URAL UMBO

Ural Umbo nennt sich das Duo, das sich aus dem Schweizer Reto Mäder (RM74, Sum of R) und dem Amerikaner Steven Hess (mittlerweile fester Bestandteil der Studiobesetzung von Locrian) zusammensetzt. Mäders Hauptinstrument ist der Bass, Hess konzentriert sich auf Percussion und Drums, und um dieses Konstrukt von Rhythmusinstrumenten paaren sich Field Recordings, Synthiesounds und andere Klangobjekte. Das Ergebnis ist eine Klangwand aus Drone, Doom, Ambient mit starker Improvisations- und Experimentierfreude.

Das amerikanische Feinkostlabel für experimentelle Sounds Utech Records hat das Debüt und ein Tape veröffentlicht und legt jetzt, nach einem Abstecher der Band, deren Zweitwerk „Fog Tapes“ das bei Hinterzimmer Records erschienen ist, das dritte Album „Delusion Of Hope“ nach.

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„Delusion Of Hope“ ist der perfekte Titel für dieses Album, das wirklich nicht im Geringsten Hoffnung für positive Gemütszustände aufkommen lässt. Schon der Opener “Initial Magnetization Curve” rollt eine derbe verzerrte Dronewalze aus, die mit einer Art Gongsound untermalt sich immer weiter ausweitet und den ganzen Raum, in dem die Musik gehört wird, überflutet, bis dann kurz vor der Neun-Minuten-Grenze die Erlösung zu kommen scheint. Erlösung folgt aber nicht, denn wo der Opener vom Bassdrone dominiert wird, gibt nun in “Sych” ein fies übersteuernder Drumsound den Ton an. Knappe zwei Minuten reizen die Drums die Lautsprecherkapazität aus, genial. “This Dead and Fabled Waste” nimmt dann erstmalig etwas Dynamik raus und präsentiert sich mit düsteren O-Tönen, flirrenden surrenden Sounds und akzentuiertem Percussioneinsatz, so schließt auch “Evocative Luminance” mit ruhigeren Tönen das Hörerlebnis von Seite A ab.

Seite B setzt laut ein mit “Self Fulfilling Prophecy”. Ein wie von selbst vor sich herdröhnender verzerrter Bass, trockene Drums und Synthiesounds, die dem Doomgewand eine kosmische Note geben. “Resinous Compound” zeigt dann die Dark-Ambient-Seite von Ural Umbo und auch hier können die beiden Spannung aufbauen und halten. “So Here I Live, Sorry” gleitet mit einem Schleier aus fragilen Sounds vor sich hin, bis irgendwann ein marschierende Percussionwand immer lauter werdend in den Song einbricht und sich in ein Drumunwetter verwandelt. Der Abschluss mit “Thermal Layering” beginnt mit pumpenden Orgeltönen, die übereinander gelegt einen Dröhnteppich ergeben und mit Percussion und nichtdefinierbaren anderen Sounds den Hörer aus der Ural Umbo Welt entlassen.

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Im Gegensatz zu den beiden Vorgängeralben, die durchgehend eine bestimmte Stimmung verkörpert haben, entwickelt sich „Delusion Of Hope“ von einem dronigen pumpenden Ungetüm in ein entspannteres soundtrackartiges Klanggebilde, das aber nicht weniger dem düsteren Albumtitel entspricht. Eine kleine musikalische Horror-Thriller-Reise, die unter die Haut geht.

Das Album erscheint in einer 300er Auflage auschließlich auf Vinyl mit beiliegender CD-Version des Albums und kann direkt über Utech Records bestellt werden. Für das Coverartwork sind Fotos des deutschen Photographen Alexander Binder verwendet worden.

 

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