EIN KLANGTRIPTYCHON

Posted in Redaktion on April 27th, 2014 by D.K.

Vor zwei Jahren haben wir euch A-Sun Amissa und Aidan Baker mit Maik Erdas in der Christuskirche Bochum präsentiert. Der Abend hatte einige Überraschungen zu bieten. Neben dem komplett improvisierten Set von Aidan und Maik haben sich zum Abschluss des Abend alle Musiker zusammengetan, um eine gemeinsame Improvisation darzubieten.

Die Aufnahmen dieses Abends sind von Midira Records in Zusammenarbeit mit den Künstlern überarbeitet worden und in einer Serie von drei verschiedenen Releases veröffentlicht worden.

A-Sun Amissa machen den Anfang mit der digitalen EP “Christuskirche Bochum 17.02.12”, die es als kostenlosen Download gibt. Das Set des Trios bestand aus den Tracks ihres Debütalbums und dokumentiert einen der ersten Live-Auftritte der Band. Der erhabene Charakter der langsamen Tracks wird hier durch den Kirchenraumsound weiter untermalt und zeigt wie gut Ambient, Modern Classic und Blues zusammenpassen.

“Cameo” nennt sich das Vermächtnis von Aidan Baker und Maik Erdas. Die Herausforderung, an einem Abend aufeinander zu treffen, einen Soundcheck zu machen und danach eine Stunde gemeinsam mit Gitarre und Drums zu improvisieren, haben die beiden Musiker mit Freude angenommen. “Cameo” ist eine zweiteilige Veröffentlichung. Auf der Vinylversion sind zwei Stücke zu hören, die den Anfang und das Ende des Sets dokumentieren, auf der CD ist das ganze dreigeteilte Liveset zu hören. Der Sound dieses Zusammentreffens wandert zwischen Ambient, Drone, Doom, Kraut- und Spacerock und steigert sich immer weiter zu einer massiven Soundwolke, die auch während des Liveauftrittes die Kirche komplett eingehüllt hat, um dann mit den letzen Drumsounds zu verstummen. “Cameo” ist als LP/CD Set in einer Auflage von 250 Stück erschienen und hier erhältlich.

Digital, Vinyl und CD hatten wir schon, fehlt nur noch ein Tape. Das gibt es von A-Sun Amissa und Aidan Baker. Sie müssen sich sehr wohl gefühlt haben, in der Kirche, auf der Bühne, vor dem Altar, so dass es dazu kam, dass alle Musiker des Abends sich zusammengetan haben, um gemeinsam zu improvisieren. Das Ergebnis ist auf dem selbstbetitelten Tape zu hören. Ein 20minütiges Set, in dem sich minimalistische Streichersounds, Drums und drei Gitarren so grazil vermengen, dass eine ständig anhaltende Spannung entsteht, die dieses Stück ausmacht. Als Bonus gibt es auf der B-Seite ein Set für eine französiche Radioshow von A-Sun Amissa und Aidan Baker. Erschienen in einer Auflage von 99 handnummerierten Tapes in drei verschiedenen Coverfarben.

Ein Klangtriptychon, das sehr zu empfehlen ist.

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N (22) – GOOR

Posted in Release on February 16th, 2014 by D.K.

N, Idee Nummer 22, Titel Goor, vier Tracks auf jeweils einer Seite einer 12inch Vinyl, für 100 Musikliebhaber, Drones für die Ewigkeit. So ungefähr lässt sich das neue N Album kurz umschreiben. Aber dabei wollen wir es natürlich nicht belassen. N (22) – “Goor” ist, nach einer langen Durststrecke, das erste Soloalbum des Dronemusikers seit “Gager” und eine Art Dokumentation einer musikalischen Weiterentwicklung.

Goor

Das aus vier Songs bestehende Album tritt das Erbe des N Klassikers “Prora” an und beschäftigt sich mit den N Stücken, die die Grenzen von Noise, Ambient und Drone aufbrechen und alles miteinander vermengen und zu etwas umformen, was sonst niemand so hinbekommt.

Goor
Der Titeltrack, benannt nach einem Ort in den Niederlanden, der für N und manch einen Anderen für Freundschaft steht, beginnt mit nichts geringerem als einem massiven Drone. Keine Einführung, kein Herantasten. Stellt euch vor, ihr wollt in eine Kirche eintreten und macht das Tor auf, während in der Kirche zehn Orgeln den selben Ton spielen. So in etwa fühlt es sich an, wenn die Nadel Seite A ertönen lässt. 23 Minuten Gedröhne, fast, denn nach einer Viertelstunde überrascht N mit etwas sehr Seltenem. Hörbar angespielte Saiten.

Wehle
Der zweieiige Zwillingsbruder von Goor hält sich ebenfalls nicht zurück, was die Klanglandschaft angeht. Im Hintergrund baut sich hier überraschenderweise eine Art Black-Metal-Gitarrensoundflechte auf, die in Verbindung mit dem Hauptgedröhne des Tracks eine Leichtigkeit einbringt, die den Song schweben lässt.

Blauort
Blauort gibt dem Hörer die Möglichkeit, die Ohren vom vorherigen Rauschen zu entspannen. 10 Minuten glasklare Drones. Entspannen und von den Sounds treiben lassen.

Suedfall
Suedfall ist als Abschluss des Albums perfekt platziert. Denn hier arbeitet N mit melodischen Drones und vibrierenden Sounds, die von tiefem Gedröhne in ein lautes verzerrtes Getose münden, um dann zum Schluss seicht auszuklingen. Da wo N sonst an Wiedererkennungsmelodien spart, ist hier ein Sound zu hören, der nicht nur unter die Haut geht, in die Seele, sondern auch potentiellen Ohrwurmcharakter hat. Natürlich nicht im Sinne eines Popsongs. Einer der besten Tracks als Abschluss des vielleicht besten N Albums seit “Prora”.

Die Tracks sind allesamt aus dem bisherigen Liverepertoire von N und wurden am Stück ohne weitere Bearbeitung (außer dem Mastering von Fear Falls Burning) im Studio neu aufgenommen. “Goor” ist auf Doppelvinyl und digital via Denovali Records erhältlich. Wer vor dem Preis der Platte zurückschreckt, sollte bedenken, dass es sich hierbei um eine limitierte Auflage von 100 Stück handelt. Das Artwork ist wie bei allen anderen N Releases auf hochwertiger, dicker rauher Pappe gedruckt.

N ist übrigens im März zusammen mit [ B O L T ] auf Tour, um u.a. die gemeinsamen Tracks des Kollaborationsalbums live zu präsentieren, das im November auf Midira Records in einer 100er Auflage erschienen und fast ausverkauft ist.

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KWAIDAN

Posted in Release on June 2nd, 2013 by D.K.

Ende des Monats erscheint das neue Album von Locrian. Bis dahin könnt ihr euch mit einer weiteren Platte aus der Feder von André Foisy vergnügen. Denn am Dienstag erscheint das Debüt Album von Kwaidan, dem neuen Trio bestehend aus André Foisy von Locrian, Mike Weis von Zelienople und Neil Jendon (solo und zeitweise bei Zelienople unterwegs).

Nachdem fast unbeachtet vor einiger Zeit ein Kwaidan Tape mit einem Live-Set erschienen ist, steht nun mit “Make All The Hell Of Dark Metal Bright” das erste Album in den Startlöchern. Bathetic Records hat das Werk auf Vinyl gepresst und bietet dem Hörer somit ein perfektes Hörerlebnis.

Seite A beinhaltet das dreigeteilte “Three Empty Rooms Of Light And Space”. Der erste Teil “Evening Bell” ist ein pulsierendes Ungetüm aus Synthie- und Moogsounds und Drums. Eine Masse an Sounds, auf der Suche nach Ordnung, die es eigentlich nicht braucht. Der zweite Teil “Gateless Gate” bringt dann die Ordnung in Form von E-Bow-Melodien. Die Drums werden mit Paukenschlägeln gespielt und bauen somit nicht nur den Rhythmus auf, sondern geben den Tracks eine unheimliche Bassaura, die sich im Hintergrund aufbaut. Dies kommt besonders im dritten Teil “Ostension” zur vollen Geltung. Hier nehmen sich die Synthiesounds zunächst zurück und es wird eine Spannung gehalten, die unter die Haut geht. Was passiert gleich? Kommt noch eine Soundwende?

Seite B beginnt mit “The Iceberg And Its Shadow”. Synthiedrones gepaart mit Klavier. Hier fühlt man sich zum ersten Mal an den Locrian-Klang-Kosmos erinnert. Kwaidan lassen sich Zeit, schön dass der nächste Song dann auch “Space As Support” heißt. Hier werden die Paukenschlägel zur Seite gelegt und die Drums treten weiter in den Vordergrund. Die Gitarre spielt wiederkehrende Melodien und so wird der Track das erste greifbare Konstrukt auf dieser Platte und bereitet “The Sound Of This Bell” den Weg. Denn der Abschlusssong ist ein Übertrack vom Feinsten. Hier beweisen Kwaidan, dass man die Schönheit von experimenteller Musik sehr gut mit eingängigen Strukturen paaren kann. Oh lieber Plattenspieler, lass diesen Song nicht enden…

Aufgenommen wurde das Album von Greg Norman, gemastert von Jason Ward und natürlich alles in Chicago, wie man es aus der Locrian Familie gewohnt ist.

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BIBLO – MOVED

Posted in Release on May 30th, 2013 by D.K.

Biblo ist eine experimentelle Musikerin aus Istanbul, die mit Einsatz von Elektronik, Gitarre und geflüstertem Gesang Soundcollagen erschafft, die sich zwischen Trip Hop, Ambient und Synthie bewegen.

Auf “Moved” präsentiert Biblo eine stimmige Mischung ihres Klangkosmos. Der Opener “Floater” mit seinen massivattackischen Sounds und Beats fließt berauschend vor sich her. “Mind You” besteht aus einer noisigen Fläche, auf der Beats und die Stimme von Biblo aufsetzen. Elektronische Sounds runden hier das Gesamtkonstrukt ab und helfen dem Hörer, in die Phantasiewelt der Künstlerin abzutauchen. “Some Soil” überrascht in den ersten Sekunden mit Akustikgitarrenklängen, die aber nach 5 Sekunden zu einem Looprhythmus mutieren. Man versteht nicht immer was die Dame da vor sich her flüstert, was aber der Musik einen besonderen Charme verpasst. Und dann ist Seite A schon am Ende.

Die zweite Seite der Platte fängt experimenteller an als das bisher gehörte. “Burnt Offerings” wartet mit vielen verfremdeten Sounds auf und erst in der zweiten Hälfte erhält der Song eine greifbare Struktur. “For No One” überrascht mit einem Beat a la David Bowies Lost Highway Soundtrack Beitrag “I’m Deranged”. “Infatuation” setzt wieder auf Gitarrensounds und verfremdete Vocals, verwunschen und verschachtelt schön. “Losing Light” besteht bis auf wenige basslastige Beats aus Vocals in verschiedenen Tonlagen und Tempovariationen.

Wer auf intelligente elektronische Sounds und liebliche weibliche Vocals steht, kommt hier voll auf seine Kosten.

“Moved” gibt es auf durchsichtigem 12inch Vinyl bei Aentitainment Records.

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PILIA & SPACCAMONTI

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Paolo Spaccamonti und Stefano Pilia sind zwei italienische Musiker, die sich auf Gitarrensounds konzentrieren. Die beiden italienischen Indielabel Escape From Today und Brigadisco haben sich was feines einfallen lassen und eine Split-Vinyl-Veröffentlichung herausgebracht, die jeweils eine EP beinhaltet.

Seite A beinhaltet “Frammenti” von Paolo Spaccamonti und gibt mit drei Stücken einen Einblick ins Schaffen des bisher eher unbekannten Musikers. Spaccamonti beschäftigt sich sehr mit melodiösen Tracks mit klarer Songstruktur und eingängigen Parts. So macht es auch Sinn, dass er für seine Stücke auch Drums einspielen lässt, die ohne viel Wirbel den Rhythmus der Gitarre mitgehen.

Seite B wird von “Stand Behind The Men Behind The Wire” behaust, der aktuellen EP von Stefano Pilia. Wer Pilia noch nicht kennen sollte, hat hier die Möglichkeit einer kleinen Auswahl seines Repertoires zu lauschen. Pilia nutzt das Spektrum von Gitarrensounds voll aus. Auf zwei akustischen Stücken zaubert er mitreißende Arpeggios und auf den restlichen drei Stücken geht er experimentelle Wege auf der E-Gitarre.

Eine lohnenswerte Veröffentlichung für alle, die an frischen experimentellen Gitarrensounds interessiert sind.

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DANIEL MENCHE UND DIE WÖLFE

Posted in Release on May 1st, 2013 by D.K.

Daniel Menche aus Oregon beschäftigt sich mit Sounds aller Art. Seine Arbeiten entstehen, indem er Field Recordings oder andere Soundquellen als Basis verwendet, um daraus seinen eigenen Sound zu modellieren. Er bewegt sich dabei zwischen Ambient und Noise und schafft Klänge, die mal kakophonisch mal melancholisch klingen können. Wer sich mit Menche beschäftigen möchte, sollte also gute Nerven haben.

Auf “Vilké” (in Litauen das Wort für den weiblichen Wolf) beschäftigt sich Menche mit animalischen Soundquellen. Nachdem er auf einem seiner Streifzüge durch die Wälder das Geheule von Wölfen festhalten konnte, hat er sich daran gesetzt, genau diese Sounds zu einem Album umzuformen. Das Resultat ist das viergeteilte Album “Vilké”. Vier Tracks, die allesamt an der 19 Minuten Marke kratzen, nehmen den Hörer mit in die zutiefst gruselige Soundwelt von “Vilké”. Der erste Teil beginnt mit einem brachial lauten Drumming, das allmählich leiser wird und sich im Hintergrund einer elektronisch verfremdeten Noisewand wiederfindet. Die Wölfe sind nicht mehr zu erkennen, dafür sorgt Menche mit Drums, Piano und Gitarren, die ebenfalls nicht direkt zu erkennen sind. Die Sounds der Wölfe hat Menche durch den Rechner gejagt und so verfremdet, dass sie teils choral, teils noisig klingen. Im dritten Teil überlappen sich Drumsounds zu einer Art Black-Metal-Rhythmus-Wolke, die von verfremdeten Wolfsgesängen verschlungen wird. Erst im letzten Teil kann der Hörer auch mal durchatmen und sich auf einzelne Sounds konzentrieren ohne Angst zu haben, von kakophonischen Soundschwaden überrascht zu werden. Die letzten 19 Minuten gleiten vor sich hin und es entsteht eine Art melodisches Rauschen. Unheimlich.

Sige Records hat “Vilké” in Form gebracht und bietet das Album als Doppelvinyl mit Artwork von Faith Coloccia (Mamiffer) an und als limitiertes Tape inklusive einer DVD, auf der Menche mit Hilfe des Artworks von Coloccia ein Video zum Album verewigt hat. Das düstere geheimnisvolle Artwork passt auf jeden Fall sehr gut zum Album und rundet das Gesamtpaket ab.

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DUCHAMP

Posted in Release on March 31st, 2013 by D.K.

DuChamp ist eine italienische Musikerin aus Berlin, die sich ganz dem Erschaffen von Dronetracks verschrieben hat. Es gibt viele Beweggründe, warum Musiker von Dronesounds begeistert sind, allerdings ist der Grund von DuChamp ein äußerst außergewöhnlicher: Drones erinnern die Italienerin an ihre Kindheit als ihre Mutter ihr die Haare geföhnt hat, was ihr damals sehr gefiel.

Auf der Suche nach dem perfekten Dronesound, der das Föhnwohlgefühl ihrer Kindheit einfangen kann, hat Duchamp ihr erstes Album “Nar” aufgenommen. Fünf Stücke voller Drones, die aber weitaus mehr sind als einfaches Gedröhne a la Föhn. “Gemini” basiert auf Akkordionsounds, die übereinandergelappt eine warme dronige Fläche ergeben. “Protect me from what I want” überrascht mit Bassläufen, die dem Track eine Struktur verleihen. “A whorship” wird von mantraähnlichen Vocals begleitet. Die Zutaten sind einfach: Gitarre, Bass, Akkordion, ein paar Töne aus dem Keyboard und natürlich eine Reihe an Effekttretminen. Das Ergebnis dieser Föhnsoundsstudie ist eine klanghafte Reise, die auch mal Sonic Youth-ische Sounds hervorbringt, wie im Abschlusstrack “Seisachtheia”. Einen Föhn hört man auf dem Album im großen Ganzen nicht, was das Gehörte aber in keinster Weise abwertet.

Das italienische Label Boring Machines veröffentlicht Anfang April “Nar” auf Vinyl.

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GOG – IRONWORKS

Posted in Release on December 9th, 2012 by D.K.

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Gog ist das Projekt des Multiinstrumentalisten Mike Bjella, der mit “Ironworks” ein Album präsentiert, das die Aufmerksamkeit des Hörers nur so an sich saugt. Entstanden ist das Album auf Basis von Aufnahmen, die in der Schmiedewerkstatt von Bjellas Familie festgehalten wurden.

Gog vermengt noisige Field Recordings mit Gitarren- und Klaviermelodien, streut hier und da wortlose Vocals ein und erschafft dadurch eine Atmosphäre, die viele als düster oder nihilistisch empfinden. Wer sich Zeit nimmt für “Ironworks”, der kann viel entdecken auf seiner Hörfahrt durch die Welt von Gog.

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Allein der Opener “1870-1906” hört nicht auf sich zu entfalten. Maschinengestotter legt den Rhythmus, noisige Gitarren bauen Klangflächen auf und Klaviertöne geben hoffnungsvolle Melodien rein. Ein Auf und Ab der Gefühle. “Tasks Which Destroy Body And Soul” walzt und brettert gewaltiger als jeder Doom Metal Song mit Drums, hier halt ohne Drums, sondern mit Maschinen Field Recordings. “God Says To Love You In Chains” nimmt Druck raus und baut auf bassige Drones, verschwommene Vocals und Klavierklänge. Die B-Seite der Platte beginnt mit “A Promised Eternity Fulfilled with Cancer”. Der Track klingt sehr persönlich und ist von der Stimmung her wie der Titel eine Vermengung aus der Summe der einzelnen Teile: Hoffnung, Trauer, Wut… “Into Her, She Carved The Word Empty” besteht minutenlang nur aus Field Recordings, bedrohlich, dann greift eine Noisewand an, aus der gruselige Stimmen und andere angsteinflössende Sounds hervorgehen. Genial. “I Draw May Strength From You” fliesst wie fast erstarrte Lava aufs Ende der Vinylrille zu.

“Ironworks” ist über Utech Records als schwarzes Vinyl (300er Auflage) oder als Download über die neue Bandcamp Seite des Labels erhältlich.

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SUM OF R – RIDE OUT THE WAVES

Posted in Release on October 14th, 2012 by D.K.

Sum Of R haben sich letzten Sommer für ein paar Termine nach Deutschland begeben und dabei einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ihr selbstbetiteltes Debut Album ist bereits vor vier Jahren über Utech Records erschienen. Aus der Erstbesetzung ist nur Gründer Reto Mäder geblieben. An seiner Seite ist jetzt Julia Wolf an der Gitarre. In dieser Formation haben Sum Of R an einigen Songs gearbeitet, die ursprünglich als Tape Relaese veröffentlicht werden sollten. Nachdem das Label Storm As He Walks die Aufnahmen gehört hat, war es den Labelleuten ein Vinyl Release wert.

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“Ride Out The Waves” ist ein sechsteiliges Werk, dass die dunkle Seite des Rock n Rolls bewandert. “Growing Into Something Special” beschäftigt sich wirklich mit dem Wachsen, denn der Sound wächst von der ersten Sekunde an. Aus einem hallenden Ambientstück bricht gegen Ende ein Drumrhythmus aus. “In The Fields Of Trust” zeigt, wie leicht sich Doom- mit Rockriffs vereinen lassen, so dass ein sowohl schwerfälliger als auch treibender Song entsteht. Dabei ist klar erkennbar, dass Reto Mäder der Mann für das Experimentelle und Düstere ist und Julia Wolf Sorge trägt, eine gehörige Prise Gitarrensounds einzubringen. Genauso verhält es sich auch in “Echo”, hier blinzelt sogar ein wenig Black-Metal-Sound durch. “Captured Lightning” setzt nicht auf treibende Sounds, sondern auf fließende Dynamik. Drums, Percussion und Saiteninstrumente im Einklang. Es öffnet sich das Tor für “Alarming”, denn hier preschen die Sounds wieder auf den Hörer ein. Die Gitarre ist rauh und hallig, die Drums trocken und langsam, Sirenen ertönen…

Diese Platte wandert durch düstere und experimentelle Pfade und lockt den verängstigten Hörer mit treibenden Riffs und Drums. Gelungenes Zwischenspiel. Wir bleiben gespannt und warten auf das zweite Full Length Album, das nächstes Jahr via Utech Records erscheinen soll.

Die Platte gibt es hier zu bestellen.

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MAMIFFER & PYRAMIDS

Posted in Release on September 23rd, 2012 by D.K.

Mit Mamiffer und Pyramids haben zwei Bands auf einer Split zusammengefunden, die von ihrer Herangehensweise her sehr gut zusammenpassen. Mamiffer vermengen klassische Elemente mit experimentellen Sounds und Pyramids vermengen elektronische Sounds mit Klängen echter Instrumente. Beide erzeugen durch diese Klangfusionen eindringliche experimentelle Tracks, die vor allem durch ihre Vielfältigkeit überzeugen.

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Seite A der gemeinsamen Split LP gehört Mamiffer. Wer mit Mamiffer Veröffentlichungen vertraut ist, der weiß, dass Splits und Eps immer ein wenig vom Sound der Alben abweichen, so auch hier. “Sophia” gleitet förmlich durch die Nadel in die Lautsprecher. Verzerrte langgestreckte Gitarrensounds breiten sich aus, das Klavier spielt eine melancholiche Melodie. Der Hörer wird in eine Klangwelt gelockt, die Geborgenheit signalisiert. Der Song steigert sich in seiner noisigen Note und mündet in eine Art Mantra aus elektronisch vefremdeten Instrumentensounds. Man könnte ewig zuhören… “Ticha Noc” hat den Geist von House of Low Culture Tracks. Unbeugsam schreiten die noisigen Sounds voran. Mysteriöse Vocals unterstreichen das Gesamtbild, das die Sounds vermitteln. Hier treffen so viele Sounds aufeinander, dass selbst nach mehrfachen Hören immer wieder ein neues Element entdeckt werden kann.

Seite B wird vom 13minütigen “This Is One For Everyone” geschmückt. Die Pyramids tauchten vor einigen Jahren aus dem Nichts auf. Man wusste nichts über sie, nur das ein Typ namens R. Loren die Geschicke der Band in der Hand hat. Heute ist es nicht anders. Pyramids sind ein Mysterium und bleiben es auch. Der Song schreitet durch verschiedene Phasen, in denen immer wieder neue Elemente aufeinander stoßen. So verwundert es nicht, dass Ambientsounds auf Breakbeats und Field Recordings treffen und im nächsten Moment sphärische Gesänge den Song in eine ganz andere Richtung lenken. Keine Schublade, eher ein Schrank voll Stilrichtungen, in denen sich Pyramids ausleben.

Die Mamiffer & Pyramids Split erscheint Ende Oktober über Hydra Head Records, ausschließlich auf Vinyl.

Mamiffer sind übrigens im Oktober zusammen mit Menace Ruine aus Kanada auf Tour durch Deutschland und spielen am 26. Oktober ein exklusives Konzert in der Christuskirche Bochum.

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DEEP LISTENING BAND – NEEDLE DROP JUNGLE

Posted in Release on August 12th, 2012 by D.K.

Als die Aufnahmen zu “Needle Drop Jungle” entstanden sind, waren die drei Beteiligten 221 Jahre alt. Das mal als kleines hochachtungsvolles Vorwort. Die Deep Listening Band, bestehend aus Pauline Oliveros, Stuart Dempster und dem mittlerweile verstorbenen David Gamper, hat im Januar 2011 mehrere hundert Minuten an Material eingespielt. Anlässlich des diesjährigen achtzigsten Geburtstags von Pauline Oliveros haben Important Records neben einem Oliveros Boxset zwei Alben mit den Aufnahmen der Deep Listening Band veröffentlicht und da es genug Material gibt, das gehört werden muss, folgt jetzt “Needle Drop Jungle” via Taiga Records.

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Die Aufnahmen von “Needle Drop Jungle” sind alle in der “Town Hall Seattle” entstanden. Das Gebäude besticht durch hohe Decken und der Fusion von Tonnen- und Kuppelgewölbe. Genug Raum für die Entfaltung von Klängen. Genau das ist auch das Ziel der Deep Listening Band. Mit Klavier, Akkordion, Posaune, Klangmuscheln und diversen anderen Hilfsmitteln entsteht in “Landgrove” eine raumfüllende Klangwolke. Aus allen Seiten der Lautsprecher ertönen die verschiedensten minimalistischen Sounds, die im Kopf des Hörers zu einem Ambientsong zusammengeführt werden können. “Jungle Howl” schleicht sich zunächst mit filigranen Sounds in die Ohren um dann mit einer Art Posaunendrone auszubrechen, während sich im Hintergrund eine Rhythmusfläche aufbaut. Besonders dann, wenn die Posaune klar erkennbar ist, erinnert der Sound an Horrorscores aus den Siebzigern. Gegen Ende spielen sich die drei Musiker aufeinander ein und gleiten mit ihren Sounds minutenlang durch die Town Hall. “Friday Mighty” ist völlig losgelöst von Songverpflichtungen. Hier steht die kontrollierte Improvisation im Mittelpunkt. Ein kleiner Ausbruch. “Tomorrow´s Power” fließt. Akkordion, Posaune gleiten ineinander. Man kann es sich förmlich vorstellen, wie die Sounds allmählich den ganzen Raum füllen und von einer Seite des Raums auf die andere Seite rüberhallen. Erhabene Drones.

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Vier Songs, alle über 15 Minuten lang, auf vier Vinylseiten verteilt und mit einem passenden Artwork versehen. Denn genau wie das Wasser, das beim Abfliessen gefriert und aus einem Eiszapfen ein Eiskunstwerk enstehen lässt, erzeugen hier die einzelnen Instrumente in der Fusion mit dem Raum ein Klangkunstwerk.

Die Deep Listening Band ist Bestandteil des von Pauline Oliveros ins Leben gerufenen Deep Listening Institute. Wer sich informieren möchte sollte an dieser Stelle anfangen.

“Needle Drop Jungle” ist über den Taiga Records Shop erhältlich.

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EVAN CAMINITI TRÄUMT NICHT

Posted in Musik on July 21st, 2012 by D.K.

Kaum hat er sein letztes Soloalbum veröffentlicht, bringt Evan Caminiti sein nächstes Album raus. Auf “Dreamless Sleep” öffnet Caminiti die Tür in eine psychedelische Welt voller Gitarren und Synthiedrones.

dreamless sleep

Schon bevor man die Musik hört, beschäftigt einen das ungewöhnliche Artwork. Da wo Evan Caminiti sonst mystische Zeichnungen oder Landschaften auf die Cover seiner Alben und die von Barn Owl zaubert, ist jetzt eine Fotografie zu sehen. Diese zeigt im 70er Jahre Stil und mit starker Farbprägung von dunklen Schatten bedeckte Pfeiler, hinter denen ein purpurner Himmel schimmert und eine nicht erkennbare, verhüllte Figur im Mittelpunkt steht. Eigentlich ist auch genau das zu hören auf “Dreamless Sleep”. Sounds, die geprägt sind von 70er Jahre Klängen, mit dunklen Seiten, aber auch mit sphärischen Passagen. Kosmisch, psychedelisch und mit einer großen Prise düsterer Dronegitarren versehen. Die sieben Songs bewegen sich zwischen vier und sieben Minuten, sind getrennt und klingen trotzdem wie eine große Einheit. Wer das Album zum ersten Mal hört, sollte die Platte unbedingt im Anschluss sofort wieder hören. Die Songs klingen beim zweiten Durchhören, durch die Art wie sie sich während der Albumlaufzeit entwickeln, erstaunlich anders oder werden anders wahrgenommen. Ein Klangerlebnis oder Klanggefühl, das man schlecht beschreiben kann, aber auf jeden Fall mal erleben sollte. Warum sollte man hierbei nicht träumen können?

evan caminiti

“Dreamless Sleep” erscheint im August über Thrill Jockey Records.

 

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EXPO ´70

Posted in Release on February 4th, 2012 by D.K.

Expo´70 ist der Amerikaner Justin Wright und wie der Bandname schon verspricht, geht es hier um die 70er, genauer gesagt zeigt uns Justin Wright, wie experimentelle Drone und Ambientmusik klingen könnte, wenn wir uns jetzt in den 70ern befinden würden. Ein bisschen Krautrock, ein wenig Psychedelic und so ein Hauch Avantgarde mit moderner Seele, das ist Expo´70. Was Expo´70 auch ist, ist produktiv. Denn was innerhalb einer kurzen Zeitspanne veröffentlicht worden ist, lässt staunen. Deswegen widmen wir uns jetzt exemplarisch einer der neuesten Veröffentlichungen.

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„Hovering Resonace“ ist eine 12inch Vinyl EP, die über das kleine Label Sound Of Cobra erschienen ist. Darauf vertreten ist der 15minütige Titeltrack, der mit seinen kosmischen Drones gepaart mit Retrosoli und subtilen Synthieflächen und einem subtilen Groove überzeugen kann. Expo´70 versteht es, die verschiedenen Einflüsse gekonnt zu dosieren, so dass der Gesamtsound eine eigene Note erhält. „Moon Raga“ groovt sich mit Tribaldrums und sphärischer Gitarrenuntermalung ein und schließt die EP vorantreibend ab. Hier ist nicht Schluß. Expo´70 macht Lust auf mehr. Wem diese EP gefällt, der sollte sich unbedingt auch mit dem restlichen Material von Expo´70 beschäftigen.

Passend zur Musik ist das von Justin Wright designte Artwork auch ganz in den 70ern verhaftet. Bei dieser EP wurden die ersten 100 Exemplare (von 200) im handgemachten Siebdruck geliefert. Inzwischen hat das Label schon keine einzige Kopie mehr davon. Das heißt: Mailorders durchsuchen!

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PETRELS

Posted in Release on January 28th, 2012 by N UND D.K.

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Der Brite Oliver Barrett alias Petrels baut aus einer Unmenge von instrumentalen Schichten, nein, keine eigentlichen Drones, sondern eine Art wortloser Songs ohne Rhythmus. Wo andere durch Schichtung undurchdringliche Monolithen stapeln, die geradezu bedrohlich vor dem Hörer aufragen und tiefe Schatten werfen, sind die Schichten von „Haeligewielle“ eher fein gewebt; mit Luft zum Atmen dazwischen und Ausblick ins Dahinter. Und dem Wissen um Dynamik; wenn beispielsweise in „Canute“, eine gleissende Spitze erreicht wird. Und dem Wissen um überraschende Instrumentierung, wenn in „Concrete“, die ansonsten allgegenwärtigen Gewebe akustischer (oft auch Streicher) und elektrischer Instrumente durch einen Chor abgelöst werden, der dem Stück einen noch menschlicheren Charakter verleiht, noch wärmer und runder, noch organischer als bei den anderen sechs Songs. Wobei es nicht wundern würde, wenn sich herausstellen sollte, dass dieser Chor Oliver Barrett allein ist; ein gewisses (und gesundes) Maß an Versponnenheit schimmert immer wieder zwischen den Zeilen hindurch und lässt „Haeligewielle“ trotz aller Klangereignisse stellenweise auch ganz leicht wirken, jenseits von Soloautismus oder dem Eingepferchtsein in sein eigenes Konzeptkämmerlein…

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Insofern ist „Haeligewielle“ einfach nur ein perfektes Beispiel, was immer wieder aufs neue möglich ist, wenn sich Leute von Vorgaben und Vorbildern lösen und ihr ganz eigenes Ding entwickeln; hier im Fall von Drone / Experiment / Ambient. Völlig klischee- und dabei alles andere als harmlos; Wolf im Schafspelz. Perfekt. (N)

Auf CD und Vinyl über Denovali Records erhältlich.

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Mit der neuen 2-Track EP „All Things In Common“ führt Petrels seinen Soundkosmos fort und setzt genau da an, wo er mit „Haeligewielle“ aufgehört hat. Ein noisiger Beat, Elektrogeflirre in „Thomas Muntzer“, alles verschmilzt allmählich, dann eine Noisewand, die ständig in den Song hereinbricht um sofort wieder zu entschwinden. Die Auflösung des Noiseknotens durch eine Art Mellotron-Cello-Klangfläche. Was Petrels hier wirklich als Instrumentierung vewendet hat, ist nicht wirklich klar. Klar ist, dass der Song unter die Haut geht… besser… fliesst. Die 10 Minuten Laufzeit kommen einem so kurz vor.
Die B Seite „Leonora Christine“ mit orchestralem Anfang, verloren im Hall, schwebend, nicht greifbar und deswegen so unheimlich schön. Dann überraschend der Bruch mit einem Elektroglockenspielbeat und einer filigranen Synthiemelodie. Cooler Beat oder besser gesagt Rhythmus mit Kopfnicktendenzen. Die Streichersounds vom Anfang kommen wieder… Großes Ohrenkino. (D.K.)

„All Things In Common“ gibt es als 10inch Vinyl und als kostenlosen Download. Natürlich auch über Denovali Records.

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EQUUS – WIE ER IN DIE WELT KAM

Posted in Release on January 22nd, 2012 by D.K.

Die Schweizer Band Equus ist seit ihrem Debüt “Eutheria”, das 2008 über Get a Life! Records erschienen ist, nicht wegzudenken aus der Schweizer Instrumentalbandsszene, zu der u.a. Shora, Shelving und The Evpatoria Report gehören. Das Debüt beinhaltet drei epische Stücke, die in einer Spielzeit von 15-30 Minuten eine Fusion aus Kraut-, Prog- und Postrock vereinen. Wer die Platte noch nicht gehört hat, sollte dies unbedingt nachholen.

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Fast vier Jahre später steht jetzt der Nachfolger “Wie er in die Welt kam” im Plattenregal. Equus haben sich Paul Wegeners Film “Der Golem, wie er in die Welt kam” von 1920 als Grundlage genommen und dafür einen neuen Soundtrack erschaffen. Das Resultat ist ein 40minütiges Album mit 14 Tracks, auf denen Equus ihr Repertoire an Instrumenten, zu denen neben Drums, Bass, Gitarre und Piano auch ungewöhnlichere Rockinstrumente wie die Melodica, das Clarinet, das Harmonium und das Mellotron gehören, zu einer treibenden fließenden Einheit verschmelzen, die unter die Haut geht. Auch ohne die Bilder des Stummfilms funktionierend zeigen sich Equus verspielter und vielseitiger als auf dem Debüt, klingen aber trotzdem auf beiden Platten unverkennbar. Ein stilistisches Festlegen ist hier fast schon überflüssig, denn die Band macht weder Postrock, noch Krautrock, sondern ihr ganz eigenes Ding, das aber Fans der beiden genannten Musikrichtungen gleichermaßen gefallen dürfte. Wenn dann noch ein Clarinet einsetzt und von Piano und Mellotron dronig untermalt wird, kann hier nicht mehr von Rock gesprochen werden. Auf alle Fälle ein Highlight!

Zur Musik passend kommt das Album in einer hochwertigen,handgemachten Vinylummantelung von Shayo Records.

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