PILIA & SPACCAMONTI

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Paolo Spaccamonti und Stefano Pilia sind zwei italienische Musiker, die sich auf Gitarrensounds konzentrieren. Die beiden italienischen Indielabel Escape From Today und Brigadisco haben sich was feines einfallen lassen und eine Split-Vinyl-Veröffentlichung herausgebracht, die jeweils eine EP beinhaltet.

Seite A beinhaltet “Frammenti” von Paolo Spaccamonti und gibt mit drei Stücken einen Einblick ins Schaffen des bisher eher unbekannten Musikers. Spaccamonti beschäftigt sich sehr mit melodiösen Tracks mit klarer Songstruktur und eingängigen Parts. So macht es auch Sinn, dass er für seine Stücke auch Drums einspielen lässt, die ohne viel Wirbel den Rhythmus der Gitarre mitgehen.

Seite B wird von “Stand Behind The Men Behind The Wire” behaust, der aktuellen EP von Stefano Pilia. Wer Pilia noch nicht kennen sollte, hat hier die Möglichkeit einer kleinen Auswahl seines Repertoires zu lauschen. Pilia nutzt das Spektrum von Gitarrensounds voll aus. Auf zwei akustischen Stücken zaubert er mitreißende Arpeggios und auf den restlichen drei Stücken geht er experimentelle Wege auf der E-Gitarre.

Eine lohnenswerte Veröffentlichung für alle, die an frischen experimentellen Gitarrensounds interessiert sind.

Tags: , , , , , ,

DANIEL MENCHE UND DIE WÖLFE

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Daniel Menche aus Oregon beschäftigt sich mit Sounds aller Art. Seine Arbeiten entstehen, indem er Field Recordings oder andere Soundquellen als Basis verwendet, um daraus seinen eigenen Sound zu modellieren. Er bewegt sich dabei zwischen Ambient und Noise und schafft Klänge, die mal kakophonisch mal melancholisch klingen können. Wer sich mit Menche beschäftigen möchte, sollte also gute Nerven haben.

Auf “Vilké” (in Litauen das Wort für den weiblichen Wolf) beschäftigt sich Menche mit animalischen Soundquellen. Nachdem er auf einem seiner Streifzüge durch die Wälder das Geheule von Wölfen festhalten konnte, hat er sich daran gesetzt, genau diese Sounds zu einem Album umzuformen. Das Resultat ist das viergeteilte Album “Vilké”. Vier Tracks, die allesamt an der 19 Minuten Marke kratzen, nehmen den Hörer mit in die zutiefst gruselige Soundwelt von “Vilké”. Der erste Teil beginnt mit einem brachial lauten Drumming, das allmählich leiser wird und sich im Hintergrund einer elektronisch verfremdeten Noisewand wiederfindet. Die Wölfe sind nicht mehr zu erkennen, dafür sorgt Menche mit Drums, Piano und Gitarren, die ebenfalls nicht direkt zu erkennen sind. Die Sounds der Wölfe hat Menche durch den Rechner gejagt und so verfremdet, dass sie teils choral, teils noisig klingen. Im dritten Teil überlappen sich Drumsounds zu einer Art Black-Metal-Rhythmus-Wolke, die von verfremdeten Wolfsgesängen verschlungen wird. Erst im letzten Teil kann der Hörer auch mal durchatmen und sich auf einzelne Sounds konzentrieren ohne Angst zu haben, von kakophonischen Soundschwaden überrascht zu werden. Die letzten 19 Minuten gleiten vor sich hin und es entsteht eine Art melodisches Rauschen. Unheimlich.

Sige Records hat “Vilké” in Form gebracht und bietet das Album als Doppelvinyl mit Artwork von Faith Coloccia (Mamiffer) an und als limitiertes Tape inklusive einer DVD, auf der Menche mit Hilfe des Artworks von Coloccia ein Video zum Album verewigt hat. Das düstere geheimnisvolle Artwork passt auf jeden Fall sehr gut zum Album und rundet das Gesamtpaket ab.

Tags: , , , , , ,

DUCHAMP

Posted in Release on March 31st, 2013 by D.K.

DuChamp ist eine italienische Musikerin aus Berlin, die sich ganz dem Erschaffen von Dronetracks verschrieben hat. Es gibt viele Beweggründe, warum Musiker von Dronesounds begeistert sind, allerdings ist der Grund von DuChamp ein äußerst außergewöhnlicher: Drones erinnern die Italienerin an ihre Kindheit als ihre Mutter ihr die Haare geföhnt hat, was ihr damals sehr gefiel.

Auf der Suche nach dem perfekten Dronesound, der das Föhnwohlgefühl ihrer Kindheit einfangen kann, hat Duchamp ihr erstes Album “Nar” aufgenommen. Fünf Stücke voller Drones, die aber weitaus mehr sind als einfaches Gedröhne a la Föhn. “Gemini” basiert auf Akkordionsounds, die übereinandergelappt eine warme dronige Fläche ergeben. “Protect me from what I want” überrascht mit Bassläufen, die dem Track eine Struktur verleihen. “A whorship” wird von mantraähnlichen Vocals begleitet. Die Zutaten sind einfach: Gitarre, Bass, Akkordion, ein paar Töne aus dem Keyboard und natürlich eine Reihe an Effekttretminen. Das Ergebnis dieser Föhnsoundsstudie ist eine klanghafte Reise, die auch mal Sonic Youth-ische Sounds hervorbringt, wie im Abschlusstrack “Seisachtheia”. Einen Föhn hört man auf dem Album im großen Ganzen nicht, was das Gehörte aber in keinster Weise abwertet.

Das italienische Label Boring Machines veröffentlicht Anfang April “Nar” auf Vinyl.

Tags: , , , , ,

GOG – IRONWORKS

Posted in Release on December 9th, 2012 by D.K.

UTECH_075.jpg

Gog ist das Projekt des Multiinstrumentalisten Mike Bjella, der mit “Ironworks” ein Album präsentiert, das die Aufmerksamkeit des Hörers nur so an sich saugt. Entstanden ist das Album auf Basis von Aufnahmen, die in der Schmiedewerkstatt von Bjellas Familie festgehalten wurden.

Gog vermengt noisige Field Recordings mit Gitarren- und Klaviermelodien, streut hier und da wortlose Vocals ein und erschafft dadurch eine Atmosphäre, die viele als düster oder nihilistisch empfinden. Wer sich Zeit nimmt für “Ironworks”, der kann viel entdecken auf seiner Hörfahrt durch die Welt von Gog.

ironworks.jpg

Allein der Opener “1870-1906″ hört nicht auf sich zu entfalten. Maschinengestotter legt den Rhythmus, noisige Gitarren bauen Klangflächen auf und Klaviertöne geben hoffnungsvolle Melodien rein. Ein Auf und Ab der Gefühle. “Tasks Which Destroy Body And Soul” walzt und brettert gewaltiger als jeder Doom Metal Song mit Drums, hier halt ohne Drums, sondern mit Maschinen Field Recordings. “God Says To Love You In Chains” nimmt Druck raus und baut auf bassige Drones, verschwommene Vocals und Klavierklänge. Die B-Seite der Platte beginnt mit “A Promised Eternity Fulfilled with Cancer”. Der Track klingt sehr persönlich und ist von der Stimmung her wie der Titel eine Vermengung aus der Summe der einzelnen Teile: Hoffnung, Trauer, Wut… “Into Her, She Carved The Word Empty” besteht minutenlang nur aus Field Recordings, bedrohlich, dann greift eine Noisewand an, aus der gruselige Stimmen und andere angsteinflössende Sounds hervorgehen. Genial. “I Draw May Strength From You” fliesst wie fast erstarrte Lava aufs Ende der Vinylrille zu.

“Ironworks” ist über Utech Records als schwarzes Vinyl (300er Auflage) oder als Download über die neue Bandcamp Seite des Labels erhältlich.

Tags: , , , , ,

SUM OF R – RIDE OUT THE WAVES

Posted in Release on October 14th, 2012 by D.K.

Sum Of R haben sich letzten Sommer für ein paar Termine nach Deutschland begeben und dabei einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ihr selbstbetiteltes Debut Album ist bereits vor vier Jahren über Utech Records erschienen. Aus der Erstbesetzung ist nur Gründer Reto Mäder geblieben. An seiner Seite ist jetzt Julia Wolf an der Gitarre. In dieser Formation haben Sum Of R an einigen Songs gearbeitet, die ursprünglich als Tape Relaese veröffentlicht werden sollten. Nachdem das Label Storm As He Walks die Aufnahmen gehört hat, war es den Labelleuten ein Vinyl Release wert.

TPR_sum_of_r_cover.jpg

“Ride Out The Waves” ist ein sechsteiliges Werk, dass die dunkle Seite des Rock n Rolls bewandert. “Growing Into Something Special” beschäftigt sich wirklich mit dem Wachsen, denn der Sound wächst von der ersten Sekunde an. Aus einem hallenden Ambientstück bricht gegen Ende ein Drumrhythmus aus. “In The Fields Of Trust” zeigt, wie leicht sich Doom- mit Rockriffs vereinen lassen, so dass ein sowohl schwerfälliger als auch treibender Song entsteht. Dabei ist klar erkennbar, dass Reto Mäder der Mann für das Experimentelle und Düstere ist und Julia Wolf Sorge trägt, eine gehörige Prise Gitarrensounds einzubringen. Genauso verhält es sich auch in “Echo”, hier blinzelt sogar ein wenig Black-Metal-Sound durch. “Captured Lightning” setzt nicht auf treibende Sounds, sondern auf fließende Dynamik. Drums, Percussion und Saiteninstrumente im Einklang. Es öffnet sich das Tor für “Alarming”, denn hier preschen die Sounds wieder auf den Hörer ein. Die Gitarre ist rauh und hallig, die Drums trocken und langsam, Sirenen ertönen…

Diese Platte wandert durch düstere und experimentelle Pfade und lockt den verängstigten Hörer mit treibenden Riffs und Drums. Gelungenes Zwischenspiel. Wir bleiben gespannt und warten auf das zweite Full Length Album, das nächstes Jahr via Utech Records erscheinen soll.

Die Platte gibt es hier zu bestellen.

Tags: , , , ,

MAMIFFER & PYRAMIDS

Posted in Release on September 23rd, 2012 by D.K.

Mit Mamiffer und Pyramids haben zwei Bands auf einer Split zusammengefunden, die von ihrer Herangehensweise her sehr gut zusammenpassen. Mamiffer vermengen klassische Elemente mit experimentellen Sounds und Pyramids vermengen elektronische Sounds mit Klängen echter Instrumente. Beide erzeugen durch diese Klangfusionen eindringliche experimentelle Tracks, die vor allem durch ihre Vielfältigkeit überzeugen.

mamiffer_pyramids_artwork.jpg

Seite A der gemeinsamen Split LP gehört Mamiffer. Wer mit Mamiffer Veröffentlichungen vertraut ist, der weiß, dass Splits und Eps immer ein wenig vom Sound der Alben abweichen, so auch hier. “Sophia” gleitet förmlich durch die Nadel in die Lautsprecher. Verzerrte langgestreckte Gitarrensounds breiten sich aus, das Klavier spielt eine melancholiche Melodie. Der Hörer wird in eine Klangwelt gelockt, die Geborgenheit signalisiert. Der Song steigert sich in seiner noisigen Note und mündet in eine Art Mantra aus elektronisch vefremdeten Instrumentensounds. Man könnte ewig zuhören… “Ticha Noc” hat den Geist von House of Low Culture Tracks. Unbeugsam schreiten die noisigen Sounds voran. Mysteriöse Vocals unterstreichen das Gesamtbild, das die Sounds vermitteln. Hier treffen so viele Sounds aufeinander, dass selbst nach mehrfachen Hören immer wieder ein neues Element entdeckt werden kann.

Seite B wird vom 13minütigen “This Is One For Everyone” geschmückt. Die Pyramids tauchten vor einigen Jahren aus dem Nichts auf. Man wusste nichts über sie, nur das ein Typ namens R. Loren die Geschicke der Band in der Hand hat. Heute ist es nicht anders. Pyramids sind ein Mysterium und bleiben es auch. Der Song schreitet durch verschiedene Phasen, in denen immer wieder neue Elemente aufeinander stoßen. So verwundert es nicht, dass Ambientsounds auf Breakbeats und Field Recordings treffen und im nächsten Moment sphärische Gesänge den Song in eine ganz andere Richtung lenken. Keine Schublade, eher ein Schrank voll Stilrichtungen, in denen sich Pyramids ausleben.

Die Mamiffer & Pyramids Split erscheint Ende Oktober über Hydra Head Records, ausschließlich auf Vinyl.

Mamiffer sind übrigens im Oktober zusammen mit Menace Ruine aus Kanada auf Tour durch Deutschland und spielen am 26. Oktober ein exklusives Konzert in der Christuskirche Bochum.

Tags: , , , , , , ,

DEEP LISTENING BAND – NEEDLE DROP JUNGLE

Posted in Release on August 12th, 2012 by D.K.

Als die Aufnahmen zu “Needle Drop Jungle” entstanden sind, waren die drei Beteiligten 221 Jahre alt. Das mal als kleines hochachtungsvolles Vorwort. Die Deep Listening Band, bestehend aus Pauline Oliveros, Stuart Dempster und dem mittlerweile verstorbenen David Gamper, hat im Januar 2011 mehrere hundert Minuten an Material eingespielt. Anlässlich des diesjährigen achtzigsten Geburtstags von Pauline Oliveros haben Important Records neben einem Oliveros Boxset zwei Alben mit den Aufnahmen der Deep Listening Band veröffentlicht und da es genug Material gibt, das gehört werden muss, folgt jetzt “Needle Drop Jungle” via Taiga Records.

NeedleDropJungle.jpg

Die Aufnahmen von “Needle Drop Jungle” sind alle in der “Town Hall Seattle” entstanden. Das Gebäude besticht durch hohe Decken und der Fusion von Tonnen- und Kuppelgewölbe. Genug Raum für die Entfaltung von Klängen. Genau das ist auch das Ziel der Deep Listening Band. Mit Klavier, Akkordion, Posaune, Klangmuscheln und diversen anderen Hilfsmitteln entsteht in “Landgrove” eine raumfüllende Klangwolke. Aus allen Seiten der Lautsprecher ertönen die verschiedensten minimalistischen Sounds, die im Kopf des Hörers zu einem Ambientsong zusammengeführt werden können. “Jungle Howl” schleicht sich zunächst mit filigranen Sounds in die Ohren um dann mit einer Art Posaunendrone auszubrechen, während sich im Hintergrund eine Rhythmusfläche aufbaut. Besonders dann, wenn die Posaune klar erkennbar ist, erinnert der Sound an Horrorscores aus den Siebzigern. Gegen Ende spielen sich die drei Musiker aufeinander ein und gleiten mit ihren Sounds minutenlang durch die Town Hall. “Friday Mighty” ist völlig losgelöst von Songverpflichtungen. Hier steht die kontrollierte Improvisation im Mittelpunkt. Ein kleiner Ausbruch. “Tomorrow´s Power” fließt. Akkordion, Posaune gleiten ineinander. Man kann es sich förmlich vorstellen, wie die Sounds allmählich den ganzen Raum füllen und von einer Seite des Raums auf die andere Seite rüberhallen. Erhabene Drones.

NeedleDropJungle_b.jpg

Vier Songs, alle über 15 Minuten lang, auf vier Vinylseiten verteilt und mit einem passenden Artwork versehen. Denn genau wie das Wasser, das beim Abfliessen gefriert und aus einem Eiszapfen ein Eiskunstwerk enstehen lässt, erzeugen hier die einzelnen Instrumente in der Fusion mit dem Raum ein Klangkunstwerk.

Die Deep Listening Band ist Bestandteil des von Pauline Oliveros ins Leben gerufenen Deep Listening Institute. Wer sich informieren möchte sollte an dieser Stelle anfangen.

“Needle Drop Jungle” ist über den Taiga Records Shop erhältlich.

Tags: , , , , , ,

EVAN CAMINITI TRÄUMT NICHT

Posted in Musik on July 21st, 2012 by D.K.

Kaum hat er sein letztes Soloalbum veröffentlicht, bringt Evan Caminiti sein nächstes Album raus. Auf “Dreamless Sleep” öffnet Caminiti die Tür in eine psychedelische Welt voller Gitarren und Synthiedrones.

dreamless sleep

Schon bevor man die Musik hört, beschäftigt einen das ungewöhnliche Artwork. Da wo Evan Caminiti sonst mystische Zeichnungen oder Landschaften auf die Cover seiner Alben und die von Barn Owl zaubert, ist jetzt eine Fotografie zu sehen. Diese zeigt im 70er Jahre Stil und mit starker Farbprägung von dunklen Schatten bedeckte Pfeiler, hinter denen ein purpurner Himmel schimmert und eine nicht erkennbare, verhüllte Figur im Mittelpunkt steht. Eigentlich ist auch genau das zu hören auf “Dreamless Sleep”. Sounds, die geprägt sind von 70er Jahre Klängen, mit dunklen Seiten, aber auch mit sphärischen Passagen. Kosmisch, psychedelisch und mit einer großen Prise düsterer Dronegitarren versehen. Die sieben Songs bewegen sich zwischen vier und sieben Minuten, sind getrennt und klingen trotzdem wie eine große Einheit. Wer das Album zum ersten Mal hört, sollte die Platte unbedingt im Anschluss sofort wieder hören. Die Songs klingen beim zweiten Durchhören, durch die Art wie sie sich während der Albumlaufzeit entwickeln, erstaunlich anders oder werden anders wahrgenommen. Ein Klangerlebnis oder Klanggefühl, das man schlecht beschreiben kann, aber auf jeden Fall mal erleben sollte. Warum sollte man hierbei nicht träumen können?

evan caminiti

“Dreamless Sleep” erscheint im August über Thrill Jockey Records.

 

Tags: , , , , ,

EXPO ´70

Posted in Release on February 4th, 2012 by D.K.

Expo´70 ist der Amerikaner Justin Wright und wie der Bandname schon verspricht, geht es hier um die 70er, genauer gesagt zeigt uns Justin Wright, wie experimentelle Drone und Ambientmusik klingen könnte, wenn wir uns jetzt in den 70ern befinden würden. Ein bisschen Krautrock, ein wenig Psychedelic und so ein Hauch Avantgarde mit moderner Seele, das ist Expo´70. Was Expo´70 auch ist, ist produktiv. Denn was innerhalb einer kurzen Zeitspanne veröffentlicht worden ist, lässt staunen. Deswegen widmen wir uns jetzt exemplarisch einer der neuesten Veröffentlichungen.

expo70 artwork_1.jpg

„Hovering Resonace“ ist eine 12inch Vinyl EP, die über das kleine Label Sound Of Cobra erschienen ist. Darauf vertreten ist der 15minütige Titeltrack, der mit seinen kosmischen Drones gepaart mit Retrosoli und subtilen Synthieflächen und einem subtilen Groove überzeugen kann. Expo´70 versteht es, die verschiedenen Einflüsse gekonnt zu dosieren, so dass der Gesamtsound eine eigene Note erhält. „Moon Raga“ groovt sich mit Tribaldrums und sphärischer Gitarrenuntermalung ein und schließt die EP vorantreibend ab. Hier ist nicht Schluß. Expo´70 macht Lust auf mehr. Wem diese EP gefällt, der sollte sich unbedingt auch mit dem restlichen Material von Expo´70 beschäftigen.

Passend zur Musik ist das von Justin Wright designte Artwork auch ganz in den 70ern verhaftet. Bei dieser EP wurden die ersten 100 Exemplare (von 200) im handgemachten Siebdruck geliefert. Inzwischen hat das Label schon keine einzige Kopie mehr davon. Das heißt: Mailorders durchsuchen!

expo70

Tags: , , , , ,

PETRELS

Posted in Release on January 28th, 2012 by N UND D.K.

haeligewielle.jpg

Der Brite Oliver Barrett alias Petrels baut aus einer Unmenge von instrumentalen Schichten, nein, keine eigentlichen Drones, sondern eine Art wortloser Songs ohne Rhythmus. Wo andere durch Schichtung undurchdringliche Monolithen stapeln, die geradezu bedrohlich vor dem Hörer aufragen und tiefe Schatten werfen, sind die Schichten von „Haeligewielle“ eher fein gewebt; mit Luft zum Atmen dazwischen und Ausblick ins Dahinter. Und dem Wissen um Dynamik; wenn beispielsweise in „Canute“, eine gleissende Spitze erreicht wird. Und dem Wissen um überraschende Instrumentierung, wenn in „Concrete“, die ansonsten allgegenwärtigen Gewebe akustischer (oft auch Streicher) und elektrischer Instrumente durch einen Chor abgelöst werden, der dem Stück einen noch menschlicheren Charakter verleiht, noch wärmer und runder, noch organischer als bei den anderen sechs Songs. Wobei es nicht wundern würde, wenn sich herausstellen sollte, dass dieser Chor Oliver Barrett allein ist; ein gewisses (und gesundes) Maß an Versponnenheit schimmert immer wieder zwischen den Zeilen hindurch und lässt „Haeligewielle“ trotz aller Klangereignisse stellenweise auch ganz leicht wirken, jenseits von Soloautismus oder dem Eingepferchtsein in sein eigenes Konzeptkämmerlein…

petrels

Insofern ist „Haeligewielle“ einfach nur ein perfektes Beispiel, was immer wieder aufs neue möglich ist, wenn sich Leute von Vorgaben und Vorbildern lösen und ihr ganz eigenes Ding entwickeln; hier im Fall von Drone / Experiment / Ambient. Völlig klischee- und dabei alles andere als harmlos; Wolf im Schafspelz. Perfekt. (N)

Auf CD und Vinyl über Denovali Records erhältlich.

allthingsincommon.jpg

Mit der neuen 2-Track EP „All Things In Common“ führt Petrels seinen Soundkosmos fort und setzt genau da an, wo er mit „Haeligewielle“ aufgehört hat. Ein noisiger Beat, Elektrogeflirre in „Thomas Muntzer“, alles verschmilzt allmählich, dann eine Noisewand, die ständig in den Song hereinbricht um sofort wieder zu entschwinden. Die Auflösung des Noiseknotens durch eine Art Mellotron-Cello-Klangfläche. Was Petrels hier wirklich als Instrumentierung vewendet hat, ist nicht wirklich klar. Klar ist, dass der Song unter die Haut geht… besser… fliesst. Die 10 Minuten Laufzeit kommen einem so kurz vor.
Die B Seite „Leonora Christine“ mit orchestralem Anfang, verloren im Hall, schwebend, nicht greifbar und deswegen so unheimlich schön. Dann überraschend der Bruch mit einem Elektroglockenspielbeat und einer filigranen Synthiemelodie. Cooler Beat oder besser gesagt Rhythmus mit Kopfnicktendenzen. Die Streichersounds vom Anfang kommen wieder… Großes Ohrenkino. (D.K.)

„All Things In Common“ gibt es als 10inch Vinyl und als kostenlosen Download. Natürlich auch über Denovali Records.

Tags: , , , , , , , , ,

EQUUS – WIE ER IN DIE WELT KAM

Posted in Release on January 22nd, 2012 by D.K.

Die Schweizer Band Equus ist seit ihrem Debüt “Eutheria”, das 2008 über Get a Life! Records erschienen ist, nicht wegzudenken aus der Schweizer Instrumentalbandsszene, zu der u.a. Shora, Shelving und The Evpatoria Report gehören. Das Debüt beinhaltet drei epische Stücke, die in einer Spielzeit von 15-30 Minuten eine Fusion aus Kraut-, Prog- und Postrock vereinen. Wer die Platte noch nicht gehört hat, sollte dies unbedingt nachholen.

cover.jpg

Fast vier Jahre später steht jetzt der Nachfolger “Wie er in die Welt kam” im Plattenregal. Equus haben sich Paul Wegeners Film “Der Golem, wie er in die Welt kam” von 1920 als Grundlage genommen und dafür einen neuen Soundtrack erschaffen. Das Resultat ist ein 40minütiges Album mit 14 Tracks, auf denen Equus ihr Repertoire an Instrumenten, zu denen neben Drums, Bass, Gitarre und Piano auch ungewöhnlichere Rockinstrumente wie die Melodica, das Clarinet, das Harmonium und das Mellotron gehören, zu einer treibenden fließenden Einheit verschmelzen, die unter die Haut geht. Auch ohne die Bilder des Stummfilms funktionierend zeigen sich Equus verspielter und vielseitiger als auf dem Debüt, klingen aber trotzdem auf beiden Platten unverkennbar. Ein stilistisches Festlegen ist hier fast schon überflüssig, denn die Band macht weder Postrock, noch Krautrock, sondern ihr ganz eigenes Ding, das aber Fans der beiden genannten Musikrichtungen gleichermaßen gefallen dürfte. Wenn dann noch ein Clarinet einsetzt und von Piano und Mellotron dronig untermalt wird, kann hier nicht mehr von Rock gesprochen werden. Auf alle Fälle ein Highlight!

Zur Musik passend kommt das Album in einer hochwertigen,handgemachten Vinylummantelung von Shayo Records.

equus_vinyl.jpg

Tags: , , , ,

WINO & CONNY OCHS – HEAVY KINGDOM

Posted in Release on January 13th, 2012 by M.H.

winochs_picture

Es war im September 2010 in der Iserlohner Dechenhöhle. Wir kamen scheinbar als erste Augen- und Ohrenzeugen am Bühnen-/Publikumsbereich der Höhle an. Zwei Musiker standen mit umgehängten Gitarren am Bühnenrand, vertieft in ein angeregtes Gespräch und eine Art Soundcheck. Der eine war offensichtlich Wino, der andere, das reimten wir uns zusammen, musste der als Opener angekündigte Conny Ochs sein. Wino warf uns ein kurzes, aber sympathisches “Hey Guys!” entgegen, bevor er sich wieder seinem Gesprächspartner widmete.

Zu diesem Zeitpunkt war uns nicht bewusst, dass sich an diesem Abend vor unseren Augen eine außergewöhnliche Kollaboration anbahnen sollte, dass an diesem Abend und auf der dazugehörigen Tour ganz offensichtlich zwei Brüder im Geiste zusammegefunden haben. Wino war mit seinem letzten Soloalbum “Adrift” unterwegs und Exile On Mainstream Records hatten Ochs, schon seit Jahren Mitglied der Exile On Mainstream Familie, als Opening Act und Fahrer mit auf die Tour gebucht. Eine Wahl, die sich im gemeinsamen Zugabenteil, nach den jeweiligen Solo-Sets der Künstler, als wahrer Glücksgriff der Plattenfirma herausstellen sollte, lieferten sich die beiden doch packende Gitarrenduelle und ließen – zum Finale noch zusätzlich verstärkt durch Darsombra (der dritte Solokünstler des Abends) und Jim Sparky – ein gründlich beeindrucktes und berauschtes Publikum zurück.

winochs_dechenhoehle

Als naheliegende Folge präsentieren die beiden nun mit “Heavy Kingdom” ihren ersten gemeinsamen Longplayer, der nicht weniger darstellt, als ein Fest für Freunde anspruchsvoller Singer/Songwriter-, Blues-, Americana-Kost. Schon das eröffnende, maximal reduzierte “Somewhere Nowhere”, mit seinem von Wino mehr gesprochenen als gesungenen Text, erzeugt eine fast andächtige Stimmung. Im folgenden Titelsong tritt auch Conny Ochs merklich in Erscheinung, das Album nimmt bedächtig Fahrt auf und man ist sich erstmalig gewiss, dass die Magie von der Bühne ins Studio hinüber gerettet werden konnte.

Die Texte sind persönlich, tiefgründig und authentisch. Sie transportieren Schwermut, jedoch auch immer den erlösenden Funken Hoffnung und Zuversicht. Sowohl die Akustikgitarren, als auch die teilweise zweistimmigen Gesangsmelodien bilden eine harmonische Einheit und beschwören Erinnerungen an die Dechenhöhlen-Sessions herauf. Selten mal schleichen sich ange- oder gar verzerrte Gitarrensoli ein, wie etwa bei meinem persönlichen Favoriten “Vultures By The Vines”, einem der vielen emotionalen Höhepunkte. Das beschwingt nach vorn gehende “Labour Of Love” beschließt ein rundum gelungenes Album und belegt nachdrücklich, dass hier ein Duo am Werk ist, das den Rock N’ Roll in sich trägt.

winochs_layout

Erscheinen wird “Heavy Kingdom” am 27.01.2012 auf Exile On Mainstream Records, sowohl im CD-Format, als auch auf Vinyl.

Allen Berlinern unter euch sei gesagt, dass heute abend im Red Rooster Club ab 21 Uhr eine Record Release Party stattfinden wird. Allen anderen empfehlen wir die gemeinsame Europa Tour der beiden im März/April. Die Termine für den deutschsprachigen Raum findet ihr hier.

Tags: , , , , , , , , , , ,

LOCRIAN – THE CLEARING

Posted in Release on December 14th, 2011 by T.H.

Was mich an Locrian fesselt, ist leidlich zu beschreiben. Man kann ihnen eigentlich nur Unrecht bereiten, sobald man versucht, das kurz zuvor Erlebte in eigene Worte zu fassen. Entdeckt habe ich sie mit “The Crystal World” und dort war es sicherlich die perfekte Vertonung eines von Intensität und steigender Spannung geprägten Aufbegehrens gegen etwas Unbestimmtes, etwas alles Verschlingendes. Etwas, das schließlich doch gewinnt und jeglichen Widerstand in einem wunderschönen, gewaltlosen Akt erstickt und ewigem Stillstand beendet.

locrian the clearing

“The Clearing” von Locrian ist wie ein Echo dieses letzten Moments und des vorangegangenen Kampfes. Ein Gefühl aus vergangenen Tagen, verzerrt und idealisiert, doch hinter diesem Schleier von abgrundtiefer Gleichgültigkeit geprägt. Etwas, das einem erst zum Ende der Reise wieder bewusst wird und gedankenlos zurücklässt. Das große Finale des Vorgängers fehlt, die Vocals unterstützen subtiler und die erhabenen, sich über den Drone erhebenden Momente wirken vorhersehbarer gestreut. Choraler Gesang übertönt die zunächst ruhigen Passagen, während das erschütternde Gekreische immer noch bedrohlich und aus einer völlig anderen Dimension zu kommen scheint.
Doch dieses Mal ist es anders, denn man ist bereits verloren. Es existiert nur die Suggestion, dass die alte Welt noch zu greifen, ein Aufbegehren noch von Nutzen sei. Die Hoffnung, ein letztes Mal alles zum Guten wenden oder stattdessen mit sich in den Abgrund reissen zu können. Und dann wartet man 17 unendliche Minuten auf den herbeigesehnten Moment, bis dieser niemals eintrifft.

Locrian_by_Rik_Garret.jpg

Währenddessen alternativ von meinem zweiten, inneren Auge aus betrachtet:
Vor mir am Lagerfeuer sitzt ein in sich gekehrter Mönch mit mongolischem Antlitz (ohne Kapuze), der mir bei leisem Kehlgesang versucht unmissverständlich zu versichern, dass ich weder im Himmel noch in der Hölle bin. Zunächst stelle ich mir selbst noch die unbestimmte Frage, weshalb ich hierhin geführt wurde, bis ich plötzlich anfange mich schemenhaft zu erinnern und dabei merke, wie meine Zunge schwerer und meine Hände und Beine immer tauber werden. In dem Moment, als ich ein letztes Mal den Kopf anhebe, um mein Gegenüber fragend anzublicken und dabei in seine klaren, leblosen Augen schaue, erstarre ich krächzend und mit offenem Mund, während er nur weiter singt und singt und singt…

“The Clearing” ist als Vinyl inklusive Download über Fan Death Records erschienen und direkt über Locrians Shop erhältlich.

Tags: , , , , ,

SHRINEBUILDER – LIVE IN EUROPE 2010

Posted in Release on August 27th, 2011 by D.K.

shrinebuilder artwork

Als Ende März 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull anfing Feuer zu spucken, hätte sich niemand gedacht, das einen Monat später eine riesige Aschewolke die halbe Luftfahrtwelt lahm legen wird. Shrinebuilder waren schon abflugbereit für Ihre erste Europatour, die dann leider ausfallen musste. “Wenn jemand diese Band aufhalten kann, dann doch wohl nur ein Vulkan”, meinte ein Freund scherzhaft (lustiger Weise auch im ähnlichen Wortlaut Teil des Pressetextes zur Platte). Die Tour ist einige Monate später nachgeholt worden, währenddessen sich die Band dachte, einige Shows aufzunehmen um eine Liveplatte für alle die zusammenzustellen, die zur ersten Tour kommen wollten, aber die Ersatztermine nicht wahrnehmen konnten.

shrinebuilder_live

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. “Live in Europe 2010″ erscheint Anfang September über das neue deutsche Label My Proud Mountain als 1000er Auflage auf 12inch Vinyl und beinhaltet vier Songs. Seite A umfasst “Science Of Anger” und “The Architect” live aus Ravenna. Produzent Toshi Kasai (Big Business und Melvins) hat sich des Livematerials angenommen und einen fetten, trockenen Mix hingelegt, der die Songs rauh durch die Boxen schießen lässt. Auf Seite B ist das bisher unveröffentlichte Shrinebuilder Stück “We Let The Hell Come” verewigt. Eine von Scott Kellys tiefer Stimme getragene Bluesnummer, die sich zum Ende hin in ein Doommonster verwandelt. “Solar Benediction” aus dem Berliner Berghain schließt die Platte ab. Das Hörerlebnis wird noch durch das passende Artwork ergänzt, auf dem Satellitenaufnahmen des Vulkanausbruches zu sehen sind. Einziger Kritikpunkt ist, dass genau die beiden Songs fehlen, die ich am besten finde. Aber das ist Geschmackssache.

Auf alle Fälle ein Muss für jeden “Saint-Mel-Neur-Om” Fan.

Tags: , , , ,

KODIAK & N – RN/XE

Posted in Musik on August 13th, 2011 by D.K.

Letztes Jahr haben sich die drei Musiker von Kodiak mit dem Ambientdronegitarristen N zusammengetan, um einen gemeinsamen Auftritt für das letztjährige Denovali Swingfest einzuproben. Wir haben die Vier kurz nach den ersten Proben zum Interview gebeten, das ihr hier findet. Dann folgte der Auftritt, der nicht nur beim Publikum gut ankam, sondern auch bei der neuformierten Band Kodiak & N. Es folgten neue Proben und im April der Gang in die Tonmeisterei nach Oldenburg.

Kodiak_N_RnXe.jpg

Jetzt ist das gemeinsame Werk namens “Rn/Xe” fertig. Das Album besteht aus zwei epischen, fast 20minütigen Songs, die jeweils eine Vinylseite einnehmen. Es beginnt mit “Radon”, benannt nach einem Edelgas, wie das Cover der Platte verrät. Gedröhne stimmt den Hörer ein, lullt die Ohren mit Noiseflächen ein, verdunkelt die Gedanken. Man merkt gar nicht, dass das Ganze fast die Hälfte des Songs andauert, dann werden die Vier fast still, nur ein leises Dröhnen ist zu hören, das in einen doomigen Ausbruch mündet. Die Drumsounds preschen hervor, die Saiteninstrumente kreischen, dröhnen, feedbacken, aber alles mit Struktur, was dem Song den besonderen Reiz verleiht. Kurz vor Ende dann wieder die Auflösung des Gewitters in ein fettes Gitarren- und Bassgröhlen.
Der zweite nach einem Edelgas benannte Song “Xenon” dagegen kommt schon zu Beginn zur Sache. Mit eindeutigen Gitarrenakkorden in Anlehnung an Doomsounds aus vergangenen Zeiten. Wer einen Vergleich mit anderen Bands braucht, soll sich die alten Black Sabbath vorstellen, gepaart mit Amenra, Neurosis und Sunn O))). Das gilt zumindest für die erste Hälfte. Denn nach einem gelungenen Bruch wird der Song still und baut sich wieder langsam auf mit delayverzierten Gitarrenmelodien und marschierenden Drums, umhüllt von Gedröhne, das immer lauter wird, und nach einigen Minuten so unerwartet ineinander verflochten im Einklang endet. Begeisternd.

Gut, dass die Vier zusammengefunden haben, denn was hier präsentiert wird sind keine Edelgase sondern Edelmetal vom Feinsten.

“Rn/Xe” ist als schwarzes und schwarzweißes Vinyl über Denovali Records vorbestellbar.Kodiak + N

Tags: , , , ,