sounds und  der auf einen einzigen, kurzen Moment der Kraft beschränkte Ausbruch lassen das Stück aber im Gegensatz zu „Heliosphere“ auf nunmehr fast ganzer Länge in einer tückischen Zwischenwelt verharren; versprechend, aber nie erklärend.

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Die sparsamen Akkorde und Läufe der Akustikgitarre am Beginn von „Manikarnika“, in ihrer konkreten Öffnung zum Hörer, scheinen da fast den Anker zu werfen (oder zumindest werfen zu wollen): hin zu einer stärkeren Erdung, nicht nur durch den Sound, auch durch eine Komposition, die wesentlich stärker als zuvor, auf Wiederholung von Motiven und Themen setzt. Wenn diese Erdung auch sofort wieder von einer Melodieführung konterkariert wird, die den Hörer aus einem unbekannten und fernen (arabischen) Land zu grüßen scheint… ein Spiel mit Erwartungen und Überraschungen, selbst hier.

Das Cover ein weiteres Mal von Carl Glover mit einer (nur für mich?) ungewohnten Farbenflut; auch diese nicht ohne hintergründige Fallstricke…catch me if you can?

“Celestial Disclosure” ist beim niederländischen Label Tonefloat Records erschienen.

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FINAL

Posted in Release on January 5th, 2011 by N

Justin K. Broadrick gehört zu der Gruppe der sehr Produktiven und die zwei Säulen dieser Produktivität sind (neben einer Vielzahl anderer Kollaborationen etc.) Jesu und Final. Gerade mit letzterem alter Ego ist er dann, allein, in seiner ganz eigenen, minimalistischen Klangwelt unterwegs, die oft fadenhafte Klangstränge mit sehr präsenter, manchmal abstrakt noisiger Präsenz entwickelt.

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Hier, auf „the Apple never falls far from the Tree“ zeigt sich Final im Sound deutlich hintergründiger und vielschichtiger; tiefer. Und dabei kompositorisch gleichzeitig ausgefeilter als, im direkten Vergleich, auf einem weiten Teil seiner bisherigen Veröffentlichungen, deren Stücke dagegen teilweise fast skizzenhaften Charakter besitzen und trotzdem, durch die unendliche Wiederholung des jeweiligen Themas, dadurch paradoxerweise wie ein in Stein gemeißelter Aufruf ihr unumstößliches Selbst zu behaupten scheinen. Das hat seinen Reiz, keine Frage; die einzelnen Stücke wirken dadurch aber auch oft sehr solitär, brauchen Abstand (voneinander / zum Hörer?), wollen für sich stehen. Auf Tonträger ist das dann unter Umständen etwas anstrengend. Und hier ist dies nun tatsächlich anders…

…und dies alles, ohne den Trademark-Sound zu verleugnen: es ist die Arbeit am Detail, die Entwicklung im einzelnen Stück und die daraus entstehende Spannungskurve sowie, eng damit verbunden, die Dynamik, die diese Platte von Final herausragen lässt. Zudem greift Justin K. Broadrick in den einzelnen (diesmal ohne Titel bleibenden) Tracks auch auf im Kontext „Final“ weniger bekannte (bzw. erwartete) Sounds zurück; erweitert die Palette so um Flächenhaftes, um konkrete Gitarrenapreggios, um Akustikgitarren etc.

justin k broadrick

Und noch einmal Dynamik: Final versteht es auf „the Apple never falls far from the Tree“ nicht nur, jedem einzelnen Stück die passende Entwicklung, Länge und Dynamik zu geben, die 13 Stücke bilden in der hier vorgestellten Reihenfolge mit ihren unterschiedlichen Längen, Betonungen und Stimmungen zudem ein homogenes Werk; atmosphärisch aufbauend, mit einem Schwerpunkt auf der C und der Seite D als Coda. Perfekt. Eine der besten, wenn nicht sogar die beste Final bisher. Auf transparent grünem Vinyl in einem Gatefold, bei Tonefloat Records erhältlich, gestaltet von Tonefloat Hausdesigner Carl Glover von Aleph-Studio. Mit einem Bild hintergründiger Morbidität (und vielleicht sogar subtil religiösem Bezug). Selten so deutlich: je öfter gehört, desto mehr Welten öffnen sich.

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DIRK SERRIES MICROPHONICS

Posted in ontheroad, Release on October 30th, 2010 by D.K.

microphonics

Microphonics ist ein fortlaufendes Projekt des belgischen Gitarristen Dirk Serries, der besser bekannt sein dürfte als Fear Falls Burning oder Vidna Obmana. Unter seinem echten Namen legt Serries nicht nur die Maske des Künstlernamens ab, sondern zeigt sich auch musikalisch von seiner intimsten und fragilsten Seite. Hinter Microphonics verbergen sich live eingespielte Gitarrensessions, bei denen Serries mit seiner Les Paul allein durch Beihilfe von Fuß- und Ebow-Effekten Ambient-Drone-Monumente erschafft. Es ist die Anziehungskraft von subtilen und simplen Gitarrentönen, die hier beim Hörer gewaltige Wirkung erzeugt.

dirk serries

Einige Sessions sind dank Tonefloat Records auf LP verewigt worden und in limitierter Auflage erhältlich. Auf der Sammlung “Microphonics I – V”, die auch auf CD erhältlich ist, sind die ersten Teile der Serie zu hören. Hier hat Dirk Serries 2008 in Tilburg zum ersten Mal einen Einblick in sein Droneuniversum gewährt.

Seit Anfang Oktober ist mittlerweile “Microphonics XIV” über Tonefloat Records erhältlich. Auf der 12inch LP ist der Auftritt von Dirk Serries vom 4. Juli 2010 im Kinky Club in Gent festgehalten. Wie bei allen Sessions spielt hier der Raum, in dem Serries auftritt, eine wichtige Rolle, denn der Livesound erklingt nicht durch die Soundanlagen der Clubs, sondern nur durch den Fender Verstärker von Serries und wird dort direkt aufgenommen und nicht durch das Soundboard gejagt. Somit nehmen die Aufnahmen auch die Atmosphäre des jeweiligen Raumes auf. In Gent ist Serries beispielsweise vom Holzboden der Bühne begeistert gewesen, weil dieser die tiefen Basstöne seiner Gitarre verstärkt hat. Die Rohfassung des Auftrittes könnt ihr euch auf  Fluid Radio im Stream anhören.

Aktuell ist Dirk Serries mit seiner Microphonics Serie auf Tour und spielt zusammen mit N in diversen deutschen Städten. Wer “Microphonics XIX” live miterleben möchte, sollte unbedingt eines der unten aufgeführten Konzerte besuchen.

microphonics n tour 2010


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DIRK SERRIES

Posted in ontheroad, Release on January 22nd, 2010 by D.K.

microphonics tour 2010 flyer

Der Belgier Dirk Serries, besser bekannt als Fear Falls Burning, geht mit seiner Microphonics Serie im April auf Tour und hat auch gleich zwei neue Veröffentlichungen im Gepäck. Microphonics ist ein Projekt, das die ruhigere Seite von Dirk Serries Gitarrenspiel wiedergibt. Während er sich bei Fear Falls Burning auf Drone-Melodien konzentriert, steht bei Microphonics das Einfangen von atmosphärischen Ambientklängen im Vordergrund.

Das niederländische Label Tonefloat Records veröffentlicht im Februar das Debüt “Microphonics I-V” zum ersten Mal auf CD. Die neueste LP “Microphonics XII” erscheint zum Start der Tour am 10. April und ist zunächst nur während der Tour erhältlich.

Die genauen Termine bei uns im Lande findet ihr auf unserer ONTHEROAD Seite.

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FEAR FALLS BURNING & FINAL

Posted in Musik on October 6th, 2009 by D.K.

Wie Dirk Serries alias Fear Falls Burning auf seiner Twitter Seite verlauten ließ, wird voraussichtlich im Dezember eine Kollaboration mit Final bei Conspiracy Records erscheinen. Dort sind bereits Fear Falls Burning Zusammenarbeiten mit Nadja und Birchville Cat Motel erschienen.

fear falls burning final

Wie das Zusammenspiel von Fear Falls Burning und Justin K. Broadricks Final klingt, könnt ihr bereits auf “Once We All Walk Through Solid Objects” hören. Auf der 5 LP Sammlung, die bei Tonefloat Records erschienen ist, finden sich unter anderem Kollaborationen mit Harvestman und Bass Communion.

Die LP Sammlung ist auch bei Denovali Records erhältlich.

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