BASSES FREQUENCES ZUSAMMENKÜNFTE

Posted in Label, Release on October 22nd, 2011 by D.K.

Das französische Label Basses Frequences veröffentlicht seit einigen Jahren schon experimentelle Musik von Künstlern wie Locrian, Nicholas Szcepanik, Celer oder Nadja. Aber vor allem die Kollaborationen, die auf dem kleinen Ein-Mann-Label erscheinen, haben es uns angetan. Im Folgenden wollen wir euch diese etwas näher vorstellen.

THISQUIETARMY & YELLOW 6

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Eric Quach (Thisquietarmy) und Jon Attwood (Yellow 6) haben sich 2009 nach einem kanadischen Festival, auf dem beide aufgetreten sind, in Erics Studio in Montreal verzogen und dort eine gemeinsame Session eingespielt und aufgenommen. Das Resultat ist zunächst ein paar Monate liegen geblieben, bevor es dann in die Hände von Fear Falls Burning (Dirk Serries) gegeben wurde, um für eine Vinylveröffentlichung gemastert zu werden. Das Resultat sind die beiden 12inch Platten “Death” und “Valley”, benannt nach der kalifornischen Wüste, die wohl auch der Ideenpool für die eingespielten Songs war. Im Gegensatz zu den Soloveröffentlichungen der beiden Gitarristen sind die sechs Songs auf diesen beiden Platten erstaunlich zurückhaltend und minimalistisch. Niemand drängt sich in den Vordergrund, niemand versucht der Musik sein Label aufzudrücken. “Death” und “Valley” sind zwei beeindruckend intensive Dokumente einer winterlichen Session, in der beide Musiker erschöpft von vorherigen Ereignissen einfach nur zusammen gespielt und dabei einen gemeinsamen Soundfluss gefunden haben. Einfach die Nadel auf das Vinyl setzen, laut aufdrehen und eine Reise durch die Wüste antreten.

AIDAN BAKER & KEVIN MICKA

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Ebenfalls 2009 in Montreal entstanden ist die Kollaboration zwischen Aidan Baker (Nadja) und Kevin Micka (Animal Hospital). Auf “Green Figures” ist ein gemeinsamer Auftritt der beiden Musiker zu hören, den Eric Quach glücklicherweise aufgezeichnet hat. Denn die drei Songs aus Aidan Bakers bekannteren Alben “Green & Cold” und “Figures” erfahren durch die Livedrums Begleitung von Kevin Micka eine ganz neue Dynamik und Struktur. Die Songs werden langsam aufgebaut, die Drums fügen sich subtil ein und gehen mit Bakers Loops eine Fusion ein, so dass die Songs ganz neue Facetten erlangen. Eine Liveplatte, die definitiv nicht nur was für Aidan Baker Fans ist, sondern auch für alle die, die auf handgemachte, leicht experimentelle Shoegazersounds stehen.

Als nächste Veröffentlichung steht übrigens die Kollaboration von Yellow6 und Larkian an…

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YELLOW6

Posted in Release on February 16th, 2011 by N

Jon Attwood aka Yellow6 reiht sich nicht in die Reihen der drone-affinen One-Man-Guitar-Bands, baut keine düsteren, in sich bewegenden, aneinander reibenden Dronewolken oder Distortionberge… Oder soll man sagen: nicht mehr? Im Gegensatz zu “In Time this too will Fade” mit seiner umarmenden, faszinierenden Melodiösität und einem in der vermittelten Atmosphäre (zumindest für mich, trotz der elektrischen Instrumente, trotz Looper + Co) irgendwie fast folkig-luftigen Charakter ist das 1998’er Yellow6 Debüt „Perception Received/Milestone“ (als 7inch auf Enraptured) ein an den Gehörgängen kratzender Shoegazer-Blueprint, auch wenn Jon Attwood’s Haltung zur Melodie bereits damals durchscheint. Aber, wie es manchmal so ist: der Kontakt ging nach dieser ersten 7inch verloren und die folgenden Unmengen an CDr Veröffentlichungen an mir vorbei. Bis vor kurzem die Platte auf Basses Frequences („Death“, mit Thisquietarmy, Review siehe PLATTEN) und, fast zeitgleich, “In Time this too will Fade” auf Tonefloat’s C-Serie die Erinnerung wiederbrachte. Und die Neugierde.

yellow6

Und gleich das erste der drei ohne Namen bleibenden (oder werden die Namen nur verschwiegen?) Stücke ist eines dieser statuenhaften Stücke, wie gemacht für heavy-rotation ohne Zeitbeschränkung: schon nach wenigen Minuten wirkt die repetetive Hauptmelodie überhaupt nicht mehr wie ein sich wiederholendes Muster, scheint ständig Neues zu versprechen oder schafft es einfach, den Erinnerungsspeicher immer wieder aufs Neue zu leeren und alles Leben außerhalb der Konzentration auf dieses Stück auszuschalten. Und hält für das Ende genau das in der Hinterhand, was wenige Zeilen zuvor noch als Relikt der Vergangenheit für heute ausgeblendet schien: eine schleifende Schicht aus Verzerrung, die sich unter das Stück schiebt und den offenen Himmel von kurz zuvor in einer Art kontrastiert wie es nur ein Gewitter am Horizont kann, das seine ganze Brutalität entlädt, ohne den Standort des Betrachters je zu erreichen. Perfekt auch der spinetthafte Ausklang; allein schon dieses Stück ist die ganze Platte wert…

Seite 2 führt diese Atmosphäre weiter; mit einem Track, der in seiner harmonischen Struktur eine Art ambivalente Haltung zwischen Stillstand und Aufbruch besitzt, dessen Loopgerüst aber wiederum seine eigene Herkunft geschickt bemänteln kann… Der Abschluss als melancholisch wegdriftendes, Schlingern, focussiert auf ein paar einzelne, säulenhafte Akkorde und den Schimmer von Tremolo… wow.

“In Time this too will Fade” von Yellow6 ist bei Tonefloat Records erschienen.

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